{"id":8464,"date":"2013-04-03T14:55:17","date_gmt":"2013-04-03T12:55:17","guid":{"rendered":"https:\/\/ak-online.de\/?p=8464"},"modified":"2023-11-30T14:58:39","modified_gmt":"2023-11-30T13:58:39","slug":"industrie-4-0-knackpunkt-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/industrie-4-0-knackpunkt-mensch\/","title":{"rendered":"Industrie 4.0: Knackpunkt Mensch"},"content":{"rendered":"<p>Wieder einmal gibt es ein neues Schlagwort, das nicht weniger als eine neue industrielle Revolution verspricht: Industrie 4.0. Viele Begriffe und Ideen rund um Industrie 4.0 gleichen dabei frappierend denen, die in Zusammenhang mit CIM (Computer Integrated Manufacturing) Mitte\/ Ende der 80er Jahre verwendet wurden. Gegen\u00fcber damals sind wir heute technologisch deutlich weiter; ganz besonders gilt dies in Sachen Hardware- und Softwaretechnologien.<!--more-->Diese Fortschritte der IT-Technologie stellen &#8211; neben Lean Management und Toyota Production System &#8211; den wohl wichtigsten Treiber f\u00fcr die Weiterentwicklung der Planungs- und Steuerungsmethoden dar. Hardware und Software haben sich, dem Mooreschen Gesetz folgend, drastisch weiterentwickelt. Die Computertechnologie macht heute Dinge m\u00f6glich, die uns vor 25 Jahren noch als Science Fiction erschienen w\u00e4ren. Ein 4GB-Hauptspeicher z. B., wie ihn jeder moderne Laptop aufweist, w\u00fcrde, gebaut in der High-End Magnetkernspeichertechnologie von 1978, den Raum von 9,5 LKW-Z\u00fcgen \u00e0 32 Europaletten einnehmen.<br \/>\nSoftware- und hardwaretechnisch sind wir nicht mehr so weit davon entfernt, Produktions- und Beschaffungsprozesse ohne menschliches Zutun \u201eselbstoptimierend, -diagnostizierend und adaptierend&#8221; zu planen und zu steuern.<\/p>\n<p>Die Industrie 4.0 fordert allerdings auch den Menschen 4.0.; unsere Mentalit\u00e4t und unsere Denkweisen haben jedoch mit den Entwicklungen in der IT und der PPS nicht Schritt gehalten.<br \/>\nWoran liegt es, dass die faktischen Fortschritte in Prognose, Fertigungssteuerung oder Disposition trotz breiterer und differenzierterer technischer Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten in der Praxis nur sehr bescheiden ausgefallen sind?<\/p>\n<p>Fertigungssteuerung wie Disposition, Planung und Prognose sind statistisch gepr\u00e4gte Prozesse, mit denen wir Menschen uns sehr schwer tun. Aus diesem Grunde werden statistische Zusammenh\u00e4nge, die wir aus der betriebsorganisatorischen Forschung schon seit Jahren kennen, in der operativen Praxis zumeist nicht beachtet.<br \/>\nHinzu kommen konzeptionelle Defizite auf der Managementebene: Es fehlen klare, konsistente Vorgaben, wie das angestrebte Unternehmensziel m\u00f6glichst hoher und nachhaltiger Ertr\u00e4ge erreicht werden kann. Heute ist es \u00fcblich, das Gesamtziel eines Unternehmens in eindimensionale, sich gegenseitig widersprechende Bereichsziele zu \u00fcbersetzen. Doch daraus l\u00e4sst sich keine Strategie f\u00fcr eine m\u00f6glichst wirtschaftliche Wertsch\u00f6pfungskette ableiten!<\/p>\n<p>Eine klare logistische Positionierung fehlt, solange jeder Unternehmensbereich ein anderes, \u201eprivates&#8221; Optimum der Wertsch\u00f6pfungskette anstreben muss, um seine Zielvorgaben zu erf\u00fcllen: Der eine Bereich wird f\u00fcr Kapazit\u00e4tsauslastung belohnt, der n\u00e4chste f\u00fcr kurze Durchlaufzeiten, ein Dritter f\u00fcr Termintreue, andere f\u00fcr Lieferf\u00e4higkeit, geringe Best\u00e4nde oder Prozessautomatisierung.Eine konsistente Strategievorgabe f\u00fcr die wirtschaftliche Gestaltung der Wertsch\u00f6pfungskette stellt jedoch die wesentliche Voraussetzung dar, um die neue Fabrik 4.0 planen und steuern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>1989 habe ich mit Kollegen vom Forschungsinstitut f\u00fcr Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen unter dem Titel \u201eCIM zwischen Anspruch und Wirklichkeit&#8221; umfangreiche Untersuchungen zu den Erfolgsfaktoren einer CIM-Strategie ver\u00f6ffentlicht. Wir kamen zu dem Schluss, dass der Erfolg von CIM zu 1\/3 vom Faktor Mensch, zu 1\/4 von der Technik, zu 1\/5 von der Organisation, zu 1\/6 von der Unternehmenskultur und zu 1\/20 vom Mark abh\u00e4ngt. F\u00fcr Factory 4.0 gilt diese Formel vermutlich noch immer.<br \/>\nDie CIM-Visionen scheiterten vor einem Vierteljahrhundert bereits technisch, noch ehe sie sich in der praktischen Anwendung bew\u00e4hren mussten. Der Erfolg der Fabrik 4.0 wird von der F\u00e4higkeit der Manager und Mitarbeiter abh\u00e4ngen, sich mental und konzeptionell dem Wandel zu \u00f6ffnen. Wirtschaftspsychologen sind f\u00fcr eine funktionierende Fabrik 4.0-Strategie mindestens genauso erforderlich, wie Ingenieure und Informatiker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal gibt es ein neues Schlagwort, das nicht weniger als eine neue industrielle Revolution verspricht: Industrie 4.0. Viele Begriffe und Ideen rund um Industrie 4.0 gleichen dabei frappierend denen, die in Zusammenhang mit CIM (Computer Integrated Manufacturing) Mitte\/ Ende der 80er Jahre verwendet wurden. 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