Datenschutz vs. Fabrik 4.0 – Kann „unhackbar“ funktionieren? 

Andreas Kemmner

Während im Produktionsmanagement alles auf die Digitalisierung der Fabrik und die Fabrik 4.0 hinsteuert und Cloudlösungen gerade für die Global Player das Mittel der Wahl sind, stehen wir vor einer Änderung des Datenschutzgesetzes, die im Mai diesen Jahres in Kraft tritt (Europäische Datenschutzgrundverordnung).

In einer Zeit, wo zunehmend Maschinen innerhalb einer Fabrik und auch unternehmensübergreifend ohne Eingriff durch den Menschen miteinander kommunizieren, Daten abgleichen und austauschen und sich gegenseitig steuern, müssen wir dennoch garantieren, dass keiner von außen an diesen Daten herumpfuscht. Und so werden die Einstellungen der Firewall auf maximale Sicherheit ausgerichtet, USB-Anschlüsse gesperrt und Cloudlösungen wie Dropbox ausgeschlossen. Was wiederum zu Problemen mit der digitalen Vernetzung zwischen Unternehmen, Lieferanten und Kunden führt. Hier die passende Lösung zu finden, ist wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau, dem Yeti oder dem Wolpertinger – die Fantasie und Kreativität beflügelnd, aber leider nicht realistisch.

Maschinen und Rechner können heutzutage per Fernwartung wieder flottgemacht werden, wir tracken unsere Lieferungen per GPS, unsere Rechnungen werden als PDF beim Kunden direkt aus der Mail ins ERP-System übernommen, ebenso erhalten wir die Aufträge mittlerweile oft per EDI. Viele Lagersysteme laufen vollautomatisch und auch der interbetriebliche Tramsport erfolgt per AGV (automated guided vehicle). Der Mensch ist hier eigentlich nur noch der Schiedsrichter an der Seitenlinie und pfeift, wenn etwas schiefläuft. Der Gedanke, dass hier jemand Unbefugtes eingreift, ein Trojaner Daten ausspäht oder ein Virus das komplette System sabotiert, ist erschreckend. Und natürlich müssen wir uns absichern so gut es eben geht. Aber wir werden wohl auch damit leben müssen, dass es kein „unhackbares System“ gibt und eben die Lücken, die wir für die notwendige Kommunikation lassen müssen, auch anders genutzt werden können. Oder, wir lassen die Fabrik 4.0 sein und gehen zur Fabrik 2.0 zurück. Der russische Geheimdienst soll ja inzwischen bei besonders sensiblen Dokumenten wieder auf Papier und mechanische Schreibmaschinen umgestellt haben.

Aber, um die Kirche zurück ins Dorf zu holen: Waren Sie heute schon auf facebook oder haben What’s app benutzt? Eben… 😉


Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner ist Co-CEO der Abels & Kemmner Group und hat in 30 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 200 nationale und internationale Projekte durchgeführt und war über 10 Jahre der einzige öffentlich bestellter Sachverständige für die Wirtschaftlichkeitsbeurteilung von Industriebetrieben in Deutschland.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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