Bestandssegmentierung

Bestandssegmentierung

Unter Bestandssegmentierung versteht man die Einteilung eines Artikelportfolios in Gruppen, für die unterschiedliche Bestands-, Dispositions- und Servicegradstrategien gelten sollen.

Eine solche Segmentierung kann beispielsweise anhand von Umsatz oder Verbrauchswert, Verbrauchsverhalten, Lieferzeit, Beschaffungsrisiko, Marge, Kritikalität oder gewünschter Lieferbereitschaft erfolgen. Die bekannte ABC/XYZ-Analyse ist damit eine mögliche Grundlage der Bestandssegmentierung, aber noch keine Bestandssegmentierung im eigentlichen Sinne.

Entscheidend ist vielmehr, dass aus den gebildeten Segmenten unterschiedliche planerische Konsequenzen gezogen werden.

So kann es beispielsweise sinnvoll sein, einen umsatzstarken und regelmäßig nachgefragten Artikel mit einer hohen Lieferbereitschaft und eng abgestimmten Dispositionsparametern zu führen. Bei einem sporadisch nachgefragten C-Artikel kann dagegen ein niedrigerer Zielservicegrad, eine Beschaffung nur bei konkretem Bedarf oder sogar die bewusste Inkaufnahme längerer Lieferzeiten wirtschaftlicher sein.

Unser Tipp:

 

Segmentieren Sie Ihre Artikel nicht um der Segmentierung willen. Eine Einteilung in zehn oder zwanzig Artikelgruppen bringt keinen Nutzen, wenn anschließend für alle Gruppen dieselben Prognoseverfahren, Sicherheitsbestände, Servicegrade und Dispositionsparameter verwendet werden.

 

Eine sinnvolle Bestandssegmentierung muss deshalb immer mit konkreten Regeln je Segment verbunden sein.

 

Beschränken Sie sich dabei nicht auf eine eindimensionale Segmentierung. In der Praxis müssen häufig mehrere Kriterien gleichzeitig berücksichtigt werden. Ein Artikel kann beispielsweise zugleich A-Artikel, Z-Artikel, strategisch kritisch, schlecht lagerfähig und von einem Lieferanten mit langer Wiederbeschaffungszeit abhängig sein. Je nachdem, welche Merkmale zusammentreffen, kann eine andere Bestands- und Dispositionsstrategie erforderlich werden.

 

Sinnvoll sind deshalb mehrdimensionale und sich überlappende Segmente, denen jeweils spezifische Regeln zugeordnet werden. Moderne Regelwerksysteme, wie beispielsweise die Rule Set Engine von DISKOVER, ermöglichen es, solche Zusammenhänge über Regelwerke und Entscheidungstabellen abzubilden und konsistent zu halten und daraus differenzierte Planungs-, Steuerungs- und Dispositionsparameter abzuleiten.

 

Achten Sie außerdem darauf, nicht nur den Wert eines Artikels zu betrachten. Ein C-Teil kann wirtschaftlich unbedeutend erscheinen und trotzdem eine komplette Produktion zum Stillstand bringen. Umgekehrt rechtfertigt ein hoher Umsatzwert allein noch keinen hohen Sicherheitsbestand.

 

Die eigentliche Kunst besteht darin, die Segmentierung so differenziert wie nötig, aber so einfach wie möglich zu halten und aus den jeweiligen Merkmalskombinationen eine wirtschaftlich passende Planungs- und Dispositionsstrategie abzuleiten.

 

Und nicht vergessen: Artikel verändern sich. Segmentzuordnungen sollten deshalb regelmäßig überprüft und möglichst automatisiert aktualisiert werden.

Bild von Prof. Dr. Andreas Kemmner

Prof. Dr. Andreas Kemmner