{"id":6834,"date":"2011-12-21T16:53:54","date_gmt":"2011-12-21T15:53:54","guid":{"rendered":"https:\/\/ak-online.de\/?p=6834"},"modified":"2023-12-01T10:24:22","modified_gmt":"2023-12-01T09:24:22","slug":"spitzen-wertschopfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/spitzen-wertschopfung\/","title":{"rendered":"\u00abSpitzen\u00bb Wertsch\u00f6pfung"},"content":{"rendered":"<h2>Materialeffizienz bei Anita Dr. Helbig GmbH um 29 Prozent erh\u00f6ht<\/h2>\n<p><em>Von Felicitas Heid-Davignon und Armin Kl\u00fcttgen*<\/em><br \/>\n<strong>Die Steigerung der Materialeffizienz findet immer mehr Beachtung. Schlie\u00dflich schlummert hier gro\u00dfes Optimierungs-Potenzial. Die Anita Dr. Helbig GmbH hat mit Unterst\u00fctzung von Abels &amp; Kemmner im Rahmen eines Materialeffizienzprojektes erhebliche Kostensenkungspotenziale identifiziert und erste Ma\u00dfnahmen zur Umsetzung eingeleitet. Das gestiegene Bewusstsein f\u00fcr die wertsch\u00f6pfende Wirkung von Ausschussreduktion wird sogar noch weitere positive Effekte nach sich ziehen: Bereits w\u00e4hrend des Projektes hat die neue Transparenz \u00fcber die Materialeffizienz das Denken aller beteiligten Mitarbeiter sp\u00fcrbar ver\u00e4ndert.<!--more--><\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2005\/04\/1132738685648.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-14653 alignright\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2005\/04\/1132738685648-153x300.jpg\" alt=\"Anita verf\u00fcgt \u00fcber ein international t\u00e4tiges Netzwerk aus 20 Einzelgesellschaften mit insgesamt ca. 1.100 Mitarbeitern. Der j\u00e4hrliche Umsatz betr\u00e4gt ca. 70 Millionen Euro.\" width=\"153\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2005\/04\/1132738685648-153x300.jpg 153w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2005\/04\/1132738685648.jpg 178w\" sizes=\"(max-width: 153px) 100vw, 153px\" \/><\/a>W\u00e4hrend die Personalkosten schon seit vielen Jahren im Zentrum von Verbesserungsma\u00dfnahmen stehen, wurden die Materialkosten bislang meist vernachl\u00e4ssigt. Eine Umfrage des BDI aus dem Herbst 2008 zeigte, dass ca. die H\u00e4lfte aller deutschen Unternehmen im produzierenden Gewerbe noch keine Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Materialeffizienz durchgef\u00fchrt hat.<br \/>\nWas ziemlich unverst\u00e4ndlich ist, immerhin machen die Ausgaben f\u00fcr Material ca. 46 % der Kosten im produzierenden Gewerbe aus. Zudem haben Analysen von Abels &amp; Kemmner ergeben, dass zwischen 19 und satten 53 % der Verluste bei der Materialeffizienz geborgen werden k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>Materialeffizienzprojekte amortisieren sich schnell<\/strong><br \/>\nDamit amortisieren sich Materialeffizienzprojekte sehr schnell und schaffen zum Teil erhebliche Liquidit\u00e4tsreserven. Auch dies sollte ein guter Grund f\u00fcr jedes Unternehmen sein, seine Materialeffizienz zu kennen und zu optimieren. Warum also nutzen viele Unternehmen diese verborgenen Potenziale nicht? Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind z. B. mangelndes Bewusstsein f\u00fcr das gro\u00dfe Potenzial einer genauen Betrachtung der Materialeffizienz.<br \/>\nOder, wenn das Wissen vorhanden ist, steht oft fehlende personelle Kapazit\u00e4t der Durchf\u00fchrung eines solchen Projektes im Wege.<br \/>\nEin Unternehmen, das bereits davon \u00fcberzeugt war, durch eine Untersuchung der Materialeffizienz ein deutliches Potenzial zur Kostenreduzierung aufdecken zu k\u00f6nnen, ist die Anita Dr. Helbig GmbH. Erste intern eruierte Einsch\u00e4tzungen hatten schon Hinweise darauf gegeben. Deshalb ist man gemeinsam mit Abels &amp; Kemmner den unterschiedlichen Ausschussursachen auf den Grund gegangen. Das Projekt beinhaltete eine detaillierte Analyse der Ursachen sowie eine exakte quantitative Bewertung der unterschiedlichen Ausschussarten und der darin verborgenen Verbesserungspotenziale. Das Ergebnis war ein Handlungsplan, der im Rahmen der identifizierten Handlungsfelder detaillierte Ma\u00dfnahmen zur Realisierung der Potenziale aufzeigte.<br \/>\n<strong>Ausschuss hat viele Ursachen<\/strong><br \/>\nDie Planung von Vormaterialien und Fertigerzeugnissen sieht sich einer Vielfalt von Problemen gegen\u00fcber, die es mit wenig Bestand bei hoher Lieferf\u00e4higkeit zu bew\u00e4ltigen gilt. Ein Beispiel hierf\u00fcr: Da das zu planende Produkt in h\u00f6chstem Masse modischen Einfl\u00fcssen unterworfen ist, entstehen bei nicht optimaler Planung erhebliche Mengen an inkurantem Material (insbesondere Stoffe als Breitware bzw. Ballen), das als \u00dcberhang aus der Planung \u00fcbrig bleibt. Dieses Material ist zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen nicht mehr zu verkaufen. Gibt es in der eigenen Produktion keine M\u00f6glichkeit der alternativen Verwendung, kann dieses Material nur noch vernichtet werden. In der Produktion fallen dar\u00fcber hinaus noch weitere geplante sowie qualit\u00e4tsbedingte Aussch\u00fcsse an. Die geplanten ergeben sich zum Beispiel beim Zuschneiden von einzelnen Teilen aus einem Lagenbild, wobei Verschnitt im Lagenbild selber sowie an den Lagenr\u00e4ndern und -\u00fcberst\u00e4nden entsteht. Die Qualit\u00e4tsaussch\u00fcsse ergeben sich daraus, dass das Arbeitsergebnis nicht den geforderten Kriterien entspricht. Hierbei ist eine Nacharbeit oftmals nicht m\u00f6glich, wodurch auch hier eine Vernichtung notwendig wird. Die Aussch\u00fcsse in der Produktion k\u00f6nnen dabei erheblich sein. All diese Aussch\u00fcsse, die offensichtlich unterschiedlichste Ursachen haben, gilt es m\u00f6glichst zu vermeiden. Bevor wir aber in die Details der Ma\u00dfnahmen einsteigen, die zur Beseitigung der Aussch\u00fcsse f\u00fchren sollen, ist es erforderlich zu verstehen, wie vielschichtig der Produktionsprozess ist und welche Herausforderung sich dadurch f\u00fcr die Planung der BH-Fertigung ergeben.<br \/>\nNeben Arbeitsvorg\u00e4ngen wie Kommissionieren und Verpacken f\u00fcr den Materialfluss zur N\u00e4herei besteht die Fertigung im Wesentlichen aus Vorfertigung, Kaschieren, Zuschneiden, Mollen und N\u00e4hen. In der Vorfertigung werden sog. Zutaten wie z. B. Haken, \u00d6sen, B\u00e4nder, etc. verarbeitet. So werden z. B. Verschl\u00fcsse hergestellt, Tr\u00e4ger konfektioniert oder aber B\u00e4nder geschnitten, die unmittelbar f\u00fcr die N\u00e4herei zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Vor dem Zuschnitt wird Breitware gef\u00e4rbter und bedruckter wie unbedruckter elastischer Stoffe vom Ballen abgewickelt und durch verschiedene Verfahren entspannt, da der Stoff auf dem gelieferten Ballen unterschiedliche Spannungen aufweisen kann. Im n\u00e4chsten Schritt werden die entspannten Materialien mit Legewagen auf vorgegebene Lagenh\u00f6he und -l\u00e4nge gelegt, z. B. mit drei\u00dfig St\u00fcck, und gem\u00e4\u00df Lagenbild zugeschnitten. Beim Kaschieren werden verschiedene Stoffe fl\u00e4chig miteinander verbunden (verklebt), wodurch das Material stabiler (verst\u00e4rkt) wird und auf den beiden Seiten unterschiedliche Optik und\/oder Haptik entstehen. Auch die Vormaterialien f\u00fcr das Kaschieren sind Breitwaren. Beim Mollen werden unter Einsatz von hohen Temperaturen und Druck rechteckige Stoffplatten in die richtige Gr\u00f6\u00dfe und Form des gew\u00fcnschten Cups gebracht. Die endg\u00fcltige Form entsteht durch Stanzen, wobei die \u00fcberstehenden und nicht genutzten, aber verfahrenstechnisch erforderlichen R\u00e4nder entfernt werden. Das Vormaterial des Moldens sind im Zuschnitt entstandene rechteckige Platten. Beim N\u00e4hen entsteht aus den zuvor beschriebenen Materialien bzw. den daraus gefertigten Schnittteilen und weiteren Komponenten, wie Einfassb\u00e4ndern, elastischen B\u00e4ndern, B\u00fcgeln, usw., der fertige BH. Dieser kann aus bis zu vierzig verschiedenen Bestandteilen und bis zu f\u00fcnf verschiedenen Breitwaren bestehen.<br \/>\n<strong>Stoffstromanalyse &#8211; Identifikation der Materialverluste<\/strong><br \/>\n<figure id=\"attachment_15235\" aria-describedby=\"caption-attachment-15235\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Stoffstrom-1.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15235 size-full\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Stoffstrom-1.jpg\" alt=\"Darstellung des Stoffstroms (Auszug)\" width=\"495\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Stoffstrom-1.jpg 495w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Stoffstrom-1-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 495px) 100vw, 495px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15235\" class=\"wp-caption-text\">Darstellung des Stoffstroms (Auszug)<\/figcaption><\/figure><br \/>\nDiese Beschreibung der Produktion zeigt bereits, dass der Stoff viele einzelne Arbeitsschritte durchlaufen muss, bis aus ihm ein fertiger BH geworden ist. Die bei Anita im ersten Schritt durchgef\u00fchrte Stoffstromanalyse war deshalb ein wesentlicher und unerl\u00e4sslicher Bestandteil des Materialeffizienzprojektes. Sie schl\u00fcsselte die Materialstr\u00f6me zwischen den Fertigungsabteilungen auf und dokumentierte bei jeder Fertigungsabteilung, wie viel geplanter und qualit\u00e4tsbedingter Ausschuss in diesem Bereich angefallen ist und wie viel inkurante Mengen vernichtet wurden. \u00dcblicherweise sollte ein Stoffstrom zwar in Mengeneinheiten (kg, m, m2, m3 &#8230;) aufgef\u00fchrt werden. Bei Anita war dies nicht m\u00f6glich, weil zu den Materialnummern (Teilen) die Gewichte nicht durchg\u00e4ngig dokumentiert waren und bei zusammengef\u00fcgten Teilen (z. B. Meterware und St\u00fcckg\u00fcter in der Vorfertigung) eine eindeutige Zuordnung zum Einsatzmaterial und damit eine sinnvolle Darstellung nicht mehr m\u00f6glich war. In einem solchen Fall kann aber die bewertete Menge Abhilfe schaffen, sodass dennoch die Informationen im Stoffstrom im Hinblick auf die Materialeffizienz aussagekr\u00e4ftig sind, da zu jedem Produktionsbereich exakte Werte ermittelt werden konnten. Konkret ermittelt wurden:<\/p>\n<ul>\n<li>Weitergeleitetes Material<\/li>\n<li>Ausschussvolumen geplant<br \/>\n(absolut und in %),<\/li>\n<li>Ausschussvolumen Qualit\u00e4t<br \/>\n(absolut und in %)<\/li>\n<li>Ausschuss inkurantes Material<br \/>\n(absolut und in %)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Festgestellt wurde, dass bei Anita sowohl in der Vorfertigung als auch beim N\u00e4hen nur geringe qualit\u00e4tsbedingte Aussch\u00fcsse anfallen, geplante Aussch\u00fcsse gibt es bei diesen Arbeitsvorg\u00e4ngen nicht. Beim Kaschieren, Zuschneiden und insbesondere beim Molden kommt es jedoch zu deutlichen Ausschussraten, die sich aus den hohen Qualit\u00e4tsanforderungen von Anita ergeben. Dar\u00fcber hinaus waren beim Moden und beim Zuschneiden erhebliche geplante Aussch\u00fcsse zu verzeichnen. Die Vernichtung inkuranter Materialien (inkl. Faltschachteln) aus dem Lager vervollst\u00e4ndigt die Aufstellung der Materialverluste. Auch hierbei fallen betr\u00e4chtliche Summen pro Jahr an. Insgesamt wurden im Jahr 2009 Materialien im Wert von ca. 20 % des Einkaufsvolumens vernichtet. Den gr\u00f6\u00dften Anteil daran hatten mit \u00fcber 73 % die geplanten Aussch\u00fcsse im Molden und im Zuschnitt. Aber auch die Qualit\u00e4tsaussch\u00fcsse im Molden und insbesondere die inkuranten Materialien trugen mit fast 22 % betr\u00e4chtlich zur H\u00f6he der Aussch\u00fcsse bei.<br \/>\n<strong>Constraintanalyse &#8211; Die Kernursachen der Materialverluste identifizieren<\/strong><br \/>\nDie im Rahmen der Stoffstromanalyse ermittelten Materialeffizienzverluste wurden mit Hilfe einer Constraint-Analyse weiter untersucht. In der Constraint-Analyse wird eine Ursachen-Wirkungskette aufgebaut. Ziel ist es, in einem komplexen Ursache-Wirkungsnetz die \u00abroot-causes\u00bb, also die Ursachen an der Wurzel des Netzwerkes zu identifizieren. Ein in der Folge der Constraintanalyse zu erstellender Handlungsplan beinhaltet die Ma\u00dfnahmen, um die gefundenen root-causes zu beseitigen. Durch die Beseitigung der Kernursachen fallen in der Folge die Auswirkungen im Constraint-Netz in sich zusammen und die unerw\u00fcnschten Effekte, in diesem Falle Material-Ineffizienzen, k\u00f6nnen beseitigt bzw. reduziert werden. Die Constraint-Analyse wurde nur dort durchgef\u00fchrt, wo im Rahmen der Stoffstromanalyse substanzielle Materialeffizienzverluste identifiziert werden konnten. Klares Ergebnis der Analyse: die wesentlichen Materialverluste entstehen durch die Komplexit\u00e4t der Planungsaufgabe, deren vielschichtige Probleme in inkurantes Material m\u00fcnden sowie durch besonders anspruchsvolle Fertigungsverfahren, die nicht immer stabil ablaufen und bei denen schwierig zu beherrschende Materialien eingesetzt werden.<br \/>\n<figure id=\"attachment_15231\" aria-describedby=\"caption-attachment-15231\" style=\"width: 605px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Constraintanalyse.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-15231 size-full\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Constraintanalyse.jpg\" alt=\"Der Mechanismus der Contraint Analyse\" width=\"605\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Constraintanalyse.jpg 605w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Constraintanalyse-600x304.jpg 600w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/ANITA_Constraintanalyse-300x152.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15231\" class=\"wp-caption-text\">Der Mechanismus der Contraint Analyse<\/figcaption><\/figure><br \/>\n<strong>Planungsabweichungen generieren inkurantes Material<\/strong><br \/>\nDie Absatzplanung der Artikel und in der Folge die Planung der zu beschaffenden Materialien wird bei Anita von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die das Planungsergebnis teilweise erheblich von der tats\u00e4chlich eintretenden Situation abweichen lassen. Die Kundennachfrage richtet sich in einzelnen Kollektionsgruppen stark nach modischen Einfl\u00fcssen und es besteht eine stete Forderung nach Neuheiten. Der Neuheitencharakter wird dabei nicht nur durch Farben und Drucke erzeugt, sondern vielfach auch durch neuartige Materialien und Verarbeitungen, die eine spezielle Funktion bewirken. Diese m\u00fcssen h\u00f6chsten Funktions- und Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen gen\u00fcgen, was zwei Auswirkungen zur Folge hat: Anita durchl\u00e4uft gemeinsam mit dem Lieferanten einen sehr aufwendigen und damit zeitintensiven Entwicklungsprozess, der im Hinblick auf die Anforderungen der Planung schwierig zu integrieren ist. Als zweiten Effekt hat man wegen der sehr hohen Qualit\u00e4tsanforderungen und dem aufwendigen Entwicklungsprozess nur wenige alternative Lieferanten zur Verf\u00fcgung. Hier k\u00f6nnen Beschaffungsprobleme entstehen, die nur \u00fcber zus\u00e4tzliche Sicherheitsbest\u00e4nde abgedeckt werden k\u00f6nnen. Hohe Wiederbeschaffungszeiten bei vielen Stoffen und Vormaterialien und teilweise sehr sporadisch verlaufende Bedarfe machen dem Planer das Leben zus\u00e4tzlich schwer. Bei einigen kritischen Materialien m\u00fcssen wegen instabiler Produktionsprozesse weitere Puffer vorgehalten werden, damit die Lieferbereitschaft in ausreichendem Masse gew\u00e4hrleistet werden kann. Ein weiteres Problem: Materialmengen und Kontrakte m\u00fcssen zu einem Zeitpunkt festgelegt werden, zu dem man \u00fcber die Bedarfsentwicklung eines neuen Produkts inkl. Vorordergesch\u00e4ft noch nicht wirklich belastbare Aussagen treffen kann. Die Erstdisposition basiert daher meist auf Erfahrungswerten. Wiederkehrende Abweichungen in den Best\u00e4nden, verursacht durch verschiedenste Defizite in den Prozessen und der Systemunterst\u00fctzung, ein hoher Anteil von manuell durchgef\u00fchrten Planungsschritten sowie nicht durchg\u00e4ngig gepflegte Daten behindern die Planungserstellung zus\u00e4tzlich.<br \/>\nIn der Summe entstehen durch die verschiedenen Problemkreise in der Planung, die sich gegenseitig \u00fcberlagern und zum Teil verst\u00e4rken, erhebliche Mengen inkuranten Materials, welches schlimmstenfalls vernichtet werden muss. Im Jahr 2009 war dies nach den geplanten Aussch\u00fcssen bei den Arbeitsvorg\u00e4ngen Zuschneiden und Molden mit ca. 14 % am gesamten Ausschuss die drittgr\u00f6\u00dfte Position.<br \/>\n<strong>Im geplanten Ausschuss spielt die Musik<\/strong><br \/>\nDrei Viertel der in 2009 angefallenen Aussch\u00fcsse waren geplante Aussch\u00fcsse bei den Arbeitsvorg\u00e4ngen Zuschneiden und Molden. Nach dem eigentlichen Molding-Vorgang, der Formgebung f\u00fcr den Cup, werden von den daf\u00fcr verwendeten Stoffplatten, die zuvor aus der Breitware geschnitten worden sind, die Restst\u00fccke im Randbereich (ca. 4o %) durch Stanzen entfernt. Die so entstandenen Abschnitte sind nicht mehr verwendbar und zu 100 % Ausschuss. Dar\u00fcber hinaus fallen noch qualit\u00e4tsbedingte Aussch\u00fcsse an, die z. B. entstehen k\u00f6nnen durch unzureichende Ausfixierbarkeit der Form, Farbumschl\u00e4ge durch Temperatureinwirkung oder auch Ver\u00e4nderung der Oberfl\u00e4che durch Hitze (Material wird glasig oder kann verh\u00e4rten).<br \/>\nIm Zuschnitt waren 20 % der eingesetzten Mengen geplanter Ausschuss. Dieser setzt sich zusammen aus den Lagenr\u00e4ndern, dem Lagen\u00fcberstand sowie den Abschnitten im Lagenbild selber. Verglichen damit waren die Aussch\u00fcsse, die beim Zuschneiden auf Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, z. B. durch nicht erkannten Materialeinsprung, schon fast vernachl\u00e4ssigbar.<br \/>\n<strong>Der Handlungsplan<\/strong><br \/>\nBasierend auf den Erkenntnissen der Stoffstrom- und Constraintanalyse wurden im Rahmen des Projektes Handlungsfelder identifiziert und Ma\u00dfnahmen formuliert, die die Kernursachen der Material-Ineffizienzen attackieren. Insgesamt wurden in sechs verschiedenen Handlungsfeldern fast f\u00fcnfzig verschiedene Ma\u00dfnahmen erarbeitet, die zum Teil ihrerseits wieder mehrere Aktivit\u00e4ten enthalten. Die Ma\u00dfnahmen wurden mit ihren Potenzialen zur Verbesserung der Effizienz bewertet und der Gr\u00f6\u00dfe der Hebelwirkung nach, in einer Projekt-Roadmap aufgelistet. Exemplarisch seien nachfolgend nur einige Handlungsfelder und Ausz\u00fcge ihrer Ma\u00dfnahmen dargestellt:<br \/>\n<strong>Handlungsfeld geplante und qualit\u00e4tsbedingte Aussch\u00fcsse in der Fertigung<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Modifikation von Pr\u00fcfverfahren und Pr\u00fcfzeitpunkt sowie Schulungsma\u00dfnahmen zur Erh\u00f6hung der Qualit\u00e4t beim Arbeitsvorgang Molden<\/li>\n<li>Machbarkeitsstudien und weitere Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung des geplanten Ausschusses beim Arbeitsvorgang Zuschnitt<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Handlungsfeld Lieferantenanbindung<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Optimierung des Lieferantenportfolios und aktive Lieferantenentwicklung<\/li>\n<li>Verschiedene Ma\u00dfnahmen zur besseren Beherrschung sporadischer Bedarfe eingebettet in einen stabilen Abwicklungsprozess<\/li>\n<li>Verhandeln diverser Einkaufsbedingungen<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Handlungsfeld Materialplanung und -disposition<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Entwurf eines Konzeptes zur Implementierung einer durchg\u00e4ngigen Planung und Disposition<\/li>\n<li>Optimierung Materialdisposition\/ Einkauf durch erweiterte Systemunterst\u00fctzung und verschiedene planerische Erweiterungen<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Handlungsfeld Transparenz der Best\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Erh\u00f6hung der Bestandssicherheit durch Anpassungen in der Lagerverwaltung<\/li>\n<li>Etablierung einer vollst\u00e4ndig integrierten Bestandsf\u00fchrung in einem System<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die zuvor gelisteten Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen nur einen Eindruck vermitteln f\u00fcr die Vielschichtigkeit und die Komplexit\u00e4t des Themas Materialeffizienz sowie die Intensit\u00e4t des mit Anita durchgef\u00fchrten Projekts. Die Potenziale, die das Projekt offenbart hat, sind durchaus beeindruckend. Und der eingeleitete Bewusstseinsprozess hat schon w\u00e4hrend der Projektlaufzeit dazu gef\u00fchrt, dass die Motivation zur Steigerung der Materialeffizienz signifikant gestiegen ist und die beteiligten Personen ein gro\u00dfes Interesse an der gesamten Thematik entwickelt haben.<br \/>\n<strong>Quantifizierung der Ergebnisse<\/strong><br \/>\nDie Ma\u00dfnahmen, die im Rahmen der unterschiedlichen Handlungsfelder definiert wurden, haben einen deutlichen Anstieg der Materialeffizienz und damit signifikante j\u00e4hrliche Kosteneinsparungen zur Folge. Bei den Arbeitsvorg\u00e4ngen N\u00e4hen, Molden, Zuschnitt und Vorfertigung werden die qualit\u00e4tsbedingten Aussch\u00fcsse um 50 % gesenkt, beim Kaschieren um 25 %. Die geplanten Aussch\u00fcsse beim Molden und im Zuschnitt sollen um 12,5 bzw. 25 % gesenkt werden. Zus\u00e4tzlich sollen die Materialvernichtungen, die auf einem Lagerplatz wegen inkuranter Materialien stattfinden, um ca. 60 % reduziert werden. Insgesamt ergibt sich so eine Reduzierung der Aussch\u00fcsse um 29 %, was einer j\u00e4hrlichen Ersparnis von mehreren hunderttausend Euro entspricht. F\u00fcr das durchgef\u00fchrte Materialeffizienzprojekt bedeutet dies eine Amortisationsdauer von deutlich unterhalb eines Monats. Hinzu kommt noch der in Gang gesetzte Bewusstseinswandel bei allen Projektbeteiligten sowie die eintretenden Multiplikatoreffekte durch die verschiedenen definierten und umzusetzenden Ma\u00dfnahmen im Unternehmen. Da das Thema der Materialeffizienz in den letzten Jahren eher etwas vernachl\u00e4ssigt wurde, werden Projekte in diesem Bereich zus\u00e4tzlich von der demea (deutsche Materialeffizienzagentur), einer Institution des Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Technologie, im Rahmen des Impulsprogramms Materialeffizienz (VerMat), gef\u00f6rdert. Unterst\u00fctzt wird die Erstberatung mit f\u00f6rderf\u00e4higem Projektvolumen bis 30 000 \u20ac. Dabei werden bis zu einem Betrag von 15 000 \u20ac 67 % der anfallenden Kosten f\u00fcr eine Potenzialanalyse gef\u00f6rdert. Bei einem Betrag zwischen 15000-30000 \u20ac bel\u00e4uft sich die F\u00f6rderung auf 50 % der Projektkosten. Eine danach m\u00f6gliche Vertiefungsberatung wird mit 33 % gef\u00f6rdert, wobei die maximale Zuwendung aus durchgef\u00fchrter Potenzialanalyse und Vertiefungsberatung 100 000 \u20ac betr\u00e4gt.<br \/>\n<strong>Die Planung und Fertigung von BHs: Eine K\u00f6nigsdisziplin der Textilfertigung<\/strong><br \/>\nEin bisschen Stoff, B\u00e4nder, Haken und \u00d6sen, vielleicht noch ein wenig Spitze, eine gute N\u00e4hmaschine &#8211; und fertig ist der formsch\u00f6ne und luxuri\u00f6se BH. So vereinfacht stellen sich viele wohl die Herstellung eines BHs vor. In der Realit\u00e4t aber ist dieses Produkt sowohl in der Planung als auch in der Ferti\u00acgung die K\u00f6nigsdisziplin in der Textilindustrie. Hier kann man in Bezug auf die Materialeffizienz vieles falsch machen &#8211; oder aber, durch die richtigen Optimierungsma\u00dfnahmen &#8211; in erheblichem Umfang Kosten reduzieren.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>* Felicitas Heid-Davignon ist Bereichsleiterin Produktion und Logistik bei der Anita Dr. Helbig GmbH in Brannenburg. Armin Kl\u00fcttgen ist Principal bei der Abels &amp; Kemmner GmbH.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Materialeffizienz bei Anita Dr. Helbig GmbH um 29 Prozent erh\u00f6ht Von Felicitas Heid-Davignon und Armin Kl\u00fcttgen* Die Steigerung der Materialeffizienz findet immer mehr Beachtung. Schlie\u00dflich schlummert hier gro\u00dfes Optimierungs-Potenzial. 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