Eine neue Dimension in Kundenservice und Lieferbereitschaft nimmt Fahrt auf 

Armin Klüttgen

Bei Hama hat die Planbarkeit künftig Vorfahrt!

Vor nicht allzu langer Zeit haben wir darüber berichtet, wie Hama mit Hilfe von DISKOVER SCO seine Planung durch flexible Standards optimiert. Dadurch begegnet das Unternehmen der sich aktuell sogar noch verstärkenden Planungsdynamik wendig und reaktionsfähig. Nun hat Hama konsequent den nächsten Schritt gemacht und ein Warensicherungskonzept implementiert, welches die Lieferfähigkeit für Hama-Kunden auf ein neues Level hebt.

Der Blick nach vorne nimmt Gestalt an

Die Hama GmbH & Co KG mit Sitz im bayerischen Monheim vertreibt als einer der führenden Zubehörspezialisten rund 18.000 Produkte aus den Bereichen Unterhaltungselektronik, Computer, Telekommunikation, Foto/Video und Elektro-Hausgeräte. Auch weitere Eigen- und Partnermarken befinden sich im Handelsangebot von Hama.

1500 der 2500 weltweit tätigen Mitarbeiter des internationalen Unternehmens bringen am Stammsitz Monheim täglich bis zu 10.000 Pakete aus dem eigenen Logistikzentrum auf die Reise zum Kunden.

Nun galt es, den nächsten Optimierungsschritt hinsichtlich der Maximierung der Warenverfügbarkeit bei minimalen Lieferzeiten und geringem Bestand zu vollziehen. Entsprechend wurde ein neues Warensicherungskonzept entworfen und eingeführt.

Was bisher geschah

Mit der Einführung des neuen Planungssystems DISKOVER SCO ist es Hama gelungen, die Anforderungen des Hama-Geschäftsmodells und der Hama-Prozesse passgenau zu unterstützen. Einerseits wurde dadurch die gewünschte Lieferbereitschaft bei gleichzeitiger Optimierung der dazu erforderlichen Bestände nachhaltig sichergestellt. Und andererseits gelang es, die Effizienz und Transparenz in der Planung weiter zu verbessern sowie die Planungssicherheit und -qualität zu steigern. Gerade jetzt, zu Zeiten von Corona, hat auch die Erhöhung der Transparenz geholfen, die vielfältigen Materialströme mit teilweise hohen Wiederbeschaffungszeiten und schwankender Lieferbereitschaft der Lieferanten bestmöglich zu monitoren und zu steuern. Gleiches gilt für das sehr volatile Abnahmeverhalten der Hama-Kunden.

Parallel strebt Hama aber auch ständig danach, weitere Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren und diese dort, wo erforderlich, systemseitig verfügbar zu machen. Und diesem Leitsatz folgend hat Hama nun einen Prozess ins Leben gerufen, der in Hinblick auf Lieferbereitschaft und Liefersicherheit zum Kunden weiteres Potenzial eröffnet. Der neue Prozess ist durchgängig im Planungssystem DISKOVER SCO abgebildet und operativ in Betrieb. In der Praxis zeigt sich, dass die oben genannten SCM-Zielgrößen dadurch nochmals deutlich verbessert wurden.

Der Sicherheitsgurt – Die konsequente Umsetzung des Warensicherungskonzepts

Bei den Überlegungen, wie man das neue Warensicherungskonzept einführend kurz erläutern kann, war der Gedanke des Sicherheitsgurts geboren. Der Sicherheitsgurt hat beim Auto fahren die Aufgabe, die körperliche Unversehrtheit im Falle eines Unfalls, also eines nicht geplanten, unvorhersehbaren und außerordentlichen Ereignisses, abzusichern.

Wandelt man dies ein wenig um, so entsteht ein gutes erstes Bild von dem, was das Warensicherungskonzept leistet:

Die Implementierung der Warensicherung hat das Ziel, möglichst viele Lieferungen pünktlich und in kurzer Zeit in hochbelasteten SCM-Prozessen zum Kunden befördern zu können. Das Motto dabei: Planbare Bedarfe haben Vorrang vor ungeplanten Sonderabgängen, planbare Bedarfe der Hama-Kunden werden also mit einem Sicherheitsgurt versehen, so dass ein ungeplanter Peak im Kundenauftrag den gut geplanten Bedarfen keinen Bestand wegnehmen kann.

Dazu erzeugt das Planungssystem DISKOVER SCO vollautomatisch sogenannte Regelverbrauchsreservierungen, die wie ein Sicherheitsgurt die Ware für die Kunden gegen Abgriff durch ungeplante Peak-Bedarfe sichern. Die ungeplanten Sondermengen können sich aus dem nach den Regelverbrauchsreservierungen verbleibendem freien Bestand bedienen.

Im Ergebnis führt das Warensicherungskonzept also zur Sicherung der Grundversorgung eines Artikels aller Kunden, die diesen beziehen.

Hama Zentrale im bayrischen Monheim

 

Die Implementierung des Sicherheitsgurts

Der Planungsablauf ist im Standard – sehr grob beschrieben – wie folgt:

  • Es werden Prognosen erstellt, die auf vielfältige Art und Weise modifiziert und verfeinert werden können, sowohl automatisch durch diverse eingestellte Verfahren als auch manuell.
  • Die finale Prognose, die angepasste Prognose, wird automatisch in Planbedarfe für die Disposition umgesetzt, wo sie als Bedarfe wie Kundenaufträge wirksam werden. Wie die Monatsprognose aufgeteilt wird in einzelne Planbedarfsteilmengen mit tagesgenauen Terminen, bestimmt das eingestellte Planwertverteilungsverfahren. Darüber können die Planbedarfe in der Disposition z. B. anteilig auf alle Arbeitstage der Woche verteilt werden, oder gleichmäßig auf die Montage des Monats oder …
  • In der Disposition lösen die Planbedarfe, wenn der Bestand nicht ausreichend ist, einen Bestellvorschlag oder einen Planauftrag aus, damit ausreichende Deckung für den Bedarf vorhanden ist.
  • Wird ein echter Kundenauftrag platziert, so verrechnen sich in vorgegebenen Horizonten und nach vorgegebenen Regeln die Planbedarfs- mit den Kundenauftragsmengen, damit keine doppelten Bedarfe vorhanden sind.

Hama hat diesen durchgängigen Planungs- und Dispositionsprozess um das Warensicherungskonzept erweitert.

Maximale Versorgungssicherheit für planbare Bedarfe aller Kunden

Ziel des Warensicherungskonzepts ist es, benötigte Mengen für sogenannte Regelbedarfe der Artikel innerhalb von DISKOVER SCO zu ermitteln und diese automatisiert im Bestand zu reservieren und dadurch zu schützen. Diese Bedarfe der Hama-Kunden werden also in Bezug auf den verfügbaren Bestand „bevorzugt“ bedient, indem „Blockmengen“ dafür vorgehalten werden.

Die Artikel erhalten dazu im eingesetzten Sales-Forecast-Modul einen eigenen „virtuellen“ Planungsartikel. Dieser Artikel ist definiert durch die Kombination der Attribute Werksnummer, Artikel und Kunde.

Für jeden dieser virtuellen Planungsartikel wird innerhalb von DISKOVER SCO über die automatisierten Regelwerke eingestellt, dass DISKOVER SCO automatisierte R-Reservierungen („R“ steht für Regelverbrauch) tätigen soll.

Abbildung 2: Der Prozess zur Sicherung der Grundversorgung

Für die Artikel, die gemäß durchgeführter Artikelklassifizierungen Regelverbrauchsreservierungen bekommen sollen, werden kundenbezogene statistische Prognosemengen der nächsten drei Monate (M; M+1; M+2) automatisch reserviert.

Gleichzeitig werden in der Prognoseansicht des „logistischen Artikels“ (Hauptartikel, ohne Kundenbezug) in DISKOVER SCO in einer separaten Zeile die Summen der statistischen Kundenprognosen pro Monat eingeblendet. Die Differenz zwischen der Prognose des logistischen Artikels und den statistischen Kundenprognosen ergibt die allgemeine Prognosemenge.

Die Zweigleisigkeit dieser Prognoseermittlung setzt sich nun fort in der Disposition. Hier verrechnen sich ja Planbedarfe, die aus der Prognose kommen, mit fixen Bedarfselementen, also Kundenaufträgen. Im neuen Prozess gibt es nun reguläre Planbedarfe ohne und diejenigen mit Kundenbezug, je nachdem, aus welcher der beiden Prognosen sie stammen. Ein neuer, vom Regelwerk eingestellter Verrechnungsmodus sorgt dafür, dass sich bei Kunden mit R-Reservierungen nur deren Aufträge mit den zu ihnen gehörenden Planbedarfen verrechnen können. Kundenaufträge, denen keine R-Reservierung gegenübersteht, also Kundenaufträge mit ungeplanten Sondermengen, verrechnen sich ausschließlich mit den regulären Planbedarfen aus der allgemeinen Prognose.

Darüber hinaus können sie sich nur aus dem verbliebenen freien Bestand nach den R-Reservierungen bedienen.

Das Fazit

Das Hama-Warensicherungskonzept sichert die Lieferfähigkeit für die Grundversorgung der Hama-Kunden in hohem Maße ab. Dabei ersetzen sogenannte von DISKOVER SCO automatisch erstellte Regelverbrauchs-Reservierungen zum größten Teil die früher manuell gesetzten Reservierungen. Die Planungsqualität konnte dadurch bei gleichzeitig positiven Lieferbereitschaftseffekten weiter gesteigert werden.


Armin Klüttgen

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Armin Klüttgen studierte Betriebswirtschaftslehre an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und machte dort seinen Abschluss zum Diplom-Kaufmann. Zu dieser Zeit arbeitete er auch als HiWi am Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR), ebenfalls in Aachen. Nach einigen Jahren als Leiter Service Center bei einem Tochterunternehmen einer großen Schweizer Bank in Frankfurt, welches in der Vermögensverwaltung tätig war, übernahm er die Rolle des IT-Koordinators eines Maschinenbauunternehmens innerhalb der SIG-Combitec. Danach begann er seine Laufbahn als Unternehmensberater für Supply Chain Management bei der Abels & Kemmner GmbH. Diese Tätigkeit hat er dann für fünf Jahre bei der 4Production AG als Solution Architect fortgesetzt. Bevor er dann ab Oktober 2017 bis heute als Principal wieder die Rolle des SCM-Beraters bei der Abels & Kemmner GmbH eingenommen hat, war er mehrere Jahre als Planning Manager und zuletzt als Supply Manager S&OP bei der englischen Low & Bonar Gruppe tätig.

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