{"id":3000,"date":"2003-12-15T13:01:13","date_gmt":"2003-12-15T11:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/ak-online.de\/?p=3000"},"modified":"2023-12-05T15:58:50","modified_gmt":"2023-12-05T14:58:50","slug":"kartenspielerkunst-in-der-fertigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/kartenspielerkunst-in-der-fertigung\/","title":{"rendered":"Kartenspielerkunst in der Fertigung"},"content":{"rendered":"<h2>Mit Kanban wird der Lagerbestandswert bei Montblanc halbiert<\/h2>\n<h5>von Burkard J. Kiesel, Peter Kluge, Andreas Gillessen, Dr. G\u00f6tz-Andreas-Kemmner<\/h5>\n<p><strong>Mit der Einf\u00fchrung der Kanban-Steuerung f\u00fcr die Produktion der Komponenten sowie das JIT-Prinzip f\u00fcr die Montage der Endger\u00e4te der Schreibger\u00e4tefamilie Boh\u00e8me im M\u00e4rz 2003 legte Montblanc die Basis f\u00fcr eine verbesserte Lieferbereitschaft, verk\u00fcrzte Durchlaufzeiten und reduzierte Lagerbest\u00e4nde. Das gesamte Bestandssenkungspotenzial bel\u00e4uft sich auf 48 % des zu Projektbeginn vorhandenen Bestandswertes. Aufgrund des erfolgreichen Anlaufs dieses Projektes wird ab sofort auch die Schreibger\u00e4tefamilie Meisterst\u00fcck umgestellt. Aus Projektmanagementsicht verlief die &#8220;Live-Schaltung&#8221; von Kanban besonders reibungslos. Im Betrieb \u00fcberzeugt die speziell f\u00fcr Montblanc entwickelte L\u00f6sung durch ihre Einfachheit und Transparenz f\u00fcr jeden Mitarbeiter.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image009.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12334 alignright\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image009-300x201.png\" alt=\"Federaggregate im Styropor-Tray\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image009-300x201.png 300w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image009-600x402.png 600w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image009.png 715w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Nachdem Montblanc mit Unterst\u00fctzung von Abels &amp; Kemmner im vergangenen Jahr den Absatzplanungsprozess von der Budgetplanung \u00fcber den Forecast-Prozess bis hin zur rollierenden monatlichen Bedarfsplanung einem Reengineering unterzogen hatte (siehe m+m Ausgabe 6\/2002, Seite 32-35), stand die Sicherstellung der Lieferbereitschaft des Zentrallagers Hamburg sowie die Reduzierung der Durchlaufzeiten und der Lagerbest\u00e4nde auf dem Projektplan. Aufgrund der hohen Fertigungstiefe, der langen Wiederbeschaffungszeiten und der gro\u00dfen und st\u00e4ndig wachsenden Variantenvielfalt, sollten durch den Aufbau dezentraler organisatorischer Regelkreise effiziente Wertsch\u00f6pfungsketten aufgebaut werden, die das Versorgungsrisiko auf allen Produktionsebenen auf ein Minimum reduzieren. Die eingesetzte MRPII-Logik (siehe Grafik), mit ihrem sehr hohen Koordinationsaufwand, lieferte daf\u00fcr jedoch keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Der bisherigen Vorgehensweise mangelte es an Flexibilit\u00e4t, insbesondere bei kurzfristigen Bedarfsschwankungen einzelner Endprodukte. Um die Lieferbereitschaft am Markt sicherzustellen, waren \u00fcberh\u00f6hte Lagerbest\u00e4nde in der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette bis zum Fertigwarenlager notwendig.<\/p>\n<p>Der wesentliche Hebel zur Verbesserung der Lieferbereitschaft bei gleichzeitiger Reduzierung der Lagerbest\u00e4nde lag bei Montblanc im Aufbau einer JIT-Fertigung und damit in einer Verlagerung der Best\u00e4nde vom variantenreichen Endger\u00e4t auf die variantenbildende Komponentenebene. Die Analyse der Durchlauf- und R\u00fcstzeiten hatte ergeben, dass eine JIT-Fertigung ohne gr\u00f6\u00dfere Kosten m\u00f6glich war. Die Einrichtung einer JIT-Fertigung setzt jedoch die sichere Versorgung der Endmontage mit Komponenten und Zukaufteilen voraus. Daher wurde ein zentrales Kanban-Lager vor der Endmontage aufgebaut sowie weitere Kanban-Lager vor verschiedenen vorgelagerten Produktionsstufen. Derzeit werden nach und nach auch die Lieferanten in das System eingebunden.<\/p>\n<p>Dank der pr\u00e4zisen Auslegung des Kanban-Systems und durch die intensiven und gr\u00fcndlichen Vorarbeiten konnte die &#8220;Live-Schaltung&#8221; auf das Kanban-System ohne gro\u00dfe Probleme erfolgen. Innerhalb von nur drei Tagen waren alle Vorbereitungen f\u00fcr die Umstellung realisiert. Da Kanban-Systeme selbststeuernde Systeme sind, die vom Grundsatz her kein zus\u00e4tzliches IT-System f\u00fcr die Produktionssteuerung erfordern, wurde das Kanban-System bei Montblanc so konzipiert, dass die Produktion auch ohne das im Einsatz befindliche SAP-System laufen kann. Gleichzeitig wurden die SAP-Prozesse so umgestaltet, dass sie die Abl\u00e4ufe des Kanban-Systems nicht durch zus\u00e4tzlichen Verwaltungsaufwand behindern. Die Mitarbeiter er\u00f6ffnen lediglich zu Beginn der Produktion einer Losgr\u00f6\u00dfe einen Fertigungsauftrag und melden diesen nach Beendigung auch wieder zur\u00fcck. Es sind keine weiteren SAP-Prozesse notwendig. Alle Bestands- und Umlagerungsbuchungen erfolgen bereits automatisiert im Hintergrund. In den n\u00e4chsten Wochen wird das Kanban-System noch enger mit dem SAP-System verkn\u00fcpft werden. Zu diesem Zweck wird die SAP-eigene Kanban-Steuerung eingef\u00fchrt. Die Auftragser\u00f6ffnung und -schlie\u00dfung erfolgt zuk\u00fcnftig automatisch durch das Scannen der Barcodes auf den Kanban-Karten. Dies alles h\u00f6rt sich sehr leicht an. Es waren jedoch viele Details zu beachten, um das Kanban-System erfolgreich einzuf\u00fchren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14559\" aria-describedby=\"caption-attachment-14559\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2003\/12\/1192023087599.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-14559\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2003\/12\/1192023087599-300x225.jpg\" alt=\"MRP vs. Kanban\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2003\/12\/1192023087599-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2003\/12\/1192023087599.jpg 446w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14559\" class=\"wp-caption-text\">MRP vs. Kanban<\/figcaption><\/figure>\n<h3><span style=\"color: #5962a4;\">Umsetzung und Einf\u00fchrung<\/span><\/h3>\n<p>Die Einf\u00fchrung von Kanban begann mit einer \u00c4nderung der Arbeitsweise und des Verhaltens der beteiligten Mitarbeiter bei Montblanc. Dies bedingte allein schon die Dezentralisierung der Produktionssteuerung zur\u00fcck in die einzelnen Produktionsbereiche. Eine wesentliche Ursache f\u00fcr die Probleme vieler Unternehmen bei der Einf\u00fchrung von Kanban-Systemen liegt darin, dass die Mitarbeiter nicht bereit sind, die Kanban-Regeln einzuhalten. Sie fertigen auf Vorrat, bunkern Komponenten, halten Losgr\u00f6\u00dfen oder Durchlaufzeiten nicht ein. Sind die Mitarbeiter vom System nicht \u00fcberzeugt, halten sie dessen Regeln nicht ein und bringen das System damit zum Scheitern. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Kanban-Einf\u00fchrung bei Montblanc war daher die Integration der Mitarbeiter in die Systemkonzeption. Alle organisatorischen Abl\u00e4ufe wurden gemeinsam mit den Mitarbeitern der jeweiligen Produktionsbereiche erarbeitet. Auf diese Weise konnte das Vertrauen der Mitarbeiter in das Konzept und das Verst\u00e4ndnis bzw. die Identifikation mit den Gesamtabl\u00e4ufen und den Detailabl\u00e4ufen der jeweiligen Produktionsbereiche geschaffen werden.<\/p>\n<p>In der Praxis erleben viele Unternehmen w\u00e4hrend der Einf\u00fchrungsphase aber auch deshalb ein Desaster, weil das System nicht an die Realit\u00e4t der Produktionsabl\u00e4ufe angepasst wurde. Bei Montblanc wurden deshalb vor der eigentlichen Dimensionierung der Regelkreise, alle relevanten Material-, Informations- und Auftragsabwicklungsprozesse aufgenommen und mit den Mitarbeitern der Produktionsbereiche neu auf die Anforderungen der Kanban-Abl\u00e4ufe zugeschnitten. Dabei wurden die Prozesse jeweils unter folgenden Aspekten betrachtet:<\/p>\n<ul>\n<li>Ist ein Flussprinzip \u00fcber die Produktionsbereichsgrenzen m\u00f6glich, ohne ein Kanban-Lager einzurichten?<\/li>\n<li>Wenn ein Kanban-Lager unabdingbar ist, kann es auf einer geringeren Wertsch\u00f6pfungsstufe bzw. vor einer variantenbildenden Produktionsstufe eingerichtet werden?<\/li>\n<li>K\u00f6nnen die Produktions- und die R\u00fcstzeiten sowie die Losgr\u00f6\u00dfen reduziert werden?<\/li>\n<li>Ist die Prozessstabilit\u00e4t ausreichend um die Produktionszeiten zu garantieren und ist die Prozessqualit\u00e4t beherrschbar?<\/li>\n<li>Ist die Kapazit\u00e4tssituation (Mitarbeiter \/ Maschinen) ausreichend bzw. ausreichend flexibel um die Versorgungssicherheit zu gew\u00e4hrleisten?<\/li>\n<li>Sind die Disziplin und die Qualifikation der Mitarbeiter hinreichend f\u00fcr die F\u00fchrung des Kanban-Systems?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle identifizierten gr\u00f6\u00dferen Reorganisationspotenziale wurden dabei bewusst auf den Zeitpunkt nach Einf\u00fchrung der Kanban-Steuerung verlegt. Dies war zum einen sinnvoll, weil erst nach der Kanban-Einf\u00fchrung erste Erfahrungen mit dem neuen System im Echtbetrieb gemacht werden k\u00f6nnen und diese entscheidenden Einfluss auf die Fragestellung haben, wie die Abl\u00e4ufe ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen und sollten. Hierdurch wird dar\u00fcber hinaus auch Doppelarbeit vermieden. Zum anderen sollte die Umstellung auf Kanban nicht durch andere Reorganisationsprojekte verz\u00f6gert werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14561\" aria-describedby=\"caption-attachment-14561\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2003\/12\/1077489424001.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-14561\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2003\/12\/1077489424001-300x200.jpg\" alt=\"Kanban-Karten\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2003\/12\/1077489424001-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2003\/12\/1077489424001.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14561\" class=\"wp-caption-text\">Kanban-Karten<\/figcaption><\/figure>\n<h3><span style=\"color: #5962a4;\">Nicht alles \u00fcber einen Kamm scheren<\/span><\/h3>\n<p>Bei Montblanc stellen die Charakteristika des Artikelspektrums ganz unterschiedliche Anforderungen an die Dimensionierung der Kanban-Regelkreise. Es gibt Fertigungsbereiche die prozessbedingt mit hohen Losgr\u00f6\u00dfen arbeiten und andere Bereiche die durch minimale bis gar keine R\u00fcstzeiten gekennzeichnet sind. Diesen unterschiedlichen Bereichen konnte man nur durch eine entsprechend differenzierte Kanban-Dimensionierung gerecht werden. Die eigentliche Dimensionierung der einzelnen Kanban-Regelkreise und damit die Festlegung der Anzahl der umlaufenden Kanbankarten wurde deshalb auf ein breiteres, mathematisch-analytisches Fundament gestellt. H\u00e4ufig wird bei der Dimensionierung von Kanban-Regelkreisen nur die Wiederbeschaffungszeit pro Kanban, der durchschnittliche Verbrauch des Artikels (vergangenheitsbezogen), die Menge je Kanban-Beh\u00e4lter sowie ein sogenannter Sicherheitsfaktor ber\u00fccksichtigt. Bei dieser Vorgehensweise h\u00e4ngt die Anzahl der umlaufenden Kanban-Karten und damit die Bestandsh\u00f6he im wesentlichen von einem Faktor ab, der nicht mathematisch-analytisch, sondern auf Basis eines &#8220;Bauchgef\u00fchls&#8221; festgelegt wird. Wichtige Bestimmungsgr\u00f6\u00dfen wie<\/p>\n<ul>\n<li>Losgr\u00f6\u00dfe des Lieferanten (Sammelkanban)<\/li>\n<li>Losgr\u00f6\u00dfe \/ Verbrauch des Kunden<\/li>\n<li>Verbrauchsverhalten des Artikels (XYZ-Verhalten) und damit der richtige Sicherheitsbestand<\/li>\n<li>Ausschussfaktoren sowie<\/li>\n<li>die zuk\u00fcnftigen Verbrauche<\/li>\n<\/ul>\n<p>werden dabei meist gar nicht erst ber\u00fccksichtigt. Eine Optimierung der Best\u00e4nde, Durchlaufzeiten und des Lieferservice kann somit jedoch nicht erreicht werden. Dies ist der zweite wesentliche Grund daf\u00fcr, dass sich viele Unternehmen mit der Einf\u00fchrung von Kanban schwer tun und nicht die gew\u00fcnschten Erfolge erzielen.<\/p>\n<p>Eine der gro\u00dfen Schwachstellen bei der Dimensionierung eines Kanban-Regelkreises ist die Kalkulation mit Verbr\u00e4uchen vergangener Perioden. Bei der Dimensionierung f\u00fcr Montblanc wurde hingegen die &#8220;Zukunft&#8221; in Form der rollierenden Absatzplanung f\u00fcr die zugrundeliegenden Verbrauchswerte herangezogen. Damit wurde Kanban bei Montblanc zu einem agierenden und nicht zu einem reagierenden Steuerungssystem.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwachpunkt bestehender Kanban-Systeme ist h\u00e4ufig die fehlende regelm\u00e4\u00dfige Neudimensionierung des Systems. Eine Neudimensionierung muss jedoch in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden bzw. nach Bedarf, sei es aufgrund ver\u00e4nderter Absatzprognosen bzw. ver\u00e4nderter Produktionsparameter, schnell und unkompliziert erfolgen. Bei Montblanc tr\u00e4gt hierf\u00fcr die Disposition die Verantwortung. Sie wird die Neudimensionierung jedes einzelnen Artikels nach Bedarf bzw. in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden durchf\u00fchren. Das Ergebnis der Neudimensionierung ist eine ver\u00e4nderte Anzahl umlaufender Kanban-Karten. Bei einer Erh\u00f6hung der Kartenzahl m\u00fcssen die zus\u00e4tzlichen Karten in das System eingeschleust bzw. bei einer Reduzierung der Kanban-Karten diesem entzogen werden.<\/p>\n<p>Mit der Dimensionierung der Regelkreise wurde gleichzeitig die Kalkulation der gelben und roten Bereiche der Kanban-Tafeln sowie eine Simulation der Kapazit\u00e4tssituation der einzelnen Produktionsbereiche durchgef\u00fchrt. Die Simulation kalkuliert die maximale und die minimale Anzahl notwendiger R\u00fcstvorg\u00e4nge pro Zeiteinheit und gleicht diese mit der bestehenden Kapazit\u00e4tssituation ab. Zus\u00e4tzlich wurde die ben\u00f6tigte Lagerfl\u00e4che f\u00fcr die Kanban-Artikel dimensioniert, indem auch hier im Zeitverlauf die minimal, durchschnittlich und maximal ben\u00f6tigte Lagerfl\u00e4che je Artikel und Kanban-Lager errechnet wurde. Diese Daten bildeten schlie\u00dflich die Grundlage f\u00fcr die Beschaffung ausreichend gro\u00dfer Kanban-Tafeln und Regalsysteme.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #5962a4;\">PPS-Systeme und Kanban<\/span><span style=\"color: #5962a4;\">\u00a0<\/span><\/h3>\n<p>Da Kanban ein selbststeuerndes System ist, ben\u00f6tigt es vom Grundsatz her kein zus\u00e4tzliches PPS-System. Deshalb darf man bei der Implementierung von Kanban nicht darauf hinarbeiten, bestehende PPS-Systeme zwanghaft in das Kanban-System zu integrieren. Es ist vielmehr erforderlich, dass das PPS-System eine logische Schnittstelle zum Kanban-System hat. Das Kanban-System wurde bei Montblanc deshalb so konzipiert, dass die Produktion grunds\u00e4tzlich auch ohne das im Einsatz befindliche SAP-System laufen kann. Dennoch ben\u00f6tigt man f\u00fcr die Auftragsabrechnung, die Beschaffung und die planerische Bestandsf\u00fchrung ein Abbild der Produktionsabl\u00e4ufe in einem PPS- bzw. ERP-System.<\/p>\n<p>Warum sollte man nicht direkt auf die Kanban-Funktionalit\u00e4t vieler ERP-Systeme zur\u00fcckgreifen? Ein wesentliches Merkmal eines Kanban-Systems stellt die Visualisierung aller Abl\u00e4ufe f\u00fcr alle Mitarbeiter dar. Dies wird durch die Abbildung einer Kanban-Tafel rein im ERP-System nicht erm\u00f6glicht. Bei Montblanc beispielsweise l\u00e4uft zuk\u00fcnftig SAP-Kanban parallel zum manuellen Kanban-System, hiervon merken die normalen Anwender jedoch nichts. Sie setzen durch Scannen der Barcodes auf den Kanban-Karten lediglich verschiedene Stati im System. Dadurch wird die Materialbilanz im SAP-System mit den physischen Bestandsver\u00e4nderungen synchronisiert. Gegen eine reine Kanban-Steuerung \u00fcber das SAP-System spricht auch, dass das SAP-System gegenw\u00e4rtig noch gro\u00dfe Schw\u00e4chen in der Kanban-Dimensionierung aufweist und \u00fcber keine L\u00f6sung f\u00fcr die Abwicklung von Sammel-Kanbans verf\u00fcgt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #5962a4;\">Zusammenfassung<\/span><span style=\"color: #5962a4;\">\u00a0<\/span><\/h3>\n<p>Der Erfolg von Kanban liegt in der Selbststeuerung der Produktionsbereiche im Rahmen der definierten Kanban-Regeln sowie der ausschlie\u00dflichen Orientierung an den Bedarfen der Kunden begr\u00fcndet. Die aufgebauten selbststeuernden Regelkreise reduzieren dabei die Komplexit\u00e4t in der gesamten Logistikplanung. Hierdurch wird der permanente Eingriff der zentralen Steuerung in die Prozesse \u00fcberfl\u00fcssig. Es bleibt jedoch eine permanente Aufgabe aller am System beteiligten Mitarbeiter, durch weitere Verbesserungen der Rahmenparameter wie Losgr\u00f6\u00dfe, R\u00fcst- und Produktionszeiten, Ausschussquoten, etc. die Wertsch\u00f6pfungsketten hinsichtlich Durchlaufzeiten, Lieferservice und Best\u00e4nde weiter zu optimieren.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #5962a4;\">\u00dcber Abels &amp; Kemmner<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die Abels &amp; Kemmner GmbH, die in diesem Jahr ihr 10-j\u00e4hriges Bestehen feiert, wurde 1993 von den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaftlern Dr. Helmut Abels und Dr. G\u00f6tz-Andreas Kemmner gegr\u00fcndet. Ein Schwerpunkt des Unternehmens ist die Straffung von Wertsch\u00f6pfungsketten (Supply-Chain-Optimierung) bei Serien- und Variantenfertigern sowie Gro\u00dfhandelsunternehmen. Abels &amp; Kemmner besch\u00e4ftigt sich hierbei mit der Auslegung und Optimierung von Auftragsabwicklung und Logistik von den Lieferanten bis zu den Kunden und von der Artikelsortimentierung bis zur IT-Unterst\u00fctzung. Bereits zweimal gewannen Supply Chain Konzepte, die wir mit unseren Kunden erarbeitet haben, Best Practice Preise. Aufsehen erregte A&amp;K 1997 mit der Gr\u00fcndung des ersten Virtuellen Unternehmens aus sechs mittelst\u00e4ndischen Unternehmen der Automobilzulieferbranche.<\/p>\n<p>Den zweiten Schwerpunkt bilden Restrukturierungs- und Ertragssteigerungsprojekte. Hier erarbeiten die Consultants Fortf\u00fchrungsprognosen sowie Restrukturierungs- und Downsizing-Konzepte und setzen diese in den Unternehmen um. Durch erfolgreiche Sanierungen mittelst\u00e4ndischer Unternehmen machte sich Abels &amp; Kemmner einen Namen im Krisen- und Turnaround-Management. In den letzten Jahren waren die Berater an der Sanierung eines Gro\u00dfteils der gr\u00f6\u00dferen Unternehmensinsolvenzen im <em>Saarland beteiligt.<\/em><\/p>\n<div>\n<hr \/>\n<\/div>\n<h6>Autoren:<\/h6>\n<h6>Burkard J. Kiesel ist Direktor Technik bei der Montblanc-Simplo GmbH<br \/>\nPeter Kluge ist Leiter Fertigungstechnologie und Projektleiter f\u00fcr das Kanban-Projekt<br \/>\nAndreas Gillessen ist Consultant bei Abels &amp; Kemmner<br \/>\nDr. G\u00f6tz-Andreas Kemmner ist gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Inhaber der Abels &amp; Kemmner GmbH<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Kanban wird der Lagerbestandswert bei Montblanc halbiert von Burkard J. 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