Kurz und bündig: Umterminierungstoleranz 

Andreas Kemmner

Die Umterminierungstoleranz bezeichnet eine terminliche Differenz zwischen

  • dem ursprünglichen Soll-Liefertermin einer laufenden Bestellung und dem veränderten Bedarfstermin dieser Bestellung
    oder
  • dem Soll-Fertigstellungstermin eines laufenden Fertigungsauftrages und dem veränderten Bedarfstermin dieses Fertigungsauftrags,

unterhalb der das ERP- oder Dispositionssystem keinen Umterminierungsvorschlag anzeigen soll.

Leistungsfähigere ERP- oder Dispositionssysteme weisen Anwender durch Umterminierungsvorschläge darauf hin, dass eine laufende Bestellung oder ein laufender Fertigungsauftrag terminlich nicht mehr der Bedarfssituation entsprechen und deshalb terminlich vorgezogen, nach hinten geschoben oder storniert werden sollten. Umterminierungsbedarf ergibt sich immer dann, wenn sich verursachende Bedarfe von Bestellungen oder Fertigungsaufträgen zeitlich verschoben haben.

Laufende Bestellungen oder Fertigungsaufträge können vom System nicht mehr automatisch geändert werden, da sie eine Rücksprache mit dem Lieferanten oder der Fertigung bedingen. Daher weist das ERP- oder Dispositionssystem die Anwender durch Umterminierungsvorschläge auf den Handlungsbedarf hin.

Die Anzahl der täglichen Umterminierungsvorschläge kann dabei schnell sehr groß und damit auch unübersichtlich werden. Die Umterminierungstoleranz erlaubt es in solchen Fällen, terminliche Verschiebungen zu ignorieren, auf die Anwender sowieso nicht reagieren können.

Normalerweise kann man die Umterminierungstoleranz artikelspezifisch einstellen und für Toleranzen „nach vorne“ und Toleranzen „nach hinten“ unterschiedliche Werte festlegen.

Unser Tipp:

Nutzen Sie die Umterminierungstoleranz bei Artikeln mit langen Lieferfristen. Gerade bei Schiffsfracht ist immer mit einer gewissen Lieferterminabweichung zu rechnen. Umterminierungsvorschläge, die unterhalb der üblichen Lieferterminschwankung liegen, können mittels einer geeignet eingestellten Umterminierungstoleranz direkt vermieden werden.

Auch bei Artikeln mit sehr kurz Fertigungsdurchlaufzeiten können mittels Umterminierungstoleranz unnötige Umterminierungsvorschläge vermieden werden. Wenn bei diesen Artikeln Fertigungsaufträge laufen, macht es zumeist wenig Sinn, diese nochmals zu bremsen und es gibt wenig Möglichkeiten sie weiter zu beschleunigen.


Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner ist Co-CEO der Abels & Kemmner Group und hat in 30 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 200 nationale und internationale Projekte durchgeführt und war über 10 Jahre der einzige öffentlich bestellter Sachverständige für die Wirtschaftlichkeitsbeurteilung von Industriebetrieben in Deutschland.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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