Kurz und Bündig: Sicherheits­bestands­management 

Andreas Kemmner

Das Sicherheitsbestandsmanagement

Der Begriff des Sicherheits­bestands­managements (SBM) bezeichnet die sicherheits­bestands­orientierte Verbesserung der Prozess­stabilität einer Wert­schöpfungs­kette.

Das SBM folgt der Erkenntnis, dass im Bereich der Material­wirtschaft eine Störung oder Schwach­stelle im System entweder gelöst oder durch Sicher­heits­bestand kompensiert werden muss, um zu einem stabilen Prozess zu gelangen. Dabei geht es nicht nur um die Nach­frage­unsicher­heit, die mit Hilfe des klassischen Sicher­heits­bestands in einem ERP-System abgefangen wird. Es geht um die Absicherung aller Störungen in einer Prozess­kette, angefangen bei unzuverläs­sigen Wieder­beschaffungs­zeiten, über Qualitäts­probleme in der Ferti­gung und bei Beschaffungs­teilen, ungeplante Maschinen­ausfälle, schwankende Trans­port­zeiten, etc.

Berechnet man für alle diese Prozess­unsicher­heiten die erforderlichen Sicher­heits­bestände, hat man ein gutes Maß für die Kosten der jeweiligen Prozess­instabili­täten. Der ermittelte Sicher­heits­bestands­berg würde wohl von keinem Management akzeptiert und soll auch gar nicht aufgebaut werden. Die Berechnung der theoretisch er­forder­lichen (kal­kulatorischen) Sicherheits­bestände soll vielmehr helfen, die Kosten der Prozess­instabili­täten zu bewerten und daraus die Priori­täten zur Verbesserung der Prozess­stabilität abzuleiten.

Spannend ist das SBM auch deswegen, weil es kontinuierlich vor Augen führt, was Prozess­unsicher­heiten kosten. Auch wenn keine entsprechenden Sicher­heits­bestände aufgebaut werden, entstehen diese Kosten in Form von „Reibungs­verlusten“, Liefer­problemen, Zusatz­arbeiten, Sonder­fahrten, etc. Sie versickern aber in zahl­reichen Kosten­stellen und werden so nicht deutlich.

Unser TIPP:

Da es beim SBM nicht darum geht, die „wissen­schaftlich“ präzisen Sicher­heits­bestände zu ermitteln, können die jeweiligen Sicher­heits­bestände mit einfachen statistischen Mitteln für einen zu fordernden Liefer­bereitschafts­grad berechnet werden. Wenn Sie 98% Verfügbarkeit als Zielgröße ansetzen, ergibt sich der kalkula­torische Sicherheits­bestand zu 2,054*Standard­abweichung der durch die Störung verursachten Schwankung. Ihr Ziel sollte es sein, den erforderlichen kalkula­torischen Gesamt­sicherheits­bestand kontinuierlich zu reduzieren.


Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner ist Co-CEO der Abels & Kemmner Group und hat in 30 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 200 nationale und internationale Projekte durchgeführt und war über 10 Jahre der einzige öffentlich bestellter Sachverständige für die Wirtschaftlichkeitsbeurteilung von Industriebetrieben in Deutschland.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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