{"id":7400,"date":"2012-06-20T12:03:24","date_gmt":"2012-06-20T10:33:24","guid":{"rendered":"https:\/\/ak-online.de\/?p=7400"},"modified":"2025-01-15T10:59:53","modified_gmt":"2025-01-15T09:59:53","slug":"50-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/50-2\/","title":{"rendered":"Teil 2: Best Practice Regeln f\u00fcr das Produkt-Portfoliomanagement"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der letzten Ausgabe der POTENZIALE haben wir Ihnen im ersten Teil unseres Best-Practice-Artikels \u00fcber das Produkt-Portfoliomanagement einige erste Schritte gezeigt:<\/strong><br \/>\n<strong> Unter anderem haben wir Ihnen erkl\u00e4rt, warum sich in den meisten Unternehmen irgendwann eine \u201cCZ-Explosion\u201d ereignet und warum regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle der vier wichtigsten Bestandsdimensionen ABC, XYZ, STU sowie ELA diese verhindern helfen kann.<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben auch bereits \u00fcber die Exoten im Produkt-Portfolio gesprochen. Exoten werden in geringen Mengen verkauft und weisen damit geringe Lagerdurchs\u00e4tze auf. F\u00fcr die allermeisten Exoten gilt daher, dass sie \u00e4u\u00dferst unregelm\u00e4\u00dfig nachgefragt werden und damit in die CZ- und CZ2-Klassen des Produkt-Portfolios fallen. Verfolgt man die Zusammensetzung eines Produktportfolios \u00fcber die Jahre, so stellt man fest, dass die Anzahl der Artikel nicht gleichverteilt \u00fcber alle Portfoliofelder zunimmt, sondern vor allem im Bereich CZ und CZ2 anw\u00e4chst.<\/p>\n<p>Das ist nicht verwunderlich, denn jedes Neuprodukt beginnt sein Leben als CZ2 oder zumindest CZ-Artikel. Ist es am Markt erfolgreich, entwickelt es sich im besten Falle zu einem AX-Artikel, bewegt sich zumindest aber aus der CZ-\/CZ2-Ecke heraus. Die Naturgesetze des Marktes bedingen leider, dass den wenigsten Artikeln ein entsprechend gro\u00dfer Erfolg beschieden ist. Die Mehrheit aller Artikel findet nie den Weg aus den Tiefen des Produktportfolios in die H\u00f6hen des Markterfolgs. Somit reichert sich das Produktportfolio weit \u00fcberproportional im CZ-\/CZ2-Bereich mit Artikeln an.<\/p>\n<p><!--more-->\u00dcber die Probleme bei der Kalkulation der Kosten und damit des Preises eines Artikels sprachen wir bereits am Anfang. Die Kalkulationsprobleme f\u00fchren tendenziell dazu, dass CZ- und CZ2-Artikel in ihren tats\u00e4chlichen Kosten untersch\u00e4tzt und AX-Artikel in den ihrigen \u00fcbersch\u00e4tzt werden. Diese Kalkulationsverzerrung kann man sich am Beispiel des Vertriebs einfach vor Augen f\u00fchren. Viele von uns kennen aus ihren Unternehmen die Starverk\u00e4ufer, die f\u00fcr wichtige Key accounts zust\u00e4ndig sind oder dominante Produktrenner verkaufen. Neben diesen wenigen Stars k\u00e4mpft im Vertrieb oft eine gro\u00dfe Anzahl an flei\u00dfigen Verk\u00e4ufern an kleinteiligen Produkt- und Kundenfronten. W\u00e4hrend die vermeintlichen Stars kaum verkaufen sondern nur noch notieren m\u00fcssen, welche Mengen ihre Kunden w\u00fcnschen, m\u00fcht sich die restliche Schar redlich, das ber\u00fchmte \u201esaure Bier\u201c unters Volk zu bringen.<\/p>\n<p>Allzu oft werden die Gesamtkosten des Vertriebs nur nach \u201eTragf\u00e4higkeit\u201c umgelegt, was nichts anderes bedeutet, als dass sie proportional zum Umsatz auf die Produktkalkulation geschlagen werden. So tragen 20% der Rennerartikel schnell 80% der gesamten Vertriebskosten.<\/p>\n<p>Was dadurch passiert, erleben wir laufend und immer wieder im Wirtschaftsleben und in praktisch allen Branchen: Bei zu vielen CZ- und CZ2-Artikeln m\u00fcssen die AX-Artikel zu teuer verkauft werden. Dies erm\u00f6glicht es Wettbewerbern, in das Segment der AX-Artikel mit kosteng\u00fcnstigeren Angeboten einzubrechen.<\/p>\n<p>Das klassische Beispiel f\u00fcr diese Entwicklung liefern die Lebensmittel-Discounter in Deutschland. \u00dcber Jahre nahmen sie dem klassischen Einzelhandel Marktanteile ab. Sie konzentrierten sich auf wenige Artikel: die AAXX-Artikel des t\u00e4glichen Lebens. Dadurch konnten sie ihre Wertsch\u00f6pfungskette kosteng\u00fcnstig gestalten und in gro\u00dfen Mengen mit entsprechenden Rabatten einkaufen. Der klassische Einzelhandel bietet neben Rennerartikeln des Diskoutmarktes ein breites Sortiment weiterer Artikel, auch vielen echter Exoten an und muss, um dies finanzieren zu k\u00f6nnen, seine Rennerartikel im Durchschnitt teurer verkaufen als der Diskounter.<\/p>\n<p>Halten Sie dies f\u00fcr einen Sonderfall des Einzelhandels? Schauen wir uns die Entwicklung im deutschen oder schweizer Werkzeugmaschinenbau an, k\u00f6nnen wir einen \u00e4hnlichen Effekt erkennen. In den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war die Werkzeugmaschinenindustrie stolz auf die kundenspezifischen Speziall\u00f6sungen, die sie dank ihres Engineeringvorsprungs gegen\u00fcber der gerade aufkommenden japanischen Konkurrenz anbieten konnte. Welcher Kunde wollte schon \u201ebutterweiche\u201c Drehmaschinen, die sich bei jeder Bearbeitung eines gr\u00f6\u00dferen Teils verbogen und nur geringe Fertigungstoleranzen einhalten konnten, \u2026meinte man.<\/p>\n<p>Die butterweichen japanischen Drehmaschinen waren aber g\u00fcnstig, weil sich die Hersteller \u2013 wohl mehr aus Engineeringdefiziten als aus marktstrategischen \u00dcberlegungen \u2013 auf Standardmaschinen konzentrierten. Vielleicht gar nicht so \u00fcberraschend, ben\u00f6tigten viele Kunden diese butterweichen Maschinen. F\u00fcr kleine, wenig anspruchsvolle Teile waren sie durchaus wirtschaftlich. \u00dcber den Hebel solcher wenig spannender Brot-und-Butter-Maschinen er\u00f6ffneten sich die japanischen Hersteller den Weltmarkt. Die mitteleurop\u00e4ische Werkzeugmaschinenindustrie holte erst wieder Marktanteile zur\u00fcck, als sie es dank ihrer Engineeringkompetenz verstand, ihre Produkte nach Baukastenprinzipien aufzubauen und damit Standard und kundenspezifische L\u00f6sungen eng miteinander zu verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Das AX-Portfolio ist die typische Angriffsstelle, an der neue Konkurrenten in bestehende M\u00e4rkte einbrechen. Aus diesem Grunde lautet die<strong> Best-Practice-Baustein 3<\/strong>:<br \/>\n<em>Erfolgreiche Unternehmen halten ihr Portfolio-Flo\u00df im Gleichgewicht.<\/em><\/p>\n<p>Will ein Unternehmen den Weg gehen und sein Produktportfolio bereinigen, darf es sich nicht vor dem Gespenst der Sortimentszw\u00e4nge f\u00fcrchten, den <strong>Grundprinzip 4<\/strong> besagt: <strong>Sortimentszw\u00e4nge sind die Scheuklappen der Produktpolitik.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn eine wirtschaftliche Partei eine andere zwingt, nicht nur die von der anderen Partei gew\u00fcnschten Produkte abzunehmen oder zu liefern, sondern ein mehr oder weniger definiertes breiteres Sortiment, dann spricht man von Sortimentszwang.<\/p>\n<p>Sortimentszwang findet man auf der Anbieterseite, vorwiegend im Business-to-Business-Gesch\u00e4ft. Sortimentszwang kann durch einen Anbieter ausge\u00fcbt werden, der seine Kunden zwingt, ein Komplettsortiment abzunehmen oder von Kunden, die fordern, dass ein Lieferant neben den von ihnen regelm\u00e4\u00dfig und in gro\u00dfen Mengen ben\u00f6tigten Artikeln auch seltene und unregelm\u00e4\u00dfig ben\u00f6tigte bereith\u00e4lt.<\/p>\n<p>Ein vom Kunden eingeforderter Sortimentszwang ist selten vertraglich fixiert, sondern wird vom Vertrieb als Serviceleistung verstanden oder in vorauseilendem Gehorsam erbracht.<\/p>\n<p>Unter dem Gesichtspunkt der Produkt-Portfoliomanagements spielt der Sortimentszwang durch den Kunden eine ungute Rolle. Mit echten, durch den Markt oder explizite Kunden ausge\u00fcbten Sortimentszw\u00e4ngen ist \u00e4u\u00dferst vorsichtig umzugehen, trotzdem stellen wir regelm\u00e4\u00dfig fest, dass Sortimentszwang eine der meist-\u00fcbersch\u00e4tzten Kriterien im Produkt-Portfoliomanagement darstellt. Dies klingt sehr gewagt f\u00fcr einen Logistiker. Sortimentszw\u00e4nge sind jedoch keine neblige Angelegenheit, sondern lassen sich statistisch erfassen und hinterfragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie oft wurde, wenn das Produkt A gekauft wurde, auch das Produkt B mitgekauft?<\/li>\n<li>Wenn mit Produkt A h\u00e4ufig auch Produkt B gekauft wird,\n<ul>\n<li>k\u00f6nnte stattdessen nicht auch Produkt C angeboten werden?<\/li>\n<li>handelt es sich dann um einen Zwangszusammenhang f\u00fcr den Kunden oder nur um eine Sammelbestellung?<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>So wichtig, wie Sortimentszwang im Einzelfall sein kann, so unwichtig ist er in vielen anderen F\u00e4llen der Produktsortimentspolitik. W\u00fcrde ein Unternehmen sein Produktportfolio nur nach den vermeintlichen Sortimentszw\u00e4ngen seiner Kunden gestalten, w\u00fcrden sich alle Probleme des Unternehmens mittelfristig in der Insolvenz aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>\u00dcber das Produktportfolio entscheiden noch eine ganze Reihe weiterer Kriterien, strategischer, wie betriebswirtschaftlicher Art. Letztlich muss mit dem aktuellen Produktportfolio Geld verdient werden, deshalb kann niemand die Augen vor den Deckungsbeitr\u00e4gen der einzelnen Produkte verschlie\u00dfen. Wirtschaftliche Zw\u00e4nge werden weiterhin von den Sicherheitsbest\u00e4nden ausge\u00fcbt, die erforderlich sind, um ein Produkt auf dem erforderlichen Niveau der Lieferbereitschaft zu halten. Auch die Restbest\u00e4nde, die verbleiben w\u00fcrden, wenn man sich kurzfristig von einem Produkt trennt, m\u00fcssen bei der Bereinigung des Produktportfolios ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Von Artikeln mit hohen Umsatzanteilen kann man sich selbst dann schwerer als von Artikeln mit geringen Umsatzanteilen trennen, wenn sie nur geringe Deckungsbeitr\u00e4ge aufweisen. Dies nicht zuletzt, weil sie f\u00fcr die Wahrnehmung eines Unternehmens am Markt wichtig sein k\u00f6nnen und sie zudem ein gro\u00dfes Ertragspotenzial bergen, wenn es gelingt, die Deckungsbeitr\u00e4ge zu verbessern.<\/p>\n<p>Unter strategischen Gesichtspunkten ist sicherzustellen, dass sich die Artikel \u00fcber den gesamten Produktlebenszyklus verteilen: zumindest bei den Deckungsbeitragsstarken Artikeln besser linksschief (mehr Artikel bei den Neuanl\u00e4ufern) als rechtsschief (mehr Artikel bei den Ausl\u00e4ufern).<\/p>\n<p>Aus diesem Grund k\u00f6nnen wir als <strong>Best-Practice-Baustein 4<\/strong> festhalten: <em>Sechs zentrale Krite-rien entscheiden \u00fcber den Verbleib eines Artikels im Produktsortiment. Nur eines davon ist der Sortimentszwang.<\/em><\/p>\n<p>Jeder, der schon einmal an Diskussionen zur Bereinigung des Produktsortiments eines Lagerfertigers beteiligt war, wei\u00df, wie intensiv vor allem der Vertrieb die Exoten im Produktproduktportfolio verteidigt. An einfachsten bekommt man ihn noch dazu, wenn man die Neueinf\u00fchrung von Produkten an das Aussondern alter Produkte bindet. Ein Vertrieb, der an jedem Fisch, den er angelt, verdient und dabei die Angel nicht selbst bezahlen muss, verh\u00e4lt sich v\u00f6llig konsequent, wenn er sich gegen die Bereinigung des Produkt-Portfolios stemmt. Aus diesem Grunde werden die Aspekte Neueinf\u00fchrung und Aussonderung immer im Bezug zueinander gesehen.<\/p>\n<p>Ein weiterer wesentlicher Grund f\u00fcr das z\u00f6gerliche Verhalten des Vertriebs l\u00e4sst sich im <strong>Grundprinzip 5<\/strong> verorten: <strong>Viele Unternehmen treffen bei der Produktbereinigung Entscheidungen, wie im r\u00f6mischen Circus: Daumen hoch oder Daumen runter.<\/strong><\/p>\n<p>Geht es beim Aussortieren von Produkten nur um ein <em>Entweder-Oder<\/em>, ist dies nicht nur aus vertrieblicher Sicht schmerzhaft, sondern kann auch der Logistik sehr wehtun. Dies ist immer dann der Fall, wenn bei einem auszusondernden Produkt noch viele Restbest\u00e4nde oder offene Lieferungen von Lieferanten vorhanden sind, auf denen die Supply Chain sitzenbleiben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Welt des Produktportfoliomanagements ist jedoch nicht einfach schwarz-wei\u00df zu sehen \u2013 vor allem nicht aus dem Blickwinkel der Logistik und des Supply Chain Managements. Zwischen einem hell strahlenden Artikel mit hoher Lieferbereitschaft und einem dunkel verschwindenden, nicht mehr zu liefernden Artikel sind feine Abstufungen m\u00f6glich. So kann man zuerst einmal dar\u00fcber nachdenken, den Lieferbereitschaftsgrad eines Artikels zur\u00fcckzunehmen. Der Artikel ist damit immer noch verf\u00fcgbar, es wird jedoch h\u00e4ufiger vorkommen, dass Kunden auf die Lieferung des Artikels warten m\u00fcssen. Nach unserer Erfahrung aus zahlreichen Projekten akzeptieren die Kunden dies, wenn es sich um exotische Artikel handelt, die entweder nur von einem spezifischen Lieferanten angeboten werden oder bei allen einschl\u00e4gigen Lieferanten schwer zu bekommen sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15390\" aria-describedby=\"caption-attachment-15390\" style=\"width: 1579px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Portfoliomanagement_Abb3.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-15390\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Portfoliomanagement_Abb3.png\" alt=\"Abbildung 3: Mindestens sieben Stufen der Produktbereinigung lassen sich unterscheiden\" width=\"1579\" height=\"1058\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Portfoliomanagement_Abb3.png 1579w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Portfoliomanagement_Abb3-600x402.png 600w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Portfoliomanagement_Abb3-300x201.png 300w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Portfoliomanagement_Abb3-1024x686.png 1024w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Portfoliomanagement_Abb3-768x515.png 768w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Portfoliomanagement_Abb3-1536x1029.png 1536w\" sizes=\"(max-width: 1579px) 100vw, 1579px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15390\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: Mindestens sieben Stufen der Produktbereinigung lassen sich unterscheiden<\/figcaption><\/figure>\n<p>Noch einen Schritt weiter geht die Strategie, Produkte mit einer Lieferzeit zu versehen und nur die erforderlichen Rohmaterialien und Halbfabrikate vorzuhalten. Aus diesen kann dann der ben\u00f6tigte Artikel bei Bedarf hergestellt werden. Auch bei dieser Strategie wird der betroffene Artikel in Teilen ab Lager lieferf\u00e4hig sein, da er in den meisten F\u00e4llen in Losen und nicht in Einzelst\u00fccken produziert wird. Die \u00fcber den Kundenbedarf hinausgehenden Losmengen liegen dann als Fertigware auf Lager. In verschiedenen F\u00e4llen haben unsere Simulationen gezeigt, dass damit noch eine Sofortlieferf\u00e4higkeit von 50 % erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Verzichtet man darauf, Halbfabrikate, spezifische Rohmaterialien oder Zukaufteile bereitzuhalten, um das Endprodukt herstellen zu k\u00f6nnen, gelangt man zum \u201eProdukt auf Bestellung\u201c, bei dem die Lieferzeiten schon deutlich lang werden k\u00f6nnen und bei dem darauf geachtet werden muss, dass der Verkaufspreis auch die Gestehungskosten deckt.<\/p>\n<p>Erst der letzte Schritt erst besteht darin, ein Produkt \u00fcberhaupt nicht mehr zu liefern.<\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen ist es gar nicht erforderlich, \u00fcber die stufenweise Elimination eines Artikels nachzudenken, wenn man zuvor die Aggregation oder Substitution von Artikeln bedacht hat. So kann es deutlich kosteng\u00fcnstiger sein, auf verschiedene geringwertigere Varianten eines Produktes zu Gunsten einer h\u00f6herwertigen, alle ersetzenden Variante zu verzichten. Die h\u00f6heren Material- und Gestehungskosten k\u00f6nnen durch die eingesparten Bestands- und Entsorgungskosten \u00fcberkompensiert werden. In dieselbe Richtung zielen Sie, wenn Sie mehrere gleichwertige Varianten zu einer Variante zusammenfassen, z. B. indem Sie die Zahl der angebotenen Produktgr\u00f6\u00dfen verringern.<\/p>\n<p>Eine manchmal mutige, aber zuweilen sehr erfolgreiche Strategie kann das Cross-Stocking darstellen. Beim Cross-Stocking teilen sich zwei Wettbewerber ihren \u00c4rger mit CZ- und CZ2-Teilen, indem sich die beiden Parteien das entsprechende Produktportfolio aufteilen und sich wechselseitig beliefern.<\/p>\n<p>Sie sehen, die Bereinigung des Produktportfolios kann eine farbenfrohe Angelegenheit mit spannenden neuen M\u00f6glichkeiten sein. Deshalb halten wir als <strong>Best-Practice-Baustein Nr. 5<\/strong> fest: <em>Erfolgreiche Unternehmen pflegen ihr Produktportfolio regelm\u00e4\u00dfig und konsequent, daf\u00fcr aber differenziert.<\/em><\/p>\n<p>Bei der Pflege des Produktportfolios m\u00fcssen Sie die richtigen Antworten nicht immer selbst finden, wenn Sie sich auf <strong>Grundprinzip 6<\/strong> einlassen: <strong>Kunden reagieren sensibel auf Preisdifferenzierungen.<\/strong><\/p>\n<p>Jeder, der im Vertrieb zu tun hat, kennt das Schachern um den Preis eines Produktes oder einer Dienstleistung: die Verk\u00e4uferin in der Modeboutique genauso wie der Vertriebschef des Gro\u00dfkonzerns. H\u00e4ufig unabh\u00e4ngig von dem Wert, den ein Produkt oder eine Dienstleistung f\u00fcr einen Kunden hat, versuchen die Kunden und Eink\u00e4ufer den Preis zu dr\u00fccken. Die extreme Preissensibilit\u00e4t des Marktes kann man zuweilen geschickt zur Sortimentsbereinigung einsetzen.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen Sie in einem ersten Schritt bevorzugte Varianten verg\u00fcnstigen und damit die Nachfrage von ungeliebten Varianten abziehen. Kurzzeitig kann dies Ertragseinbu\u00dfen bedingen, mittelfristig aber durch Mengeneffekte zu steigen Ertr\u00e4gen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Kunden, die trotz der Preisdifferenzierung bei ihren urspr\u00fcnglichen Produktvarianten geblieben sind, sind entweder weniger preissensibel oder ben\u00f6tigen aus bestimmten Gr\u00fcnden \u201eihre\u201c Stamm-Produktvarianten.<\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt sollten Sie nun \u00fcberlegen, die ungeliebten Produktvarianten zu verteuern. Das wird einen weiteren Teil der Kunden zu den g\u00fcnstigeren Varianten ziehen und damit die dortigen Mengeneffekte verst\u00e4rken. Einen Teil der Kunden wird dieser Schritt veranlassen, Sie als Lieferanten zu wechseln. Doch der bei seinen angestammten Produktvarianten verbleibende Teil der Kunden, wird Ihnen nicht gl\u00fccklich, aber gezwungenerma\u00dfen die h\u00f6heren Preise und damit bessere Deckungsbeitr\u00e4ge bezahlen.<\/p>\n<p>Mit je weniger Kunden sie es zu tun haben, desto vorsichtiger m\u00fcssen Sie mit Schritt 2 dieser Strategie umgehen. Auf diesen Aspekt werden wir sp\u00e4ter nochmals zur\u00fcckkommen. Trotzdem setzen viele Unternehmen <strong>Best-Practice-Baustein 6<\/strong> an: <em>Erfolgreiche Unternehmen be-teiligen ihre Kunden an der Sortimentsbereinigung \u00fcber eine Preisdifferenzierung.<\/em><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zu diesem Themenfeld finden Sie hier:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Best-Practice-Regeln f\u00fcr das Produkt-Portfoliomanagement, Teil 3<\/li>\n<li>Best-Practice-Regeln f\u00fcr das Produkt-Portfoliomanagement, Teil 1<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/2011\/06\/best_practice_dispo\/\">Best-Practice-Regeln f\u00fcr eine leistungsf\u00e4hige Disposition<\/a><\/li>\n<li>Best-Practice-Regeln f\u00fcr eine leistungsf\u00e4hige Absatzprognose<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Ausgabe der POTENZIALE haben wir Ihnen im ersten Teil unseres Best-Practice-Artikels \u00fcber das Produkt-Portfoliomanagement einige erste Schritte gezeigt: Unter anderem haben wir Ihnen erkl\u00e4rt, warum sich in den meisten Unternehmen irgendwann eine \u201cCZ-Explosion\u201d ereignet und warum regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle der vier wichtigsten Bestandsdimensionen ABC, XYZ, STU sowie ELA diese verhindern helfen kann. 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