Planungshorizont
Der Planungshorizont ist ein entscheidender Parameter der Materialbedarfsplanung, der festlegt, wie weit bei der Bedarfsplanung in die Zukunft geschaut wird, wie weit also Materialbedarfe, Bestände und sofern vorhanden, Planaufträge und Planzugänge in die Zukunft miteinander verrechnet werden.
Der Planungshorizont ist deutlich vom Prognosehorizont zu unterscheiden. Der Prognosehorizont legt fest, für welchen Zeitraum in der Zukunft Prognosewerte generiert werden sollen, die anschließend als primäre Bedarfe in die Planung einfließen können.
Planungshorizont und Prognosehorizont müssen nicht gleich lang sein. Ist der Planungshorizont deutlich länger als der Prognosehorizont und gibt es jenseits des Prognosehorizonts keine anderen Bedarfsquellen (z. B. Programmplanung, Kundenaufträge, Sicherheitsbestände), sieht die Disposition so aus, als gäbe es dort keine Nachfrage.
Unser Tipp:
In vielen klassischen ERP-Systemen ist der Planungshorizont zumeist ein globaler oder materialgruppenbezogener Steuerungsparameter, der nicht am Material hängt, aber über MRP-Gruppen, Dispositionsbereiche oder Planungsstrategien differenzierter eingestellt werden kann. In vielen Add-On-Systemen hingegen kann dieser Wert individuell pro Materialnummer festgelegt werden, was eine noch differenziertere Steuerung ermöglicht.
In der Praxis wird der Planungshorizont häufig zu kurz gewählt, um Rechenzeiten zu reduzieren oder Planungsunsicherheit zu vermeiden. Dies führt jedoch dazu, dass langfristige Bedarfe systematisch zu spät erkannt werden und die Disposition reaktiv statt vorausschauend erfolgt. Entscheidend ist, dass der Planungshorizont so gewählt wird, dass unter Berücksichtigung der Wiederbeschaffungszeiten aller Artikel die Materialbedarfe frühzeitig erkannt und Bestellungen beim Lieferanten rechtzeitig ausgelöst werden können.
Bei materialnummernbezogenen Planungshorizonten empfiehlt es sich, diese grundsätzlich etwas länger als die jeweiligen Wiederbeschaffungszeiten zu wählen. Ein globaler Planungshorizont sollte mindestens die längste relevante Gesamtwiederbeschaffungszeit der disponierten Artikel bzw. die kritischen Pfade in den wichtigsten Stücklistenstrukturen abdecken.
Auf aggregierter Ebene (z. B. im Rahmen von S&OP oder Programmplanung) wird häufig mit deutlich längeren Planungshorizonten gearbeitet als in der operativen Materialdisposition. Die saubere Abstimmung dieser Ebenen ist entscheidend für eine konsistente Planung.

