“In der Unruhe liegt die Kraft“
Dieser Satz aus Herbert Grönemeyers Lied „Angstfrei“ hat mich, seit ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, nicht mehr losgelassen. Vermutlich weil er so überraschend ist. Vielleicht auch, weil er so gut in unsere Zeit passt. Und sicherlich auch, weil er genau das beschreibt, was ich im aktuellen Businessumfeld in Deutschland vermisse: den Willen, unruhig zu sein.
Wir alle kennen das Sprichwort: „In der Ruhe liegt die Kraf“t. Doch wenn ich mich heute in Unternehmen umhöre, habe ich oft das Gefühl, dass aus Ruhe Stillstand geworden ist. Man arrangiert sich, verwaltet Unsicherheiten und hofft, dass sich Märkte stabilisieren, Zölle vielleicht doch nicht angehoben werden und Lieferketten sich wieder beruhigen. Das mag zwar ruhig und unaufgeregt klingt, aber nach “Kraft“ klingt das für mich nicht…
Die Realität sieht nämlich anders aus: Volatile Absatzmärkte, hohe Kapitalbindung, steigender Kostendruck und politische sowie wirtschaftliche Unsicherheiten. Der Wettbewerbsdruck wächst – national wie international. Der Ernst der Lage steht außer Frage. Und trotzdem bleiben viele Organisationen erstaunlich gelassen. Viel zu gelassen, wenn Sie mich fragen…
Prognoseabweichungen werden als „branchenüblich“ abgetan und Bestände gelten als alternativloses Sicherheitsnetz. S&OP-Prozesse werden zwar durchgeführt, aber sie steuern nicht wirklich. Zielkonflikte zwischen Vertrieb, Produktion und Einkauf werden zwar moderiert, aber eben nicht gelöst.
Und in solchen Situationen liegt die Kraft m.E. nicht in der Ruhe, sondern in der Unruhe. Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmen heute eine gesunde Portion Unruhe brauchen. Nicht Hektik. Nicht Aktionismus. Sondern eine innere Spannung, die sagt: Wir müssen zwingend besser werden. Wir dürfen und wollen uns nicht mit dem Status quo zufriedengeben.
Diese Art von Unruhe stellt lästige, aber wichtige Fragen:
Warum binden wir so viel Kapital in unseren Beständen?
Warum akzeptieren wir Planungsungenauigkeit als Naturgesetz?
Warum sind unsere Steuerungsprozesse nicht so robust, wie sie sein könnten?
Diese Fragen können wehtun. Idealerweise sollten sie vielleicht sogar wehtun. Sie können und müssen Diskussionen auslösen. Sie können und sollen gewachsene Strukturen infrage stellen. Aber genau daraus entsteht Energie. Genau daraus entsteht Fortschritt.
Ich erlebe immer wieder, was passiert, wenn Unternehmen den Mut haben, ihren Status quo konsequent zu challengen: Plötzlich wird Transparenz geschaffen, wo vorher Bauchgefühl dominierte. Plötzlich werden Zielkonflikte systematisch aufgelöst. Plötzlich entstehen messbare Verbesserungen bei Beständen, Servicelevel und Planungssicherheit. Und vor allem: Es entsteht wieder Gestaltungswille!
Natürlich ist es schwer, den eigenen Status quo von innen heraus vollständig objektiv zu hinterfragen. Betriebsblindheit, interne Politik, historisch gewachsene Prozesse – all das bremst. Genau hier kann der Blick von außen den entscheidenden Unterschied machen.
Bei Abels & Kemmner unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Supply Chain nicht nur effizienter, sondern zukunftsfähig zu machen. Wir analysieren strukturiert, wo wirklich Potenziale liegen. Wir entwickeln tragfähige Konzepte. Und wir begleiten die Umsetzung so lange, bis Ergebnisse messbar sind. Weniger Kapitalbindung. Höhere Lieferfähigkeit. Klare Steuerungsmechanismen statt gut gemeinter Routinen.
Wenn Sie beim Lesen spüren, dass es in Ihnen ein wenig unruhig wird, dann ist das kein schlechtes Zeichen. Vielleicht ist genau das der Impuls, den es jetzt braucht.
Nicht ruhig bleiben.
Nicht abwarten.
Sondern angstfrei hinterfragen – und entschlossen handeln.
Oder wie Herbie es sagen würde:
Wer nicht strampelt,
klebt an der Ampel
und wartet auf Grün.
Der Ernst der Lage
steht außer Frage
Jetzt heißt’s durchzuzieh’n.
