Kurz und bündig: Verteilungsfreie Verfahren 

Andreas Kemmner

Im Supply Chain Management bezieht sich der Begriff der „verteilungsfreien“ Verfahren typsicherweise auf spezielle Prognose- und vor allem Sicherheitsbestandsverfahren, die auch dann belastbare Aussagen ermöglichen, wenn die Voraussetzung einer Normalverteilung der Nachfrage bei Artikeln nicht vorliegt.

Alle klassischen Verfahren zur Ermittlung von Prognosen oder Sicherheitsbeständen setzen voraus, dass die Häufigkeitsverteilung der Nachfragemengen nach einem Artikel einer Gaußschen Normalverteilung folgt. In der Praxis ist dies bei 80% bis 90% der Artikel nicht der Fall. Je sporadischer ein Artikel nachgefragt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass keine Normalverteilung vorliegt. Einen wesentlichen Hebel, um trotzdem zu belastbaren Prognosewerten und Sicherheitsbeständen zu gelangen, stellen in diesem Fall verteilungsfreie Verfahren dar.

Unser Tipp:

Ob die Nachfrage nach einem Artikel von der Normalverteilung abweicht, können Sie auf pragmatische Weise erkennen, indem Sie den Mittelwert einer Nachfragezeitreihe mit dessen Median vergleichen. Fallen Median und Mittelwert auseinander, liegt definitiv keine normalverteilte Nachfrage vor.

Bei sporadischen Artikeln und bei Ersatzteilen sollten Sie auf jeden Fall verteilungsfrei Verfahren, zumindest für die Sicherheitsbestandsberechnung, verwenden.

Bild: ©Manuel Pfeiffer/aboutpixel


Andreas Kemmner

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Über | About

Prof. Dr. Kemmner hat in über 25 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 150 nationale und internationale Projekte durchgeführt.2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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