{"id":3379,"date":"2010-03-16T10:00:45","date_gmt":"2010-03-16T08:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/ak-online.de\/?p=3379"},"modified":"2023-12-04T15:53:29","modified_gmt":"2023-12-04T14:53:29","slug":"das-reservoir-vernachlaessigter-einsparungspotenziale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/das-reservoir-vernachlaessigter-einsparungspotenziale\/","title":{"rendered":"Das Reservoir vernachl\u00e4ssigter Einsparungspotenziale"},"content":{"rendered":"<h2>Materialeffizienz steigern und so durchschnittlich 9,6% Materialkosten sparen<\/h2>\n<h6>Von <a href=\"mailto:akemmner@ak-online.de\">Dr. G\u00f6tz-Andreas Kemmner<\/a> und <a href=\"mailto:akluettgen@ak-online.de\">Armin Kl\u00fcttgen<\/a><\/h6>\n<p><strong>In Bestandsoptimierungsprojekten m\u00fcssen Fragen der Materialeffizienz oft au\u00dfen vor bleiben, da sie deutlich weitere Kreise ziehen, als das Projekt vorsieht. Dennoch ist es wichtig, sich auch der Materialeffizienz zu widmen, denn so kann man das Richtige noch besser tun.<\/strong><\/p>\n<p>Die Potenziale von Materialeffizienzma\u00dfnahmen sind zwar branchenabh\u00e4ngig sehr unterschiedlich, \u00fcber alle Branchen hinweg betr\u00e4gt das Potenzial zur j\u00e4hrlichen Materialeinsparung jedoch im Schnitt 9,6%. Je nach Branche kann das j\u00e4hrliche Materialeinsparpotenzial sogar bis zu 20% des Bruttoproduktionswertes betragen, wie eine Studie aus 20051 ermittelte! Die Branchen mit den gr\u00f6\u00dften Potenzialen sind demnach die chemische Industrie (20,1%), das Baugewerbe (13,3%), die Herstellung von Kunststoffwaren (11,9%) und Ger\u00e4ten der Elektrizit\u00e4tserzeugung (8,6%). Aber auch die Herstellung von Metallerzeugnissen, die Be- und Verarbeitung von Holz, die Medizintechnik, die Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie die Optik weisen Potenziale zwischen 6,4 und 6,9% auf. Die Studie basiert auf 284 Potenzialanalysen in KMU. Im Mittel ergaben sich Einsparpotenziale von 220.000 Euro pro Jahr, 3.300 Euro pro Mitarbeiter bzw. 2,5% bezogen auf den Jahresumsatz. Die Amortisationsdauer der Investitionen zur Bergung dieser Potenziale lag in der Mehrzahl der F\u00e4lle unter 6 Monaten. Folgeeffekte der Effizienzma\u00dfnahmen, wie beispielsweise Skaleneffekte im Vertrieb aufgrund von m\u00f6glichen Preissenkungen, sind hier noch nicht einkalkuliert.<\/p>\n<p>Obwohl diese Studien bekannt sein sollten, verwundert es, dass ca. die H\u00e4lfte aller deu tschen Unternehmen im produzierenden Gewerbe noch keine Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Materialeffizienz durchgef\u00fchrt hat, wie eine Umfrage aus dem Jahr 20082 belegt. Dies ist umso mehr verwunderlich, da die Materialkosten im produzierenden Gewerbe mit einem Anteil von etwa 46% an den Gesamtkosten den gr\u00f6\u00dften Kostenblock \u00fcberhaupt darstellen. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind vielschichtig: Mangelnde personelle Kapazit\u00e4t sowie der mit dem Projekt verbundene Investitionsbedarf stehen ganz oben auf der Liste der Hinderungsgr\u00fcnde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15164\" aria-describedby=\"caption-attachment-15164\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268132662015.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15164 size-full\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268132662015.jpg\" alt=\"&quot;Die Materialeffizenz gewinnt aufgrund von steigender Ressourcenallokation und erh\u00f6hten Klimaschutzauflagen zunehmend an Bedeutung.&quot; Die &quot;Materialeffizienz&quot; beschreibt das Verh\u00e4ltnis zwischen den Materialmengen in hergestellten Produkten und den Mengen, die zur Herstellung dieser Produkte eingesetzt wurden. Zu Zeiten knapper und teurer werdender Rohstoffe ist der Wirkungsgrad der Materialnutzung ein wichtiger Hebel zur St\u00e4rkung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit; ein Hebel dessen Bedeutung weiter zunehmen wird.\" width=\"565\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268132662015.jpg 565w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268132662015-300x119.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 565px) 100vw, 565px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15164\" class=\"wp-caption-text\">&#8220;Die Materialeffizenz gewinnt aufgrund von steigender Ressourcenallokation und erh\u00f6hten Klimaschutzauflagen zunehmend an Bedeutung.&#8221; Die &#8220;Materialeffizienz&#8221; beschreibt das Verh\u00e4ltnis zwischen den Materialmengen in hergestellten Produkten und den Mengen, die zur Herstellung dieser Produkte eingesetzt wurden. Zu Zeiten knapper und teurer werdender Rohstoffe ist der Wirkungsgrad der Materialnutzung ein wichtiger Hebel zur St\u00e4rkung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit; ein Hebel dessen Bedeutung weiter zunehmen wird.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Personelle Engp\u00e4sse k\u00f6nnen jedoch durch die Inanspruchnahme externer Berater aufgel\u00f6st werden. Zus\u00e4tzliche Attraktivit\u00e4t gewinnt ein Projekt zur Materialeffizienzsteigerung aber auch dadurch, dass es derzeit ein F\u00f6rderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums gibt, das bis Ende 2010 auch f\u00fcr Unternehmen bis 1000 Mitarbeiter ge\u00f6ffnet ist. In Abh\u00e4ngigkeit vom Gesamtvolumen der Finanzierung werden solche Projekte mit bis zu 67% \u00fcber nicht r\u00fcckzahlbare Zusch\u00fcsse gef\u00f6rdert. Damit w\u00fcrden sich solche Projekte im Schnitt in deutlich weniger als sechs Monaten amortisieren und danach jedes Quartal durchschnittlich satte 55.000 Euro Mehrertrag einspielen. Zudem ist es (nicht nur f\u00fcr KMU) an der Zeit, sich intensiv mit diesen bisher eher vernachl\u00e4ssigten Potenzialen auseinander zu setzen, denn die Materialpreise werden langfristig wieder steigen. Zu erwarten ist auch, dass Klimaschutzbestimmungen die Materialkosten zus\u00e4tzlich steigen lassen.<\/p>\n<p><strong>Materialeffizienz gesamtwirtschaftlich betrachtet<\/strong><\/p>\n<p>Das in der Materialeffizient schlummernde gesamtwirtschaftliche Potenzial ist enorm, wie die absoluten Zahlen zeigen:<\/p>\n<ul>\n<li>Im Jahr 2007 betrugen die gesamten Kosten des verarbeitenden Gewerbes 1.723 Mrd. Euro.<\/li>\n<li>792 Mrd. Euro (46%) entfielen auf den Posten Materialverbrauch.<\/li>\n<li>Im Gegensatz dazu entfielen nur 310 Mrd. Euro (18%) auf Personalkosten.<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_15167\" aria-describedby=\"caption-attachment-15167\" style=\"width: 508px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473441.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-15167 size-full\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473441.jpg\" alt=\"Abbildung 2: Kostenstruktur im deutschen verarbeitenden Gewerbe 2007\" width=\"508\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473441.jpg 508w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473441-300x150.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15167\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Kostenstruktur im deutschen verarbeitenden Gewerbe 2007<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Innovationspotenzial verpasst?<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Arbeitsproduktivit\u00e4t hat in den letzten 50 Jahren eine Steigerung um den Faktor 3,5 erfahren, die Materialproduktivit\u00e4t hinkt mit dem Faktor 2 deutlich hinterher und zeigt damit in gewisser Weise auch verpasstes Innovationspotenzial bei den Produkten auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dies deutet sich auch beim Vergleich der beiden Kostenbl\u00f6cke in unseren Unternehmen, Personal und Material an. W\u00e4hrend man in den letzten Jahren gro\u00dfe Anstrengungen unternahm, die Personalkosten zu senken, sind im gleichen Zeitraum die Materialkosten anteilig am Gesamtkostensatz deutlich gestiegen. So nahmen die Materialkosten von 1995 bis 2007 um ca. 8% zu, w\u00e4hrend gleichzeitig die Kosten f\u00fcr Personal um 7% zur\u00fcckgingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Deshalb gilt es, das Bewusstsein f\u00fcr die gro\u00dfe Chance, die Materialeffizienzprojekte in sich tragen, zu sch\u00e4rfen und Hemmnisse bei der Durchf\u00fchrung von Ma\u00dfnahmen zu hinterfragen und auszur\u00e4umen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15169\" aria-describedby=\"caption-attachment-15169\" style=\"width: 506px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473449.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-15169 size-full\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473449.jpg\" alt=\"Abbildung 3: Entwicklung der Material- und Personalkosten\" width=\"506\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473449.jpg 506w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473449-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 506px) 100vw, 506px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15169\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: Entwicklung der Material- und Personalkosten<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Wie kann die Materialeffizienz gesteigert werden?<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Ansatzpunkte, um bei der Herstellung von G\u00fctern die Materialeffizienz zu steigern, sind vielf\u00e4ltig. Durch entsprechende Gestaltung von Produkten und durch die Optimierung industrieller Prozesse lassen sich Ressourcen einsparen. Zudem lassen sich Rohstoffe, die als kritisch oder problematisch einzustufen sind, durch weniger problematische ersetzen. Zur Steigerung der Materialeffizienz sind daher alle Ma\u00dfnahmen geeignet, die den Einsatz von Material (inklusive der eingesetzten Hilfs- und Betriebsstoffe) im Produktionsprozess reduzieren. Dies kann beispielsweise durch Verbesserungen in der Konstruktion von Produkten, durch Verringerung von Ausschuss (Qualit\u00e4tsschrotte) oder die Optimierung von Verschnitt (Planschrotte) erreicht werden. Die wesentlichen Ansatzpunkte zur Steigerung der Materialeffizienz kann man dabei in folgende Teilbereiche untergliedern:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">Produktkonstruktion und -dimensionierung\n<ul>\n<li>Materialauswahl (Auswahl oder Substitution von eingesetzten Materialien sowie von Reinigungsmitteln und Hilfsstoffen)<\/li>\n<li>Bestimmung von Geometrien<\/li>\n<li>Variantenmanagement (Reduzierung interner Komplexit\u00e4t unter Beibehaltung der externen Komplexit\u00e4t)<\/li>\n<li>\u2026<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Produktionsprozess\n<ul>\n<li>Verfahrenstechniken in der Bearbeitung<\/li>\n<li>Prozessparameter<\/li>\n<li>Verschnittoptimierung<\/li>\n<li>Wiederverwendung von Schrotten \/ Verwendung von Abf\u00e4llen<\/li>\n<li>Zeitpunkt und Art der Reinigung von Zwischenprodukten<\/li>\n<li>Arbeitsanleitungen Zeitpunkt und Methode der Fehleridentifizierung in den Prozessen<\/li>\n<li>\u2026<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Umfeld der Produktion\n<ul>\n<li>Disposition und Lagerhaltung<\/li>\n<li>Verpackung und Transport<\/li>\n<li>Reinigungsmittel sowie Wasserverbrauch und -aufbereitung<\/li>\n<li>\u2026<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Planung\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">gesamter Prozess in der Supply Chain<\/li>\n<li>Absatz- bzw. Bedarfs- sowie Bestandsplanung<\/li>\n<li>Produktionsplanung<\/li>\n<li>Beschaffungsplanung<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">\u2026<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_15171\" aria-describedby=\"caption-attachment-15171\" style=\"width: 505px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473456.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15171 size-full\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473456.jpg\" alt=\"Abbildung 4: Materialeffizienz im Mittelpunkt der Bem\u00fchungen\" width=\"505\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473456.jpg 505w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/1268725473456-300x149.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 505px) 100vw, 505px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15171\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 4: Materialeffizienz im Mittelpunkt der Bem\u00fchungen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gerade bei der Entwicklung von neuen Produkten ist das Potenzial zur Verbesserung der Materialeffizienz sehr hoch. Hier ist nat\u00fcrlich gefordert, wie es die Automobilindustrie schon l\u00e4nger praktiziert, grunds\u00e4tzlich Material einzusparen (z.B. Leichtbau), ohne die Anforderungen an das Gesamtprodukt einzuschr\u00e4nken. Dar\u00fcber hinaus sollen Produkte reparaturfreundlich und am Ende gut recyclebar sein.<\/p>\n<p>Nicht zu vernachl\u00e4ssigen ist auch in dieser fr\u00fchen Phase des Produktlebenszyklus die Reduzierung der internen bei Aufrechterhaltung der externen Komplexit\u00e4t. Die Kunden sollen unter einer gro\u00dfen Vielfalt von Produkten ausw\u00e4hlen k\u00f6nnen. Ziel muss es aber sein, intern die Vielfalt durch einen hohen Anteil an Mehrfachverwendungsteilen so gering wie m\u00f6glich zu gestalten, da eine hohe Variantenvielfalt die Anzahl und Menge der ben\u00f6tigten Rohstoffe, Fertigungs- und Montageteile und Baugruppen beeinflusst und zudem auch Auswirkungen auf die Effizienz der eingesetzten Produktionsmaschinen hat. Durch Reduzierung der Variantenvielfalt im Innern des Unternehmens wird zudem die Planbarkeit der Produkte verbessert und das Risiko von Ausschuss und Verschrottung wegen wegfallender Bedarfe oder Fehlplanungen minimiert. Ganz nebenbei reduziert sich auch der erforderliche Aufwand f\u00fcr Stammdatenerstellung, Disposition, Transport und Handling.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend diese Aspekte u.a. in der Methode des <em>Design-to-Cost oder in sp\u00e4teren Standardisierungsprojekten<\/em> ihren Niederschlag finden, setzt die Methode des <em>Zero-Loss-Management<\/em> besonders wirksam in den Lebenszyklusphasen des Wachstums, der Reife und der S\u00e4ttigung an. Neben der Betrachtung der gesamten Supply Chain finden hier insbesondere die Produktionsprozesse sowie die Gestaltung der Materialstr\u00f6me Beachtung. Beim Zero-Loss-Management werden alle Kostenelemente, die nicht in Form der Endprodukte beim Kunden eingesetzt und somit vom Kunden auch nicht als Produkt bezahlt werden, als Verlust (\u201eLoss\u201c) bezeichnet. M\u00f6glichst alle Verluste zu vermeiden, ist Ziel der Optimierung. Zum Fokus eines Materialeffizienzprojektes geh\u00f6ren daher \u201eLosses\u201c, wie Rohmaterialabfall oder -zur\u00fcckweisungen, Verluste bei Zwischenprodukten, Fertigerzeugnissen und Verpackungsmaterialien sowie Verbrauchsmaterialien, wie beispielsweise Wasser. Beispiele aus der Praxis daf\u00fcr sind:<\/p>\n<ul>\n<li>In der Pharma-Industrie die Erh\u00f6hung der Zielproduktausbeute durch Optimierung der Prozessparameter, insbesondere der Abweichung vom st\u00f6chiometrischem Einsatzverh\u00e4ltnis der Ausgangsstoffe, um eine h\u00f6here Gesamtausbeute zu erzielen. Dabei ist eine Kostenverringerung um bis zu 12% durchaus m\u00f6glich.<\/li>\n<li>Einsparung bei den Gesamtproduktionskosten um 3,5% durch Vermeidung von Produkt- und Verpackungsverlusten bei einem Hersteller von Tiefk\u00fchlkost<\/li>\n<li>Anpassung von Mess- und Regeltechnik, damit Produktionsparameter enger eingestellt und Qualit\u00e4tsverluste reduziert werden k\u00f6nnen -&gt; Reduzierung der Materialverlustkosten um 14%<\/li>\n<li>Reduzierung der j\u00e4hrlichen Verschrottungen bei einem mittelst\u00e4ndischen Handelsunternehmen um 450.000\u20ac pro Jahr<\/li>\n<\/ul>\n<p>Neben dem oftmals vorhandenen Problem der Verschnittoptimierung bietet das verst\u00e4rkte Recycling von Werkstoffen zudem ein gro\u00dfes Potenzial zur Materialeffizienzsteigerung. Im Bereich der Schmierstoffe beispielsweise kann ein gro\u00dfer Teil des anfallenden Alt\u00f6ls durch fortschrittliche Recycling-Methoden immer besser wiederverwertet werden.<\/p>\n<h3>Konzeption von Materialeffizienzprojekten<\/h3>\n<p>Wo auch immer Sie Hauptansatzpunkte wittern: Wichtig ist, dass in Materialeffizienzprojekten alle oben genannten Bereiche in einen umfassenden und ganzheitlichen Gestaltungsansatz eingebettet werden. Einzelaktionen bringen hier wenig, denn sie sind nicht nachhaltig.<\/p>\n<p>Im Rahmen einer Potenzialanalyse gilt es daher im ersten Schritt, eine vollst\u00e4ndige Materialbilanz des Unternehmens und seiner Prozesse zu erstellen. Die Materialbilanz stellt in einem produktiven System die Mengen an Materialeinsatz den Mengen an Materialausbringung gegen\u00fcber. Der gesamte Stofffluss wird nach Art und Menge identifiziert, Verluste werden offen gelegt. Die zentrale Frage lautet: Wo werden bei der Konstruktion von Produkten, den Produktionsprozessen, dem Produktionsumfeld und der durchg\u00e4ngigen Planung der Supply Chain Materialeffizienzen aufgefressen oder Potenziale zur Materialeffizienzsteigerung nicht genutzt? Die identifizierten Materialeffizienz-Defizite werden dann im n\u00e4chsten Schritt mit dem Entwurf einer Gesamtkonzeption nicht nur attackiert, sondern sollen nachhaltig aufgel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Hier ist die wirkungsvolle Verkn\u00fcpfung aller Ma\u00dfnahmen von der Materialbeschaffung bis hin zum Vertrieb der hergestellten Produkte gefordert. Die durchg\u00e4ngige Planung der Supply Chain hinsichtlich Bedarf und Bestand sowie die Festlegung der optimalen Bevorratungsstrategien bildet dabei die unerl\u00e4ssliche Basis, um mit geringem Verschrottungsgrad und damit ressourcenschonend und kosteng\u00fcnstig die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu steigern. Fehler in diesen Planungsdom\u00e4nen f\u00fchren unweigerlich zu unn\u00f6tigen Rohstoffverbr\u00e4uchen, falscher Verwendung von Material (und Energie, die allerdings nicht zur Materialeffizienz gez\u00e4hlt wird) in der Produktion sowie zur Herstellung von nicht ben\u00f6tigten Zwischenprodukten und Enderzeugnissen. Dies wiederum m\u00fcndet h\u00e4ufig in Verschrottungs- oder rabattierte Verkaufsaktionen, die die Materialbilanz und damit die Materialeffizienz \u00fcber Geb\u00fchr beanspruchen. Der strategische Stellhebel Materialeffizienzsteigerung kann folglich nur dann effizient umgelegt werden, wenn gleichzeitig die Dispositionsprozesse optimiert werden.<\/p>\n<hr \/>\n<p><sup>1<\/sup> Studie der Arthur D. Little GmbH, des Wuppertal Instituts f\u00fcr Klima, Umwelt und Energie sowie des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr System- und Innovationsforschung.<\/p>\n<p><sup>2<\/sup> Umfrage des BDI aus dem Herbst 2008<\/p>\n<p><sup>3<\/sup> Statistisches Bundesamt (2009), Produzierendes Gewerbe \u2013 Kostenstruktur der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus und der Gewinnung von Erden und Steinen, Fachserie 4 \u2013 Reihe 4.3, Wiesbaden.<\/p>\n<p><sup>4<\/sup> Statistisches Bundesamt (2009), Sachgebiet\/Statistik Code 42251<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Materialeffizienz steigern und so durchschnittlich 9,6% Materialkosten sparen Von Dr. G\u00f6tz-Andreas Kemmner und Armin Kl\u00fcttgen In Bestandsoptimierungsprojekten m\u00fcssen Fragen der Materialeffizienz oft au\u00dfen vor bleiben, da sie deutlich weitere Kreise ziehen, als das Projekt vorsieht. 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