{"id":2001,"date":"2002-12-11T14:00:31","date_gmt":"2002-12-11T12:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/ak-online.de\/?p=2001"},"modified":"2023-12-06T09:19:33","modified_gmt":"2023-12-06T08:19:33","slug":"liquiditaetsreserve-bei-emsa-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/liquiditaetsreserve-bei-emsa-entdeckt\/","title":{"rendered":"Liquidit\u00e4tsreserve bei EMSA entdeckt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach Einf\u00fchrung von SAP\/R3 PP und MM Optimierungspotenzial ermittelt<\/strong><\/p>\n<p>von J. Bertels<sup>1<\/sup>, Martin J\u00fcrgens<sup>2<\/sup><\/p>\n<p><strong>Mit der Einf\u00fchrung der Materialmanagement- und Produktionsplanungsmodule MM und PP von SAP\/R3 zu Beginn des Jahres 2002 schaffte sich EMSA die IT-Basis f\u00fcr ein integriertes Produktions-, Lagerhaltungs- und Supply-Chain-Management. Nachdem das System freigeschaltet wurde und stabil l\u00e4uft, hat man sich auf die Suche nach Optimierungspotenzialen gemacht. Hiermit wurde Abels &amp; Kemmner beauftragt. Die Ergebnisse der Analyse liegen jetzt vor.<\/strong><\/p>\n<p>Die EMSA Holding AG produziert an ihren Standorten in Emsdetten\/M\u00fcnsterland und Swansea\/Wales ein breites Artikelsortiment aus den Bereichen Haushalt, Home-Care und Garten. Das Produktspektrum umfasst rund. 1.500 Endprodukte, davon ca. 1.150 Artikel aus dem Haushaltsbereich und ca. 350 Artikel aus dem Bereich Gartenartikel. Von Emsdetten aus werden Kunden im In- und Ausland beliefert. Signifikante Kundengruppen sind der Fachhandel, M\u00f6bel- und Warenh\u00e4user, Superm\u00e4rkte, Baum\u00e4rkte und Gartencenter sowie weitere Handelsunternehmen, die EMSA-Markenprodukte in ihre Aktionsprogramme aufnehmen. Die Lieferanforderungen der Kunden f\u00fchren zu t\u00e4glich ca. 5.500 auszuliefernden Auftragspositionen (550 Auftr\u00e4ge, durchschnittlich 10 Positionen). 50% dieser Positionen haben den Liefertermin &#8220;sofort&#8221;, dies entspricht einer Auslieferung innerhalb von 3 Arbeitstagen. Weitere 25% der Positionen sind binnen einer Woche zu liefern. Die restlichen 25% der Positionen haben einen gesetzten Liefertermin gr\u00f6\u00dfer als eine Woche.<\/p>\n<p>Zielsetzung des just abgeschlossenen Beratungsprojekts war es, die Gesch\u00e4ftsprozesse und die Konfiguration bzw. den Umgang mit den SAP-Modulen MM und PP bei der Auftragsabwicklung am Standort Emsdetten zu analysieren und ein Konzept zu entwerfen, mithilfe dessen ein Lieferbereitschaftsgrad von 98% gegen\u00fcber den Kunden sichergestellt werden kann, ohne dabei jedoch Lagerbest\u00e4nde auszubauen oder gar R\u00fcstzeiten der Produktion durch Reduktion der Losgr\u00f6\u00dfen zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Im Ergebnis zeigte sich, dass EMSA im Bereich der Gartenartikel durch Umverteilung von Best\u00e4nden zwischen AB\/XY Artikeln und C\/Z-Z2-Artikeln zuverl\u00e4ssig einen Lieferbereitschaftsgrad von 98% erreichen kann, ohne Best\u00e4nde erh\u00f6hen zu m\u00fcssen und ohne die bisher notwendige Hektik in der Produktion und die damit verbundenen kostenintensiven Reibungsverluste.<\/p>\n<p>Ein vielversprechendes Einsparpotenzial zeigen die Untersuchungen im Bereich der Haushaltsartikel auf, die gut planbar sind. In diesem Segment wurde herausgefunden, dass der gew\u00fcnschte Lieferbereitschaftsgrad von 98% sogar noch erreicht werden kann, wenn ca. ein Viertel dieses Lagerbestands reduziert wird, der aktuell rund die H\u00e4lfte des gesamten Bestandswerts ausmacht. Es sind also ca. 14 % bezogen auf den gesamten Lagerbestand reduzierbar. Eine klare Liquidit\u00e4tsreserve, die jetzt ausgenutzt werden soll.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr dieses bislang nicht entdeckte Einsparungspotenzial lag darin, dass die Absatzplanung bisher wenig Differenzierung der Artikel durchgef\u00fchrt hatte. Alle Artikel wurden \u00e4hnlich behandelt. Dementsprechend existierten auch keine auf einzelne Artikelgruppen abgestimmte Lager- und Lieferstrategien. Dies f\u00fchrte dazu, dass sich bei einzelnen Artikeln sehr gro\u00dfe Abweichungen in der Planung ergaben, was zu Fehlmengen f\u00fchrte. Wie im Bereich der Gartenartikel kann zuk\u00fcnftig auch hier die unproduktive Hektik vermieden werden, die notwendig war, um bisher die Kundenerfordernisse zuverl\u00e4ssig zu erf\u00fcllen. Im Detail wurden z.B. relevante Steuerungsparameter der Module MM und PP des ERP-Systems SAP R\/3, wie Sicherheitsbest\u00e4nde, Mindestlosgr\u00f6\u00dfen und Wiederbeschaffungszeiten pauschal und &#8220;nach dem Gef\u00fchl&#8221; der Planer bzw. Produktlinienleiter manuell festgelegt. Dies soll sich in Zukunft \u00e4ndern. Zum einen sollen die Mitarbeiter ein auf die spezifischen Belange von EMSA zugeschnittenes Schulungsprojekt durchlaufen. Zum anderen eruiert man derzeit, ein AddOn-Tool wie z.B. DISKOVER einzuf\u00fchren, mithilfe dessen die Mitarbeiter wichtige strategische Analysen sogar bei der t\u00e4glichen Disposition durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Weitere Schritte, die diskutiert werden, betreffen die \u00dcberpr\u00fcfung der Prozesse, der Losgr\u00f6\u00dfen und der Teilefamilienbildung (group technology), um weitere Bestands- und Produktivit\u00e4tspotentiale bei zus\u00e4tzlicher Bestandsreduzierung zu erarbeiten. Optional w\u00e4re hier eine zyklische externe \u00dcberpr\u00fcfung der relevanten Stellglieder. Ganz gleich wie diese Entscheidungen jedoch ausfallen werden: Klar ist, dass das eingef\u00fchrte systematische Lieferbereitschafts- und Bestandsmanagement wesentliche Potenziale erschlie\u00dfbar gemacht hat, die Supply Chain noch besser auf die Kunden ausrichtet und EMSA administrativ sowie planerisch entlastet und somit zur nachhaltigen Steigerung der Ertragskraft beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Die Vorgehensweise<\/strong><\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung des Projektes erfolgte in einem kombinierten Ansatz aus methodischer Artikelstrukturierung und Verfahrensauswahl, sowie einer ersten Prozessanalyse. Nat\u00fcrlich ist dazu zun\u00e4chst eine Vielzahl von Informationen zusammenzutragen.<\/p>\n<p>Nachdem das Projektteam mit allen f\u00fcr das Projekt wichtigen Personen (Funktionstr\u00e4gern) in einem Kick-Off-Meeting auf eine gemeinsame Zielrichtung eingestimmt wurde, folgte zun\u00e4chst die IST-Analyse auf der Basis von Interviews.<\/p>\n<p>Neben der Untersuchung des Artikelsortiments hinsichtlich Produktstruktur, Markt- und Produktabh\u00e4ngigkeiten sowie zu erwartender Ver\u00e4nderungen (An-\/Auslaufprodukte, gravierende Marktver\u00e4nderungen etc.), galt es die Material- und Informationsfl\u00fcsse durch das gesamte Unternehmen vom Kunden bis zum Lieferanten und wieder zur\u00fcck zum Kunden, insbesondere im Hinblick auf Einflussfaktoren auf die Fertigwarenbest\u00e4nde am Standort Emsdetten zu ermitteln. Solche Einflussfaktoren k\u00f6nnen z.B. Kundensonderbest\u00e4nde, durchlaufzeitbestimmende Einfl\u00fcsse, Kapazit\u00e4tsengp\u00e4sse in der Produktion, Qualit\u00e4ts- und Beschaffungsprobleme, verschiede Lagerorte etc. sein.<\/p>\n<p>In der Praxis reichen die Probleme von der Stammdatenqualit\u00e4t (z.B. Artikeldaten insbesondere bei Neuanl\u00e4ufen nicht fr\u00fchzeitig vorhanden, nicht erfasste Rahmenauftr\u00e4ge mit Lieferanten oder zu pauschale Wiederbeschaffungszeiten) \u00fcber unzureichende Auftragsinformationen (z.B.: fehlende Preisvorgaben f\u00fcr Preisaufdruck) und Lieferprobleme der Lieferanten bis hin zur schlechten Formularqualit\u00e4t mit fehlenden Informationen. Oftmals entstehen in den Prozessen aber auch auf Grund sehr branchenspezifischer Anforderungen Probleme oder Mehraufwand. Bei Emsa war dies z.B. die Priorit\u00e4tssteuerung nach kundenspezifischen Lieferquoten.<\/p>\n<p>Die Schwachstellenanalyse der Planungs- und Abwicklungsprozesse entlang der Auftragsabwicklung ist eine Grundvoraussetzung um eine durchg\u00e4ngig abgestimmte Auftragsabwicklungskette gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach der genauen Festlegung der Datenstruktur, incl. der Ermittlung der relevanten SAP-Buchungskennzeichen, erfolgte das Ziehen der Daten aus dem SAP-System. D.h. es waren gezielt sowohl Stammdaten, als auch Bewegungsdaten in gro\u00dfem Umfang f\u00fcr die Analyse mit DISKOVER bereitzustellen. Eine solche gezielte und umfangreiche Daten\u00fcbernahme ist nat\u00fcrlich mit entsprechenden Plausibilit\u00e4tskontrollen zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Zur Verbesserung der Planzahlen und Optimierung des Bestandsmanagements im Fertigwarenlager wurde ein systematischer Ansatz zur Strukturierung des Artikelsortimentes und zur Auswahl und Optimierung der Planungsverfahren und -parameter erarbeitet. Die zwei Artikelsortimente &#8220;Haushalt&#8221; und &#8220;Garten&#8221; wurden jeweils getrennt voneinander untersucht. Analyseergebnisse wurden regelm\u00e4\u00dfig dem EMSA-internen Projektteam vorgestellt und Artikelbesonderheiten sowie m\u00f6gliche Verfahrensvarianten diskutiert. F\u00fcr den nachhaltigen Erfolg ist die direkte Einbindung der Disponenten stets sehr wichtig.<\/p>\n<p><strong>Methodische Strukturierung des Artikelsortiments macht die Masse der Artikel \u00fcbersichtlich und schafft Planungssicherheit.<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde f\u00fcr alle Produkte mittels einer Klassifizierung nach ABC- \/ XYZ-Analyse ihre wirtschaftliche Bedeutung und ihr Verbrauchsverhalten bestimmt. W\u00e4hrend die ABC-Analyse Auskunft dar\u00fcber gibt, wie stark ein Artikel zum wirtschaftlichen Erfolg beigetragen hat, bewertet die XYZ-Analyse, wie regelm\u00e4\u00dfig er in welchen Mengen verbraucht wurde. In diesem Zusammenhang m\u00fcssen auch Einfl\u00fcsse, wie Trends, Saisonalit\u00e4ten, Aktionen, Strukturbr\u00fcche und die artikelspezifischen Lebenszyklusabschnitte (An-\/Auslaufprodukte) ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Im umsatzst\u00e4rkeren Bereich &#8220;Haushalt&#8221; konnten die AX-, BX-, AY- und BY-Artikel (A und B: umsatzstark, X und Y: regelm\u00e4\u00dfiger Verbrauch, gut prognostizierbar) rund 79% des Umsatzes auf sich vereinigen. Das entspricht bezogen auf die Anzahl der Artikel einem Anteil von ca. 32%. Diese gut planbaren Artikel stellen einen Anteil von 55% des gesamten aktuellen Bestandswerts dar, was zu einer hohen Bestandsreichweite von 1,87 Monaten f\u00fchrt. Dieses Bestandsreduzierungspotenzial gilt es zu heben.<\/p>\n<p>Im st\u00e4rker saisongepr\u00e4gten Bereich &#8220;Garten&#8221; (Blumenk\u00e4sten, Pflanzschalen, usw.) machen die AX-, BX-, AY- und BY-Artikel rund 61% des Umsatzes aus. Dahinter verbergen sich ca. 33% der Artikel dieses Bereiches, die 42% des gesamten stichtagsbezogenen Bestandswerts zum Ende der Saison repr\u00e4sentieren. Dies entspricht einer Bestandsreichweite von 1,1 Monaten.<\/p>\n<p>Auf Grund der umfangreichen Datenverf\u00fcgbarkeit konnte die XYZ-Analyse sowohl auf Monats- als auch auf Wochenbasis durchgef\u00fchrt werden. Das hat den Vorteil, dass auch der Verbrauch\/Bedarf innerhalb des Monats als gleichm\u00e4\u00dfig oder sporadisch erkannt werden kann. Demzufolge kann ermittelt werden, ob der durchschnittliche Monatsbedarf bereits zum Monatsanfang vollst\u00e4ndig verf\u00fcgbar sein muss oder dieser gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber den Monat verteilt werden kann. Das interne Projektteam und die Disponenten waren somit in der Lage die zuk\u00fcnftig zu planenden Lagerartikel zu bestimmen und Eindeckzeiten f\u00fcr die anschlie\u00dfende Simulation vorzugeben.<\/p>\n<p><strong>Festlegung geeigneter Dispositionsverfahren<\/strong><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend erfolgte die Festlegung geeigneter Dispositionsverfahren je Artikelklasse und die simulative Berechnung der optimalen Best\u00e4nde bei den unterschiedlichen Lieferbereitschaftsgraden von 98%, 95% und 90%. Das optimale Verfahren ist jenes, welches den vorgegebenen Soll-Lieferbereitschaftsgrad, z.B. 98%, mit den geringsten Best\u00e4nden erreicht. Die Feinjustierung der Disposition einschlie\u00dflich Customizing des SAP-Systems wird in einem zweiten Projektschritt vom EMSA-Projektteam direkt mit den Disponenten erarbeitet und umgesetzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14500\" aria-describedby=\"caption-attachment-14500\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2002\/12\/Wichtige-Dispositionsverfahren-in-SAP-R3.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-14500\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2002\/12\/Wichtige-Dispositionsverfahren-in-SAP-R3-300x225.png\" alt=\"Abb. 1: Wichtige Dispositionsverfahren in SAP\/R3\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2002\/12\/Wichtige-Dispositionsverfahren-in-SAP-R3-300x225.png 300w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2002\/12\/Wichtige-Dispositionsverfahren-in-SAP-R3.png 481w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14500\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Wichtige Dispositionsverfahren in SAP\/R3<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Mit DISKOVER 4.0 die Disposition unter SAP R\/3 optimieren<\/strong><\/p>\n<p>ERP-Systeme sind daf\u00fcr geschaffen worden, komplexe Unternehmensabl\u00e4ufe durch Module miteinander zu vernetzen. Die St\u00e4rken liegen insofern in der Integration. Innerhalb der einzelnen Module gibt es jedoch noch Optimierungsbedarf. So ist beispielsweise die Disposition unter SAP in zwei Punkten unscharf und f\u00fchrt deshalb zu suboptimalen Ergebnissen: Zum einen fehlen in SAP verteilungsfreie Verfahren zur Bestimmung von Grundwert und Sicherheitsbestand, die in vielen Anwendungsf\u00e4llen praxisrelevant sind, zum anderen kann die SAP-eigene Parameteroptimierung im Rahmen der exponentiellen Gl\u00e4ttung unter bestimmte Rahmenbedingungen den gew\u00fcnschten Lieferbereitschaftsgrad nicht sicherstellen. Aus diesem Grund l\u00e4sst sich die Effizienz der Disposition durch den Einsatz des AddOn-Tools DISKOVER 4.0 in Erg\u00e4nzung zu SAP R\/3 deutlich steigern. Ber\u00fccksichtigt man, dass bei jedem Euro Lagerbestandsreduktion zus\u00e4tzlich bis zu 30 Cent Lagerhaltungskosten eingespart werden k\u00f6nnen, amortisiert sich das Tool bereits ab wenigen Mio. Lagerbestandswert und f\u00fchrt gleichzeitig zur Steigerung der Lieferbereitschaft.<\/p>\n<p>Die reale Erf\u00fcllung eines geplanten hohen Lieferbereitschaftsgrads bei der Disposition gewinnt im Zeitalter der Just-in-Time-Philosophien zunehmend an Bedeutung und wird durch die New Economy noch versch\u00e4rft. Onlinek\u00e4ufer fordern Supply-by-Click. Eine Zeitverz\u00f6gerung kann sich zuk\u00fcnftig niemand mehr leisten. Das SAP-eigene Anpassungsmodul zur Parameteroptimierung optimiert jedoch im Rahmen der exponentiellen Gl\u00e4ttung erster Ordnung die Parameter Alpha und Delta (SAP-Standard-Vorgabe: Alpha = 0,2; Delta = 0,1) nur bez\u00fcglich des Lagerbestands (Minimierung des MAD (Medium Absolute Deviation)). Der zu erreichende Soll-Lieferbereitschaftsgrad wird jedoch nicht weiter ber\u00fccksichtigt. Dies f\u00fchrt dazu, dass die Alpha-Delta-Parameterkombination im Sinne der Erreichung des Soll-Lieferbereitschaftsgrades nicht optimal abgestimmt ist. An dieser Stelle setzt DISKOVER (DISposition mit Hilfe von KOnfidenzbereichen unter Ber\u00fccksichtigung der tats\u00e4chlichen LagerabgangsVERteilung) an und optimiert die Parameter unter Ber\u00fccksichtigung der Zielkombination &#8220;Bestandsminimierung bei Erreichung eines vorgegebenen Soll-Lieferbereitschaftsgrades&#8221;. Diese vollzieht sich im Programm in vier Schritten, welche iterativ durchlaufen werden.<\/p>\n<ol>\n<li>Nach \u00dcbernahme der erforderlichen Daten aus der SAP-Disposition werden simulativ je Artikel f\u00fcr alle Alpha-Delta-Kombinationen die mittleren Lagerbest\u00e4nde und erzielten Lieferbereitschaftsgrade berechnet.<\/li>\n<li>Im Anschluss daran werden die Raumfl\u00e4chen f\u00fcr Lagerbest\u00e4nde und Lieferbereitschaftsgrade ermittelt.<\/li>\n<li>Im dritten Schritt wird eine Superposition der Raumfl\u00e4chen durchgef\u00fchrt und die ideale Migrationskurve der Alpha-Delta-Fl\u00e4chen bestimmt. Auf dieser Migrationskurve liegen alle Alpha-Delta-Kombinationen, die die minimalen Lagerbest\u00e4nde f\u00fcr bestimmte Lieferbereitschaftsgrade repr\u00e4sentieren.<\/li>\n<li>Zuletzt wird der Punkt der Migrationskurve bestimmt, bei dem der geforderte Lieferbereitschaftsgrad erreicht wird. Dieser Punkt entspricht der optimalen Alpha-Delta-Kombination f\u00fcr die Disposition, die anschlie\u00dfend an das R\/3-System wieder \u00fcbergeben wird. Dort findet dann die Berechnung des Grundwertes und des Sicherheitsbestandes statt.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Automatische Verfahrensauswahl<\/strong><\/p>\n<p>Weitere hilfreiche Features von DISKOVER sind die Artikelstrukturierung sowie die automatische Verfahrensauswahl. Dabei gestaltet sich der Ablauf in der Praxis wie folgt: Nach der \u00dcbernahme der Daten aus dem SAP-System wird das komplette Artikelsortiment einer Artikelstrukturierung unterworfen. F\u00fcr jeden Artikel wird automatisch ein ABC-Kennzeichen ermittelt, das Aufschluss \u00fcber die Umsatzrelevanz des Artikels gibt. Im n\u00e4chsten Schritt berechnet DISKOVER die XYZ-Kennzeichen, welche Aussagen \u00fcber die Bedarfsschwankungen und somit \u00fcber die Prognostizierbarkeit der Artikel gestatten. Bei bestimmten Artikelgruppen wird zus\u00e4tzlich eine Ausrei\u00dferanalyse durchgef\u00fchrt, um sie im Nachgang einer angepassten Disposition unterziehen zu k\u00f6nnen. Die Ergebnisse dieser Analyse flie\u00dfen sowohl in die XYZ-Analyse als auch in die nachfolgende Verfahrensauswahl ein. In Abh\u00e4ngigkeit der in diesen ersten Schritten gewonnenen Erkenntnisse wird f\u00fcr jeden Artikel automatisch das am besten geeignete Prognoseverfahren ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong>Alle relevanten Dispositionsverfahren ber\u00fccksichtigt<\/strong><\/p>\n<p>Hierbei werden neben den Standard-SAP-Verfahren auch weitere Verfahren, wie z.B. das von Abels &amp; Kemmner entwickelte verteilungsfreie Verfahren zur Bedarfsprognose ber\u00fccksichtigt. Dieses Verfahren ist immer dann vorteilhaft, wenn mit hohen Bedarfschwankungen gerechnet werden muss. Letzte treten zunehmend h\u00e4ufiger auf, denn Produktzyklen werden k\u00fcrzer, das Kaufverhalten hybrider und spotartige Nachfragen von gleichzeitig kleineren Liefermengen mehren sich. Bei einer von der RWTH Aachen durchgef\u00fchrten Studie lag der Anteil der Artikel, die mit verteilungsfreien Verfahren disponiert werden m\u00fcssten bei 25%. Mit Hilfe dieser verteilungsfreien Verfahren l\u00e4sst sich auch bei dieser Artikelgruppe eine weitere Bestandsreduktion bei gleichzeitiger Steigerung der Lieferbereitschaft erzielen.<\/p>\n<p><strong>Einf\u00fchrungsprozedere<\/strong><\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung von DISKOVER erfolgt in zwei Schritten. Im ersten Schritt wird untersucht und festgelegt, wie und unter welchen Rahmenbedingungen die Verfahrens- und Parameteroptimierung durchgef\u00fchrt werden kann. Im zweiten Schritt erfolgt die in Intervallen zu wiederholende automatische Analyse zur Auswahl des optimalen Prognoseverfahrens, die letztlich mit dem Zur\u00fcckspielen der Daten an das SAP-System abgeschlossen wird.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst werden die relevanten Prozessdaten der Auftragsabwicklung und die verf\u00fcgbaren Planungsverfahren ermittelt. Die Datenqualit\u00e4t ist zu pr\u00fcfen, da die Erfahrung gezeigt hat, dass es in diesem Bereich massive Defizite gibt, die im Zuge einer Analyse die Ergebnisse stark verzerren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Besonders wichtig sind umfassende Gespr\u00e4che \u00fcber die Dateninterpretation. Was wird z.B. in einem Feld &#8220;Wunschliefertermin&#8221; tats\u00e4chlich eingetragen? Ist dies das vom System eingetragene Tagesdatum oder der vom Kunden tats\u00e4chlich gew\u00fcnschte Liefertermin? Wie ist der &#8220;best\u00e4tigte Liefertermin&#8221; zu interpretieren? Ist er fix oder wird er, wie bei einem Unternehmen festgestellt, im w\u00f6chentlichen Net-Change angepasst und fortgeschrieben, was nat\u00fcrlich einen traumhaften Ist-Lieferbereitschaftsgrad unter Ber\u00fccksichtigung von best\u00e4tigten Lieferterminen beschert?<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist zu pr\u00fcfen, wie weit die verf\u00fcgbaren historischen Bewegungsdaten zur\u00fcckreichen und in welcher Form sie bereitgestellt werden k\u00f6nnen, z.B. auf Belegebene oder auf eine Zeitbasis, z.B. Monate, kumuliert. Abschlie\u00dfend muss der Datentransfer definiert werden. Dies beinhaltet, welche Datei- und Datensatzformate verwendet werden und in welchen Intervallen der Transfer stattfindet. Sind diese Vorarbeiten abgeschlossen, kann der Datenaustausch zwischen dem SAP-System und DISKOVER zu den vorgegebenen Intervallen gestartet werden. Je nach Bewegungsdaten empfiehlt sich hier eine t\u00e4gliche, w\u00f6chentliche oder mindestens monatliche Neuberechnung der Dispositionsparameter.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><sup>1<\/sup>Herr Josef Bertels ist Projektleiter bei der EMSA-Werke Wulf GmbH &amp; Co. in Emsdetten<\/em><\/p>\n<p><em><sup>2<\/sup>Herr Martin J\u00fcrgens ist Seniorconsultant bei Abels &amp; Kemmner<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Einf\u00fchrung von SAP\/R3 PP und MM Optimierungspotenzial ermittelt von J. Bertels1, Martin J\u00fcrgens2 Mit der Einf\u00fchrung der Materialmanagement- und Produktionsplanungsmodule MM und PP von SAP\/R3 zu Beginn des Jahres 2002 schaffte sich EMSA die IT-Basis f\u00fcr ein integriertes Produktions-, Lagerhaltungs- und Supply-Chain-Management. 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