Raus aus dem Dickicht!

Raus aus dem Dickicht!

Hohe Lieferfähigkeit, steigende Komplexität und der Anspruch an eine wirtschaftliche Bestandssteuerung stellen Unternehmen heute vor große Herausforderungen in der Disposition. Auch STIHL hat seine Prozesse im Bestandsmanagement gezielt weiterentwickelt, um Sicherheits- und Beschaffungsparameter systematisch zu optimieren. Mit der Supply-Chain-Management-Software DISKOVER setzt das Unternehmen dabei auf eine datenbasierte Lösung, die bereits erfolgreich im Einsatz ist und nun auch international ausgerollt wird.

Ohrenschützer auf, Handschuhe an, dazu die passende Schutzmontur: Ein kleiner Handgriff und die Motorsäge setzt sich in Bewegung. Es sind Szenen wie diese, die sich täglich im Forst abspielen. Die Motorsäge ist der wohl wichtigste Begleiter im Alltag eines jeden Waldarbeiters. Kaum wegzudenken ist dabei die charakteristische orange Farbe der STIHL-Produkte – ihres Zeichens die meistverkaufte Motorsägenmarke der Welt.

 

Die Geschichte der Firma reicht inzwischen genau 100 Jahre zurück: Im Jahr 1926 revolutionierte Firmengründer Andreas Stihl die Waldarbeit mit innovativen Produkten. Aus dem Ein-Mann-Betrieb wurde ein Weltmarktführer, der nach wie vor im schwäbischen Waiblingen zuhause ist. Rund 20.000 Mitarbeitende kümmern sich weltweit um die breite Produktpalette, stetig kommen Neuheiten hinzu. Dass die Marke STIHL ein hohes Ansehen bei den Kundinnen und Kunden genießt, zeigte nicht zuletzt die Corona-Pandemie ab dem Jahr 2020. Während das öffentliche Leben weitgehend stilllag, besannen sich vielerorts die Menschen auf die handfeste Tätigkeit rund ums Holz – die Nachfrage nach STIHL-Produkten stieg sprunghaft an. Der Bedarf war so groß, dass man in den Lagern teils in Rückstand geriet. „Also wurden in der Disposition einige Sicherheiten eingebaut“, erinnert sich Marc Glemser, Referent Global Supply Chain bei STIHL.

 

Das Ziel: 100-prozentige Verfügbarkeit gegenüber den Endkunden. Zwar konnte STIHL auch in den Nach-Pandemie-Jahren weiterwachsen, der Boom der drei außergewöhnlichen Pandemiejahre war aber vorbei – das war auch im Lager spürbar. „Wir hatten einen historisch hohen Bestand“, so Marc Glemser. Um die Disposition der geänderten Marktlage anzupassen und Effizienzpotenziale zu nutzen, startete STIHL in ein umfangreiches Change-Projekt, das schließlich auch zur Einführung der SCM-Softwarelösung DISKOVER der SCT GmbH führte.

Effizienteres Bestandsmanagement: Wie DISKOVER STIHL neue Möglichkeiten eröffnet

Das Projekt kam für STIHL zum richtigen Zeitpunkt. Mit dem starken Wachstum während Corona und neuen Umsatzrekorden von bis zu ca. 5,5 Mrd. € im Jahr 2025, wuchs auch der Bestand 2023 auf ein Allzeit-Hoch. Aufgrund der hohen Wertschöpfungstiefe und des breiten Produktportfolios war es schnell klar, dass es eine systemische Lösung braucht, die die Sicherheits- und Beschaffungsparameter optimiert dimensioniert. Das Unternehmen berechnet mit der Software DISKOVER Sicherheitsbestände, Meldebestände und Bedarfsvorlaufzeiten. Mit DISKOVER haben die Disponenten ein umfangreiches Werkzeug an die Hand bekommen, das entlang der gesamten Supply Chain wirken kann.

Im ersten Schritt führte STIHL in Zusammenarbeit mit den Beratern von Abels & Kemmner im Jahr 2024 einen Proof-of-Concept durch. „Wir wollten sehen, ob die Software uns auch wirklich einen Mehrwert bietet“, erläutert Marc Glemser. Damals wurden die Simulationsergebnisse von DISKOVER noch nicht an das hauseigene SAP-System zurückgespielt – ein Schritt, der nach dem erfolgreichen Proof-of-Concept schließlich im Jahr 2025 folgte. Besonders ausschlaggebend für die Nutzung von DISKOVER war für STIHL, dass damit eine objektive Berechnung und monatliche Aktualisierung der Sicherheitsparameter möglich wird – was bei den in DISKOVER verwalteten Materialnummern auf manuellem Weg nicht realisierbar wäre.

 

„Der größte Vorteil von DISKOVER ist deshalb die automatisierte und objektive Berechnung und Übertragung unserer Sicherheitsparameter“, weiß der Supply-Chain-Experte. Hinzu kommt die „Schwarmintelligenz“, wie Marc Glemser sie nennt. DISKOVER nutzt das Wissen von allen Disponenten, um die Beschaffungsparameter zu optimieren. Das reduziert Ineffizienzen und baut auch die seit der Corona-Pandemie weiterhin bestehende Sicherheitslogik in den Köpfen ab.

Umfassender Change-Prozess

Natürlich verlief die Einführung eines solch umfassenden Tools auch bei STIHL nicht ohne Herausforderungen. Die sieben über Deutschland verteilten Key User mussten im Umgang mit der Software aktiv geschult werden, da mit der Einführung auch ein Change in der alltäglichen Arbeit einhergeht. STIHL band diese Schlüsselnutzer von Beginn an eng in den Veränderungsprozess mit ein.

Für eine effektive Nutzung ist es unerlässlich, dass auch die Disponenten die grundlegenden Abläufe von DISKOVER verstehen, um die im Hintergrund berechneten und anschließend automatisiert ins SAP-System bereitgestellten Beschaffungsparameter nachvollziehen zu können. So gewährleistet STIHL einen reibungslosen und transparenten Prozess in der Nutzung von DISKOVER. „Da brauchen wir schon einen ziemlich großen Vertrauensvorschuss“, erinnert sich Marc Glemser. In wöchentlichen Regelterminen wurden ihm Rahmen der Change Calls Prozessschritte diskutiert und mögliche Probleme aufgedeckt. Begleitend zum Roll-Out hat das Projektteam regelmäßig Informationen zum neuen System geteilt und dadurch eine offene sowie enge Einbindung der Disponenten in den Change-Prozess gewährleistet. Die Disponenten wurden fortlaufend darüber informiert, welche Materialnummern erstmals in DISKOVER aktiviert wurden, sodass sie die einzelnen Schritte jederzeit nachvollziehen und überprüfen konnten. Mit den Maßnahmen ist es STIHL gelungen, eine breite Akzeptanz unter den Mitarbeitenden zu schaffen.

Nahtlose SAP-Integration und internationale Skalierung

 

Nach mehreren Monaten im Einsatz zieht STIHL eine positive Bilanz: „Unsere Erfahrungen mit DISKOVER sind positiv“, sagt Marc Glemser.  Die Bestände werden mittelfristig reduziert, das System ist flexibel und auch die Umstellung von SAP R3 auf SAP S4/HANA verläuft technisch reibungslos. „Die Umstellung auf SAP S4/HANA ist für DISKOVER systemseitig problemlos möglich, erfordert aber detaillierte Überprüfungen und Anpassungen aller bestehenden Regelwerke“, sagt Marc Glemser. Aufgrund dessen geht STIHL bei der Umstellung schrittweise vor, um keine Probleme im Betriebsablauf zu erzeugen und legt den Fokus weiterhin auf dem Management fremdbeschaffter Komponenten und Ersatzteilen, erste Fertiggeräte befinden sich in der Testphase.

 

Parallel dazu wird die internationale Skalierung bereits in vollem Gange vorangetrieben – Österreich und die USA profitieren ebenfalls von den gemeinsam erzielten Ergebnissen und starten im Laufe des Jahres 2026 mit Ihrer Projektphase zum Roll-Out von DISKOVER.

Bild von Tobias Brasch

Tobias Brasch

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