Kurz und bündig: Logistisches Geschäftsmodell 

Andreas Kemmner

Logistisches Geschäftsmodell

Jedes Unternehmen verfügt über ein Unternehmensgeschäftsmodell. Nur wenige Unternehmen sind sich aber darüber im Klaren, dass sie auch über ein logistisches Geschäftsmodell (logGM) verfügen. Denn während das Unternehmensgeschäftsmodell im Zentrum jeder Strategieüberlegung steht, ist das logGM zumeist organisch gewachsen und häufig inkonsistent, da es aus verschiedenen Bereichsblickrichtungen heraus entstanden ist.

Das log GM definiert, welches logistische Nutzenversprechen dem Markt gemacht wird, wie dieses Nutzenversprechen erbracht werden kann und auf welche Weise mit dem logistische Nutzenversprechen Ertrag erwirtschaftet werden soll.

Eine Logistikstrategie sollte auf unterschiedlichen Schichten basieren.
Eine Logistikstrategie sollte auf unterschiedlichen Schichten basieren.

In vielen Handels- und Produktionsunternehmen ist das logistische Nutzenversprechen ein Teil des Produktmerkmals, indem das Produkt dem Markt mit einer bestimmten Lieferbereitschaft und Lieferzeit angeboten wird. Der Ertrag, für dieses logistische Leistungsversprechen wird über dem Produktpreis erwirtschaftet, der die Kosten der Leistungserbringung mitenthält. Etwas anders stellt sich das logGM von Amazon dar. Eine bestimmte logistische Grundleistung ist im Produktpreis enthalten. Darüber hinaus wird den Kunden in Form einer schnelleren Lieferung ein erhöhtes logistisches Nutzenangebot unterbreitet. Das Erbringen dieses logistischen Zusatznutzens wird gesondert, in Form einer Prime-Mitgliedschaft berechnet, obwohl der Mehraufwand für die logistische Leistungserbringung tw. kaum höher sein wird, als für eine „logistische Basisleistung“, die im Produktpreis enthalten ist.

Die Wirtschaftlichkeit des logistischen Geschäftsmodells ergibt sich aus dem Preis, dem man für das logistische Nutzenversprechen am Markt erzielen kann, abzüglich der Kosten für die logistische Leistungserbringung. Es gilt somit, ein möglichst hohes und konstantes logistisches Leistungsversprechen mit möglichst geringen Gesamtkosten zu erreichen.

Kosten und Aufwand der logistischen Leistungserbringung werden bestimmt durch

  • Die logistische Struktur des angebotenen Produktportfolios (ABC/XYZ/STU/WMQ-Verteilung),
  • die eingesetzten Produktionsanlagen und Handarbeitsplätze,
  • den Materialfluss, durch den die Arbeitsplätze verbunden werden,
  • den Informationsfluss, der den Materialfluss ansteuert,
  • dem Wertstrom aus Bearbeitungs- und Lagerstufen und
  • dem Planungs- und Steuerungsmodell, mit dem der Materialfluss durch den Wertstrom „gepumpt“ wird.

In vielen Unternehmen ist das logistische Leistungsversprechen nur sehr unscharf definiert und dieses unklare Ziel wird oft nur mit großem internem Reibungsverlust erreicht, weil keine klare logistische Positionierung innerhalb der Wertschöpfungskette vorliegt.

Unser Tipp:

Arbeiten Sie für sich klar heraus, was Ihr logistisches Leistungsversprechen sein soll und auf welche Weise Sie es finanziell vom Markt kompensiert bekommen wollen. Zahlt Ihnen der Markt, direkt oder indirekt über den Produktpreis, weniger für Ihre logistische Leistungserbringung als diese kostet, müsse Sie zuerst prüfen, wieweit Sie die Effizienz der Leistungserbringung verbessern können. Wenn Ihnen dies nicht ausreichend gelingt, dann bremst Ihr logGM Ihr Unternehmensgeschäftsmodell und es bleibt Ihnen nichts Anderes übrig, als das Unternehmensgeschäftsmodell an den Möglichkeiten des logistischen Geschäftsmodells auszurichten.


Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner hat in über 25 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 150 nationale und internationale Projekte durchgeführt.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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