Kurz & Bündig: EPEI – Every Part Every Intervall 

Andreas Kemmner

EPEI ist ein Konzept aus dem Lean Management. Wird auf einer Anlage oder einer Gruppe von Anlagen ein begrenztes Spektrum an Teilen gefertigt, dann gibt der EPEI-Wert die kürzeste Zykluszeit an, nach der ein gefertigtes Teil wieder auf die Anlage genommen werden kann.
Zur Berechnung des EPEI-Wertes ermittelt man die durchschnittlichen täglichen Bedarfsmengen aller Teile, die über die betrachtete Kapazität gefahren werden. Multipliziert man diese Bedarfsmengen mit ihren Stückzeiten, erhält man die erforderliche tägliche Gesamtfertigungszeit auf der Anlage. Die Differenz aus Gesamtfertigungszeit pro Tag und verfügbarer Anlagenkapazität pro Tag gibt die Zeit an, die pro Tag für das Rüsten der Fertigungsaufträge zur Verfügung steht.

Aus der Summe aller Rüstzeiten für die verschiedenen Teile ergibt sich die erforderliche Gesamtrüstzeit, um einmal alle verschiedenen Teile zu fertigen. Teilt man nun die erforderliche Gesamtrüstzeit durch die für das Rüsten täglich verbleibende Kapazität, erhält man den EPEI-Wert.

Ein EPEI-Wert von 3,5 Tagen für 7 unterschiedliche Teile besagt beispielsweise, dass ein bestimmtes Teil alle 3,5 Tage auf die Maschine genommen werden kann.
Multipliziert man die tägliche Bedarfsmenge eines Teiles mit dem EPEI-Wert, erhält man die minimale Fertigungslosgröße, mit der ein Teil über die betrachtete Anlage gefahren werden muss, damit die Anlagenkapazität für Fertigung und Rüstungen ausreicht.

Unser Tipp:
Die aus dem EPEI-Wert resultierende minimale Fertigungslosgröße stellt eine wesentliche Kontrollgröße bei der Berechnung wirtschaftlicher Losgrößen dar. Sollte sich in einer betrachteten Gruppe von Teilen, die über eine Anlage gefahren werden, für einzelne Teile eine wirtschaftliche Losgröße ergeben, die unter der EPEI-Losgröße liegt, so ist diese unter den gegebenen Kapazitätsrestriktionen nur umsetzbar, wenn sich bei einen anderen Teil eine entsprechend größere Losgröße ergibt. Ansonsten muss mit den EPEI-Losgrößen über die Anlage gefahren werden.

Bei EPEI-Betrachtungen ist es nicht immer sinnvoll, in jedem Fertigungszyklus alle Teile zu produzieren, die über eine Anlage laufen müssen. Je günstiger ein Teil ist und je sporadischer sein Bedarf, desto größer sollte die Fertigungslosgröße sein. Bestimmte Teile werden sinnvollerweise vielleicht nur zwei bis viermal im Jahr gefertigt, während andere, typischerweise die Rennerteile, regelmäßig gefertigt werden müssen. In diesem Fall macht es Sinn, nur die Rennerteile in den EPEI-Zyklus einzubinden.
Stehen wirklich keine Ausweichkapazitäten, auf denen die sporadischen Teile gefertigt werden können, bereit und kann die Fertigungskapazität auch vorübergehend nicht erhöht werden, dann muss bei einer solchen selektiven EPEI-Betrachtung die verfügbare tägliche Fertigungskapazität um den Betrag verringert werden, der für das Rüsten und Fertigen der sporadischen Teile, umgerechnet auf den einzelnen Arbeitstag, kalkulatorisch benötigt würde.

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Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner hat in über 25 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 150 nationale und internationale Projekte durchgeführt.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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