{"id":6647,"date":"2011-11-24T12:17:25","date_gmt":"2011-11-24T11:17:25","guid":{"rendered":"https:\/\/ak-online.de\/?p=6647"},"modified":"2023-12-01T11:11:49","modified_gmt":"2023-12-01T10:11:49","slug":"auf-zu-neuen-dispositionswelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/auf-zu-neuen-dispositionswelten\/","title":{"rendered":"Auf zu neuen Dispositionswelten"},"content":{"rendered":"<h2>Teil 3 der Best-Practice-Regeln f\u00fcr eine leistungsf\u00e4hige Disposition<\/h2>\n<p><strong>In den ersten beiden Teilen des Best-Practice-Artikels haben Sie erfahren, mit welchen elf Bausteinen und Regeln Sie Lieferbereitschaft und Sicherheitsbest\u00e4nde festlegen k\u00f6nnen. Sie wissen nun, dass Sie Sicherheitsbest\u00e4nde aufbauen m\u00fcssen, bevor Sie sie brauchen und daher regelm\u00e4\u00dfig ermitteln m\u00fcssen. Die Architektur Ihrer Wertsch\u00f6pfungskette bestimmt nun Ihren Grundbedarf und aus der Prozessstabilit\u00e4t k\u00f6nnen Sie Ihren Sicherheitsbestand ableiten.Nun geht es darum, Ihre Disposition fit genug zum Abheben in neue Welten zu machen! Sie lesen im Folgenden, wann Pull- und wann Push-Steuerung sinnvoll ist, warum das Bauchgef\u00fchl der Disponenten leider unzuverl\u00e4ssig ist und Regelwerke f\u00fcr eine leistungsf\u00e4hige Disposition unerl\u00e4sslich sind. Die letzten Schritte in eine neue Dispositionswelt:<\/strong><\/p>\n<p>Klassische Push-Steuerungen, wie plangesteuerte Disposition bzw. MRP II sind heute nicht mehr \u201ecool\u201c, sondern ziemlich \u201eout\u201c. Alles strebt nach Lean Production und \u201ePull-Steuerung\u201c: Meldebestandssteuerung und vor allem Kanban (Pendelkarten) sind \u201ein\u201c. Beides sind sehr alte Verfahren, die bereits vor dem Zeitalter der Computer im Einsatz waren, Pendelkarten zumindest bereits im Mittelalter. Viele Gr\u00fcnde sprechen f\u00fcr die Renaissance der Pull-Steuerung, dabei wird allerdings gerne \u00fcbersehen, dass die Push-Steuerung einmal entwickelt worden ist, um bestimmte Nachteile der Meldebestandsteuerung zu \u00fcberwinden und dass es eine reine Pull-Steuerung praktisch gar nicht gibt.<\/p>\n<p><!--more-->Pull-Steuerung in der klassischen Form eignet sich prim\u00e4r f\u00fcr gleichm\u00e4\u00dfige Durchschnittsbedarfe wiederkehrender Artikel mit einer Schwankungs-Varianz bis 1. Man kann Pull-Mechanismen so deformieren, dass sie auch bei Einzel- und Kleinserienfertigung funktionieren, aber dann bringen sie keinen Vorteil mehr gegen\u00fcber der Push-Steuerung.Meldebestandsteuerung vor 100 Jahren bedeutete, dass man im Lager bei der Bestandsh\u00f6he, bei der man neues Material nachbestellen musste, eine Markierung anbrachte. Meldebestandssteuerung heute bedeutet, dass die Bestandsh\u00f6he im Lager \u00fcber die buchm\u00e4\u00dfigen Best\u00e4nde verfolgt wird und die Nachbestellung beim Unterschreiten des Buchbestandes ausgel\u00f6st wird.\u00a0<\/p>\n<p>Um Buchungsaufwand zu sparen, wird heute gerne retrograd gebucht. Material wird dabei von einem Lager erst dann abgebucht, wenn der das Material ben\u00f6tigende Fertigungsauftrag abgearbeitet ist und zur\u00fcckgemeldet wird. Erst mit dem Zubuchen des neuen Materials im Lager wird also das alte Material abgebucht. Die Buchbest\u00e4nde h\u00e4ngen dadurch immer ein St\u00fcck hinter den physischen Best\u00e4nden hinterher: Keine gl\u00fcckliche Ausgangssituation f\u00fcr eine elektronische Meldebestandssteuerung. Retrograde Buchung und Meldebestandssteuerung passen nicht gut zusammen.<\/p>\n<p>Auch eine Kanban-Steuerung stellt nichts anderes dar als eine Meldebestandssteuerung, allerdings eine, die sich am physischen Bestand orientiert. Im Gegensatz zur Meldebestandssteuerung beobachtet man im Kanban-System die anwachsenden leeren Beh\u00e4lter und nicht den abnehmenden Bestand im Lager, um den Nachschub auszul\u00f6sen. Ein manuelles Kanban-System hat mit retrograder Abbuchung der Buchbest\u00e4nde zum Beispiel keine Probleme. Probleme im Kanban-System treten bei vielen Unternehmen dann auf, wenn es um das Berechnen oder Nachberechnen der erforderlichen Karten- oder Beh\u00e4lterzahl im Regelkreis geht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Meldebest\u00e4nde regelm\u00e4\u00dfig angepasst werden, l\u00e4sst man Kanban-Best\u00e4nde gerne m\u00f6glichst lange konstant. Und w\u00e4hrend zumindest qualifizierte Disponenten wissen, dass sich ein Meldebestand aus Grundbedarf und Sicherheitsbestand zusammensetzt, wird der Sicherheitsbestand im Kanban-Regelkreis gerne vergessen oder \u201enach Gef\u00fchl\u201c gesetzt. Dass bei der Auslegung eines Kanban-Regelkreises der erforderliche Lieferbereitschaftsgrad in die Berechnung einflie\u00dfen muss, geh\u00f6rt noch nicht einmal mehr zum Fachwissen vieler Berater.Klassische mehrstufige Meldebestands- und Kanban-Steuerung kommen mit saisonaler Nachfrage und Trends nicht zurecht. In solchen F\u00e4llen gen\u00fcgt es nicht, die Regelkreise und Meldebest\u00e4nde regelm\u00e4\u00dfig nachzudimensionieren.<\/p>\n<p>Man ben\u00f6tigt vielmehr spezielle Mechanismen, wie Parabellum-Steuerung oder Meldebestandssteuerung mit MRP, um sich auf tieferen Dispositionsstufen rechtzeitig auf die anwachsenden oder abnehmenden Bedarfe einzustellen und so das Anwachsen oder Abfallen der Bedarfe der \u00fcbergeordneten Dispositionsstufe bedienen zu k\u00f6nnen. Versteht man nicht damit umzugehen, weil Kenntnisse oder die Funktionalit\u00e4ten im ERP-System fehlen, dann greift man in solchen F\u00e4llen besser auf plangesteuerte Disposition zur\u00fcck.Mehrere Artikel, die bei demselben Lieferanten bestellt oder mit demselben Transporttr\u00e4ger beschafft werden, m\u00fcssen sinnvollerweise im Verbund disponiert werden, um z. B. volle Container zu erreichen, Mindestbestellwerte zu \u00fcberschreiten oder Bestellbudgets einzuhalten.Die Beispiele lie\u00dfen sich noch beliebig fortsetzen, doch d\u00fcrfte bereits klar geworden sein:<\/p>\n<p><strong>Best-Practice-Baustein 12: <\/strong><em>Eine leistungsf\u00e4hige Disposition setzt ein breites Repertoire an Dispositionsverfahren in Abh\u00e4ngigkeit verschiedener Randbedingungen und Artikeleigenschaften ein und schert niemals alle Artikel dispositiv \u00fcber einen Kamm.<\/em><\/p>\n<p>In der differenzierten Anwendung unterschiedlicher Dispositionsverfahren f\u00fcr unterschiedliche Artikel zeigt sich jedoch nur die Spitze des Eisberges einer leistungsf\u00e4higen und prozessstabilen Disposition, denn zwischen Artikeln und all ihren Stammdaten und Parametern besteht kein statischer, einmal einzustellender Zusammenhang. Vielmehr gilt:<\/p>\n<p><strong>Grundprinzip 13:<\/strong><em> Die Planungs-, Prognose- und Dispositionsverfahren und Stammdaten eines Artikels m\u00fcssen laufend an die sich ver\u00e4ndernden Erfordernisse angepasst werden.<\/em><\/p>\n<p>Auch wenn es in der Praxis selten geschieht: Es herrscht Konsens dar\u00fcber, dass zentrale logistische Stammdaten, z. B. Losgr\u00f6\u00dfen oder Wiederbeschaffungszeiten, regelm\u00e4\u00dfig an sich ver\u00e4ndernde Situationen angepasst werden m\u00fcssen. Dass das laufende Nachregeln auch f\u00fcr die sonstigen logistischen Parameter jedes Artikels gilt, ist schon deutlich weniger bekannt. Ein Artikel, der fr\u00fcher mit starken Nachfrageschwankungen zu k\u00e4mpfen hatte, l\u00e4uft heute m\u00f6glicherweise recht gleichm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend fr\u00fcher wenige Kunden diesen Artikel oder das Endprodukt, in den dieser Artikel eingeht, nachfragten, wird er heute vielleicht von einer gro\u00dfen Kundenzahl geordert. Bei solchen Ver\u00e4nderungen muss f\u00fcr den Artikel m\u00f6glicherweise ein anderes Dispositionsverfahren eingestellt werden. Das laufende Nachf\u00fchren von Dispositionsverfahren, -parametern und Stammdaten stellt keine Ausnahme, sondern ein regelm\u00e4\u00dfiges Erfordernis dar, das in der Praxis h\u00e4ufig ignoriert wird.<\/p>\n<p>Welche Regeln auf welche Artikel wie angewandt werden sollen, h\u00e4ngt dabei nicht von den logistisch relevanten Eigenschaften der Artikel ab. Notwendige, in jedem Fall zu beachtende, aber noch lange nicht hinreichende Kriterien sind die Bedeutung eines Artikels f\u00fcr den Umsatz (ABC), die Schwankungen in der Nachfrage nach einem Artikel (XYZ), die Zahl der Bedarfsverursacher, die hinter einem Artikel stehen (STU) oder der Lebenszyklus, in dem sich ein Artikel befindet (ELA).<\/p>\n<figure id=\"attachment_15030\" aria-describedby=\"caption-attachment-15030\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk-300x184.png\" alt=\"Beim Aufbau eines Regelwerks setzen Sie klassifizierende logistische Kenngr\u00f6\u00dfen in konkrete Vorgaben f\u00fcr Einstellwerte und Dispositionsmethoden um. Erst die Umsetzung des Regelwerks im ERP-System bringt eine Entlastung der Beteiligten und f\u00fchrt zu objektiven Planungsergebnissen.\" width=\"300\" height=\"184\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15030\" class=\"wp-caption-text\">Beispiel eines Entscheidungsbaums f\u00fcr dispositionsrelevante logistische Gr\u00f6\u00dfen von Materialien<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Erkenntnis, dass Artikel zu pflegen sind, f\u00fchrt in vielen Unternehmen nur erstaunlich langsam zu entsprechenden Aktivit\u00e4ten. Die Anweisung an die Disponenten lautet h\u00e4ufig, die Stammdaten ihrer Artikel regelm\u00e4\u00dfiger zu \u00fcberpr\u00fcfen und anzupassen. Jeder mache also, was er f\u00fcr richtig h\u00e4lt \u2013 der eine dies, der andere jenes! Eine eigenartige Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, die dieselben Unternehmen ihrer Produktion nicht zubilligen. F\u00fcr die Fertigungsprozesse ist klar definiert, mit welchen technischen Verfahren, welchen Prozessparametern und in welchen Arbeitsschritten die Teile zu bearbeiten sind. Alles andere w\u00fcrde auch kaum zu reproduzierbaren, verl\u00e4sslichen Fertigungsprozessen f\u00fchren. Um zu einer leistungsf\u00e4higen Best-Practice-Disposition zu gelangen, gilt selbstverst\u00e4ndlich:<\/p>\n<p><strong>Best-Practice-Baustein 13: <\/strong><em>Unter welchen Randbedingungen welche Parameter, Planungs-, Prognose- und Dispositionsverfahren wie gesetzt werden, muss in klaren Gesch\u00e4ftsregeln einheitlich festgelegt und nicht individuellen Auffassungen der einzelnen Disponenten \u00fcberlassen werden. Die Parametereinstellungen werden dabei in Abh\u00e4ngigkeit von logistisch relevanten Artikeleigenschaften definiert.<\/em><\/p>\n<p>Wie gelangen Sie zu einheitlichen Gesch\u00e4ftsregeln? Bitte nicht, indem Sie die gesamte Disposition zusammentrommeln und gemeinsam \u00fcber die richtigen Einstellungsregelwerke diskutieren! Hier gilt es, ein weiteres Grundprinzip zu beachten:<\/p>\n<p><strong>Grundprinzip 14:<\/strong><em> Das Bauchgef\u00fchl der Disponenten ist einer der gr\u00f6\u00dften Bestandstreiber im Unternehmen.<\/em><\/p>\n<p>Unter dem Fachbegriff der \u201eBehavioral Economics\u201c finden sich in den Wirtschaftswissenschaften zahlreiche Abhandlungen \u00fcber den Einfluss von Bauchgef\u00fchl und vermeintlicher Erfahrung auf betriebswirtschaftliche Entscheidungen. Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, Details hier zu diskutieren. Das Fazit der Untersuchungen ist aber auf einen einfachen Nenner zu bringen: Weder professionelle noch private Anleger schlagen den Markt. Erfolge durch \u201egute\u201c, besser formuliert \u201egl\u00fcckliche\u201c Entscheidungen an einer Stelle werden an anderer Stelle wieder zunichte gemacht.<\/p>\n<p>Die Ursachen hierf\u00fcr sind bei der Disposition dieselben wie bei Aktien und anderen Wertpapieren und f\u00fchren dazu, dass die Disponenten ihre eigenen Erfahrungen und ihr Bauchgef\u00fchl \u00fcbersch\u00e4tzen. Dispositive Entscheidungen und damit dispositive Regelwerke wirken dar\u00fcber hinaus weiter in das Geschehen der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette hinein, als es ein Mensch \u00fcberblicken kann, sei er noch so erfahren und intelligent.<\/p>\n<p>Von Hand eingestellte oder auf der vermeintlichen Erfahrung von Disponenten oder Beratern alleine aufgestellte Regelwerke m\u00f6gen zwar zu reproduzierbaren Dispositionsergebnissen f\u00fchren, zementieren aber auch die \u201eUnderperformance\u201c der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette. Schlechte Disposition in klare Regeln gegossen bleibt immer noch schlechte Disposition. F\u00fcr Top-Unternehmen gilt deshalb:<\/p>\n<p><strong>Best-Practice-Baustein 14: <\/strong><em>Die richtigen dispositiven Gesch\u00e4ftsregeln f\u00fcr eine High-End-Disposition sind mittels Simulation auf maximale logistische Performance und minimale Kosten der Wertsch\u00f6pfungskette optimiert und nicht nach Erfahrung und Bauchgef\u00fchl eingestellt.<\/em><\/p>\n<p>Wenn Sie klare Regeln definiert und mittels eines differenzierten Simulation die Regelwerke so eingestellt haben, dass Sie die geforderte logistische Positionierung mit den geringstm\u00f6glichen Kosten erreichen, dann haben Sie einen gro\u00dfen Sprung nach vorne unternommen. Machen Sie jetzt nicht den Fehler, die Einstellungen der Artikel entsprechend dem Regelwerk von Hand regelm\u00e4\u00dfig nachpflegen zu wollen, denn:<\/p>\n<p><strong>Grundprinzip 15:<\/strong><em> Datenpflege ist zeitlich zu aufw\u00e4ndig, um manuell durchgef\u00fchrt werden zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p>Um die Datenqualit\u00e4t \u00e0 jour zu halten, m\u00fcssen die Parametereinstellungen entsprechend der Regelwerke monatlich gepflegt werden. Dies kann aus zwei Gr\u00fcnden nicht von Hand erfolgen:<\/p>\n<p>Erstens w\u00e4re bereits das reine artikelspezifische monatliche Eintragen ver\u00e4nderter Stammdaten entsprechend den Regelwerken zu arbeits- und zeitaufw\u00e4ndig und somit manuell nicht zu bew\u00e4ltigen. Zweiter Grund ist die Klassifizierung von Artikeln: Regelwerke basieren zu gro\u00dfen Teilen auf Klassifizierungseigenschaften von Artikeln. Geh\u00f6rt ein Artikel beispielsweise der Klasse der anlaufenden Artikel an, wird er anders gehandhabt als ein Artikel, der zur Klasse der auslaufenden Artikel geh\u00f6rt. Der Klassifizierung eines Artikels liegen teilweise umfangreiche Berechnungen zugrunde. Das wird schon an den \u201eStandardklassifizierungen \u201eABC\u201c und \u201eXYZ\u201c klar. Diese Berechnungen m\u00fcssen mit jedem Pflegelauf aktualisiert werden, was nicht von Hand geschehen kann.<\/p>\n<p>Software-Systeme, die solche Regelwerke verarbeiten k\u00f6nnen, schlagen dem Anwender die erforderlichen Einstellungs\u00e4nderungen je Artikel vor. Die Vorschl\u00e4ge k\u00f6nnen vom Anwender noch \u00fcberarbeitet und m\u00fcssen von ihm f\u00fcr den Upload in das ERP-System freigegeben werden. Nur \u00fcber diesen halbautomatischen Weg kann sichergestellt werden, dass die faktisch erforderliche \u201eMassen\u201c-Datenpflege auch tats\u00e4chlich regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt wird. Deshalb gilt:<\/p>\n<p><strong>Best-Practice-Baustein 15: <\/strong><em>Regelwerke m\u00fcssen monatlich auf das gesamte Artikelspektrum halbautomatisch angewendet werden. Dazu m\u00fcssen die Artikel vorbereitend entsprechend ihrer logistischen Eigenschaften nach- bzw. umklassifiziert werden.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_15346\" aria-describedby=\"caption-attachment-15346\" style=\"width: 644px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Regelwerk.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Regelwerk-1024x620.jpg\" alt=\"Beispiel eines differenziert ermittelten Regelwerks zur Daten- und Parameterpflege eines SAP-Systems\" width=\"644\" height=\"390\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15346\" class=\"wp-caption-text\">Beispiel eines differenziert ermittelten Regelwerks zur Daten- und Parameterpflege eines SAP-Systems<\/figcaption><\/figure>\n<p>So langsam haben Sie sich durch das Unterholz gek\u00e4mpft und den Wald der Disposition wieder gepflegt. Zuverl\u00e4ssige Dispositionsparameter waren hierzu ein wesentlicher Schritt, aber noch gilt:<\/p>\n<p><strong>Grundprinzip 16:<\/strong><em> Ein ERP-System mit den Informationen von gestern kann keine Entscheidungen f\u00fcr morgen treffen.<\/em><\/p>\n<p>Leider gen\u00fcgt es nicht, artikelspezifisch richtige Logistikgr\u00f6\u00dfen festgelegt und Dispositionsverfahren abgestimmt zu haben. Wenn dem ERP-System die Informationen \u00fcber den aktuellen Zustand in Produktion, Beschaffung und Auslieferung fehlt, wird es Ihnen wenig helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie soll das ERP-System richtige Bestandsentscheidungen treffen, wenn die Bestandsinformationen im System falsch sind oder viel zu sp\u00e4t vorliegen? Wie soll es Fertigungsauftr\u00e4ge richtig terminieren, wenn das erforderliche Eingangsmaterial vom Lieferanten nicht rechtzeitig geliefert wird? Wenn die Beschaffung dieses wichtige und kritische Datum nicht regelm\u00e4\u00dfig abpr\u00fcft und Termin\u00e4nderungen im ERP-System zumindest dann einpflegt, wenn sie ihr bekannt werden?<\/p>\n<p>Bei Fertigungsauftr\u00e4gen mit l\u00e4ngeren Durchlaufzeiten durch die Produktion muss ggf. die Fertigstellung einzelner Arbeitsvorg\u00e4nge zur\u00fcckgemeldet werden, damit im ERP-System ein ausreichend aktueller \u00dcberblick \u00fcber die Kapazit\u00e4tsbelastungen auf den einzelnen Fertigungsanlagen vorliegt.<\/p>\n<p>Wie gravierend sich falsche Lieferzeiten auf die Unterst\u00fctzungseffizienz des ERP-Systems auswirken, haben wir an anderer Stelle schon diskutiert.Diese wenigen Beispiele belegen bereits: Das Pflegen der Dispositionsparameter alleine gen\u00fcgt nicht, um ein brauchbares ERP-System aufzubauen. So wie ein Wagen ohne Benzin nutzlos ist, ist ein ERP-System ohne Datensprit in Form aktueller Bewegungsdaten nutzlos. Zu den Bewegungsdaten geh\u00f6ren hierbei nicht nur Bestandswerte, sondern auch Liefer-, Wiederbeschaffungs- und Durchlaufzeiten, Fertigungsfortschritte und Lieferstatus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Datenqualitaet.png\" alt=\"Datenqualit\u00e4t und Bestimmungsgr\u00f6\u00dfen\" width=\"512\" height=\"262\" \/><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Ein Unternehmen, in dessen ERP-System alle Daten aktuell und akkurat gepflegt sind, steht kurz vor der Pleite \u2013 zu aufw\u00e4ndig und kostenintensiv ist es, alle Werte auf dem Laufenden zu halten. Selbst in Einwohnermelde\u00e4mtern, die mit gro\u00dfen Abteilungen \u201eB\u00fcrger-Datamanagement\u201c betreiben, liegt die Datenqualit\u00e4t unter 100 %! Die Kunst des Datenqualit\u00e4ts-Managements im ERP-System besteht darin, zu wissen, unter welchen Randbedingungen an welcher Stelle in den Planungsschritten welche Genauigkeit erforderlich ist und wie stark sich Abweichungen in Aktualit\u00e4t, Qualit\u00e4t und Vollst\u00e4ndigkeit der Daten auf die Planungsqualit\u00e4t des ERP-Systems auswirken.Als wesentlichen Best-Practice-Baustein m\u00fcssen wir deshalb festhalten:<\/p>\n<p><strong>Best-Practice-Baustein 16: <\/strong><em>Zustandsinformationen \u00fcber Beschaffungs-, Fertigungsverl\u00e4ufe und Kapazit\u00e4tsbelastungen m\u00fcssen ausreichend zeitnah, vollst\u00e4ndig und fehlerfrei in das ERP-System zur\u00fcckgemeldet werden, damit das System verl\u00e4ssliche Entscheidungen treffen kann. Regelm\u00e4\u00dfige Audits m\u00fcssen pr\u00fcfen, ob R\u00fcckmeldungen ausreichend aktuell, vollst\u00e4ndig und fehlerfrei erfolgen.<\/em><\/p>\n<p>Ein gut gepflegtes und richtig eingestelltes ERP-System legt das Fundament, um auf dem Best-Practice-Weg weiter voranzuschreiten und an der Beseitigung einer weiteren Unzul\u00e4nglichkeit in vielen Unternehmen zu arbeiten:<\/p>\n<p><strong>Grundprinzip 17:<\/strong><em> In vielen Unternehmen werden ERP-System nur als teure Schreibmaschinen genutzt.<\/em><\/p>\n<p>Stellen Sie sich einmal vor, in der Produktion macht jeder was er will. Arbeitspl\u00e4ne gibt es zwar, aber daran muss man sich ja nicht unbedingt halten, wenn man es besser wei\u00df. Statt nach klaren Vorgaben und Qualit\u00e4tskriterien zu arbeiten, macht ein Jeder es so, wie er es f\u00fcr richtig h\u00e4lt und f\u00fcr qualitativ ausreichend. Sie meinen, das gibt es in modernen Unternehmen nicht? In der Produktion sicher nicht, wohl aber bei der Handhabung der Planungs- und Dispositionsprozesse. Schlimmer noch, der Anteil von Unternehmen, die auf diese Weise arbeiten, nimmt eher noch zu!<\/p>\n<p>Wesentlichen Anteil daran hat paradoxerweise die verbesserte Benutzerfreundlichkeit und Transparenz vieler ERP-Systeme sowie die Entwicklung sogenannter Cockpits, die alle f\u00fcr eine Anwenderentscheidung erforderlichen Informationen \u00fcbersichtlich und h\u00e4ufig auch graphisch unterst\u00fctzt darstellt. Die vermeintliche Informationstransparenz wirkt h\u00e4ufig als Bauchgef\u00fchlverst\u00e4rker des Anwenders und aus dem tr\u00fcgerischen Gef\u00fchl falscher Sicherheit heraus wird jetzt erst richtig fehlentschieden. Dieser regelm\u00e4\u00dfig zu erkennende Effekt spricht nicht gegen die verbesserte Benutzerfreundlichkeit solcher Hilfsmittel. Er zeigt aber, dass Disziplin in der Anwendung gefordert ist. Auch wenn diese h\u00e4ufig nicht eingefordert wird, weil man sich ihrer Notwendigkeit nicht bewusst ist.<\/p>\n<p>Prozessstabile, reproduzierbare und von der schwankenden Erfahrung und Eigen\u00fcbersch\u00e4tzung des Menschen unabh\u00e4ngigere Planungs- und Dispositionsprozesse erreichen Sie nur, wenn Sie Ihre Planungs- und Dispositionsprozesse st\u00e4rker automatisieren und der Mensch nur aus zwei Gr\u00fcnden eingreift: Erstens, um Fehlentscheidungen des Systems zu korrigieren, die daraus resultieren, dass dem System bestimmte entscheidungsrelevante Informationen nicht bekannt sein konnten. Zweitens, um das \u201eTuning\u201c des Systems (die Regelwerke) nachzujustieren, wenn das System eine \u201efalsche\u201c Entscheidung getroffen hat, die es bei richtiger Parametereinstellung h\u00e4tte richtig treffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00dcber diese Prinzipien lassen sich nat\u00fcrlich nicht die Pr\u00e4zision und Reproduzierbarkeit des CNC-Programmes einer Werkzeugmaschine erreichen. Ziel muss es aber sein, dass 80 % der Systemvorschl\u00e4ge \u201edurchgewinkt\u201c werden k\u00f6nnen. Dies l\u00e4sst sich bei konsequenter Ber\u00fccksichtigung der vorausgehend diskutierten Best-Practice-Regeln auch erreichen. Bei den restlichen 20 % zu korrigierender Systemvorschl\u00e4ge \u2013 und nur dort \u2013 wirkt sich der \u201eCockpit-Effekt\u201c eher positiv aus. Es bleibt jedoch immer die Gefahr, falsche Vorschl\u00e4ge durch falsches Bauchgef\u00fchl zu ersetzen.<\/p>\n<p>Eine Best-of-Class Disposition muss deshalb auch systemseitig Unterst\u00fctzung f\u00fcr dispositive Sonderf\u00e4lle, wie Auslauf- und Einlaufplanung, Ersatzteilmanagement oder gemeinsam Verbunddisposition mehrerer Artikel bieten.<\/p>\n<p><strong>Best-Practice-Baustein 17: <\/strong><em>Planungs- und Dispositionsprozesse m\u00fcssen m\u00f6glichst prozessstabil und deshalb stark regelbasiert automatisiert werden und auch f\u00fcr dispositive Sonderf\u00e4lle muss systemtechnische Unterst\u00fctzung verf\u00fcgbar sein.<\/em><\/p>\n<p>Das ERP-System ist richtig eingestellt, Daten werden sauber zur\u00fcckgemeldet, Dispositionsprozesse laufen so weit wie m\u00f6glich automatisch ab \u2013 was steht dem Erfolg noch im Wege? In vielen Unternehmen zuerst und vor allem die schlechten Prognosedaten, auf denen die Disposition aufsetzen muss. Eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg der Disposition stellt n\u00e4mlich die Absatz- und Bedarfsprognose dar, denn es gilt:<\/p>\n<p><strong>Grundprinzip 18:<\/strong><em> Vage Vermutungen \u00fcber zuk\u00fcnftige Bedarfe sind t\u00f6dliches Gift f\u00fcr jede Disposition.<\/em><\/p>\n<p>Selten kann es sich die Disposition erlauben, auf konkreten Kundenbedarfen aufzusetzen. F\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Artikel werden Sie auf Vermutungen \u00fcber die zuk\u00fcnftige Bedarfsentwicklung angewiesen sein. Bei schlechter Bedarfsprognose wirkungsvoll zu steuern gleicht dem Versuch, ein leistungsf\u00e4higes Schiff erfolgreich zu segeln, ohne zu wissen, woher der Wind weht.Die Best-Practice-Regeln, die zu einer leistungsf\u00e4higen Absatz- und Bedarfsprognose erforderlich sind, haben wir an anderer Stelle bereits diskutiert (siehe Best-Practice-Regeln f\u00fcr die Absatzprognose). Hier wollen wir nur festhalten:<\/p>\n<p><strong>Best-Practice-Baustein 18:<\/strong> <em>Eine Best-Practice-Disposition baut auf einer Best-Practice-Prognose und einer leistungsf\u00e4higen Planverteilungsrechnung auf.<\/em><\/p>\n<p>Wenn Sie die beschriebenen Best-Practice Kriterien erf\u00fcllen, dann arbeitet Ihre Disposition wirklich auf Weltklasseniveau. Hinsichtlich der Fertigungssteuerung gilt es jedoch noch einige Lichter zu entz\u00fcnden, um nach Best-in-Class Kriterien die Fertigung zu regeln.<\/p>\n<h3>Eine neue Dispositionswelt<\/h3>\n<p>Unternehmen, die die beschriebenen Best-Practice Bausteine realisiert haben, leben in einer neuen Dispositionswelt:Dispositionsentscheidungen werden schneller und zuverl\u00e4ssiger getroffen und sind deutlich weniger von der Erfahrung und dem Bauchgef\u00fchl des einzelnen Anwenders abh\u00e4ngig. Personalfluktuation in der Disposition ist weniger kritisch. Das ERP-System leistet nun endlich das was es soll: Es wickelt die Masse der Routineaufgaben ab und l\u00e4sst den Disponenten die Zeit, sich um die wirklich kniffeligen Fragenstellungen zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Der Planungs- und Steuerungsprozess wird transparenter und effizienter, Stress, Hektik und Reibungsverluste zwischen den Unternehmensbereichen nehmen ab. Die neue Welt bietet jedoch nicht nur ein ruhigeres Arbeitsumfeld, sondern knallharte betriebswirtschaftliche Vorteile: Eine stabilere Lieferbereitschaft am Markt f\u00fchrt zu zufriedeneren Kunden und legt das Fundament f\u00fcr Umsatzsteigerungen und h\u00f6here Marktanteile. Sie f\u00fchrt au\u00dferdem dazu, dass in der Fertigung weniger umgesteuert werden muss, was sich g\u00fcnstig auf die Produktionskosten auswirkt und wodurch die Gesamtkosten der Wertsch\u00f6pfungskette sinken.<\/p>\n<h3>Hohe Potenziale<\/h3>\n<p>Erfahrungswerte aus zahlreichen Projekten zeigen uns, dass eine<strong> Bestandsreduzierung von 15 % bis 25 %<\/strong>, verbunden mit einer stabileren und besseren Lieferbereitschaft zu erreichen ist, wenn die Regelwerke ausreichend differenziert optimiert worden sind. Dar\u00fcber hinaus verringert die weitere Automatisierung der Dispositionsprozesse den erforderlichen P<strong>ersonalaufwand um 25 % bis 45 %<\/strong>.Eine neue Welt, die sich ohne Risiken erreichen und ihre Wohltaten jedem angedeihen l\u00e4sst, der sich konsequent auf den Weg macht!<\/p>\n<p><strong>Das k\u00f6nnte Sie auch Interessieren:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/2011-06\/best_practice_dispo\/\">Teil 1 des Beitrages<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/2011\/09\/34-2\/\">Teil 2 des Beitrages<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/fallstudien\/fachartikel\/absatzprognose\/\">Best-Practice-Regeln f\u00fcr eine leistungsf\u00e4hige Absatzprognose<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 3 der Best-Practice-Regeln f\u00fcr eine leistungsf\u00e4hige Disposition In den ersten beiden Teilen des Best-Practice-Artikels haben Sie erfahren, mit welchen elf Bausteinen und Regeln Sie Lieferbereitschaft und Sicherheitsbest\u00e4nde festlegen k\u00f6nnen. Sie wissen nun, dass Sie Sicherheitsbest\u00e4nde aufbauen m\u00fcssen, bevor Sie sie brauchen und daher regelm\u00e4\u00dfig ermitteln m\u00fcssen. 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