Risikomanagement im Supply Chain Ökosystem 

Andreas Kemmner

Wo fängt man an mit Risikomanagement im Supply Chain Ökosystem, wo hört man auf? Die eigene Lieferkette zu betrachten, genügt eigentlich nicht, man kann sich aber nicht auf alle Eventualitäten des Weltgeschehens einstellen!

Ein Sack Reis, der in China umfällt, kann die Supply Chains durcheinanderbringen. Dagegen hilf nur eines.

Die Wirren der letzten Monate in den weltweiten Supply Chain Netzen, bedingt durch Corona, Unfälle in Produktionsanlagen, Frachterhavarien und Naturkatastrophen haben nochmals verdeutlicht, dass auch die weltweit vernetzten Supply Chains sich wie ein Ökosystem verhalten. Alle Teile stehen in einer ausgeglichenen Balance zueinander.

Wegen einer Pandemie wird mit einbrechender Nachfrage gerechnet, die Kunden stornieren Aufträge und die Hersteller passen Fertigungskapazitäten nach unten an oder verkaufen ihre Kapazitäten in neue Märkte. Kommt die Nachfrage zurück, ggfs. noch mit richtig Schwung, können die Fertigungskapazitäten nicht schnell genug wieder hochgefahren werden, und die Nachfrage kann nicht bedient werden.

Noch ehe die Lieferanten die Rückstände wieder aufgeholt haben, brechen in in einigen großen Häfen die Verladekapazitäten ein. Schiffe werden verspätet beladen und blockieren die Kais für andere Schiffe. In der Folge verspäten sich immer mehr Frachter und die Materialverfügbarkeiten gehen noch weiter zurück. Durch die verspäteten Schiffe werden langsam die Container knapp, sodass jetzt viele Häfen und Spediteure ihre Verladungsleistung senken müssen und auf einmal kämpfen alle Märkte und alle Waren mit fehlendem Material.

Anhaltende fehlende Materialverfügbarkeit veranlasst die Einkaufsabteilungen neue Lieferanten zu suchen und Übermengen zu bestellen.  Die übersteuerten Bestellmengen steigert die Engpässe noch weiter.

Der Peitscheneffekt ist in vollem Gange, denn auch in unseren Supply Chains ist alles mit allem verbunden und so kann der Sack Reis, der in China umfällt, durchaus die Supply Chains der Welt verändern!

Was wir jedoch alle tun können und alle tun müssen, ist, auf breiter Front mehr Versorgungssicherheit in unsere Bestandsstufen einzubringen. Richtige berechnete Sicherheitsbestände, die dann auch tatsächlich aufgebaut werden, können viel zur Dämpfung steigernder Nachfrageeffekte und verspäteter Materiallieferungen beitragen. Wie man Versicherungen abschließen muss, bevor man sie benötigt, so müssen Sicherheitsbestände in den Zeiten aufgebaut und erhalten werden, in denen man sie noch nicht benötigt werden.

Fazit – Risikomanagement im Supply Chain Ökosystem

In der Praxis fehlt es nach meiner Erfahrung daran häufig. Sicherheitsbestände werden geschätzt oder per Bauch gesetzt und dann in vielen Fällen nicht aufgebaut. Natürlich kann man mit Sicherheitsbeständen keine 18 Monate Pandemie überbrücken. Aber sie stellen die 20% des Supply Chain Risikomanagement dar, mit denen 80% der Risiken abgesichert werden können.


Andreas Kemmner

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Prof. Dr. Kemmner hat in über 25 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 150 nationale und internationale Projekte durchgeführt.2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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