{"id":1518,"date":"2009-02-27T10:00:58","date_gmt":"2009-02-27T08:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/ak-online.de\/?p=1518"},"modified":"2023-12-05T09:37:04","modified_gmt":"2023-12-05T08:37:04","slug":"pot2009-1-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ak-online.de\/de\/pot2009-1-4\/","title":{"rendered":"Komplexe Stammdaten nachhaltig pflegen"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Wie sie tausende Planungsparameter in den Griff bekommen<\/strong><\/h2>\n<p>Von Dr. Bernd Reineke<\/p>\n<p><strong>Was muten wir eigentlich unseren Disponenten zu? Wenn wir nur die vier Stammdatensichten zur Disposition in SAP betrachten, sind je Artikel ca. 60 Stammdatenfelder zu pflegen. Hinzu kommen die Stammdaten f\u00fcr Arbeitsvorbereitung, Prognosen, Infos\u00e4tze, Orderb\u00fccher und, und, und&#8230; Der klassische Disponent hat damit je nach Artikelanzahl und gew\u00e4hlten Funktionalit\u00e4ten 100.000 bis eine Millionen Stammdaten aktuell zu halten.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Disponent hat mehr Daten zu pflegen, als er Arbeitsminuten pro Jahr zur Verf\u00fcgung hat! Und das ist nur die quantitative Betrachtung. Gleichzeitig verlangen wir, dass er auch die qualitativ richtigen Eintr\u00e4ge vornimmt und sich damit t\u00e4glich f\u00fcr die richtige Wahl entscheidet. Jeder, der sich n\u00e4her mit der Disposition besch\u00e4ftigt, wei\u00df, dass dies eine hochkomplexe Aufgabe ist: Viele Parameter h\u00e4ngen inhaltlich voneinander ab und bedingen sich gegenseitig. Dies kann bei der Masse an Daten zwangsl\u00e4ufig nur zur \u00dcberforderung f\u00fchren. Was macht der Mensch in solchen Situationen? Er vereinfacht die Aufgabenstellung. So wundert es nicht, dass in den meisten Unternehmen nur wenige Planungs- bzw. Dispositionsalternativen im Einsatz sind.<\/p>\n<p>Zum Verzweifeln!<\/p>\n<p>Ohne passende Strategien und Tools werden Disponenten zunehmend \u00fcberfordert:<\/p>\n<p>1.000 Artikel x 4 Dispositionssichten x durchschnittlich 15 Stammdaten = 60.000<\/p>\n<p>1.000 Artikel x 5 Arbeitsvorbereitungs-Stammdaten = 5.000<\/p>\n<p>1.000 Artikel x 1 Prognosesicht x 12 Stammdaten = 12.000<\/p>\n<p>1.000 Artikel x 1 Verbrauchssicht \u00e0 24 Perioden = 24.000<\/p>\n<p>1.000 Artikel x 4 Infosatzsichten x 6 Stammdaten = 24.000<\/p>\n<p>1.000 Artikel x 1 Orderbuch x 5 Stammdaten = 5.000<\/p>\n<p>Gesamtstammdaten bei 1.000 Artikeln = 130.000<\/p>\n<p>Dabei sind Vergangenheitswerte, Quotierungen, Lieferpl\u00e4ne und Kontrakte nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Um nicht unangenehm aufzufallen &#8211; beispielsweise durch \u00c4rger einbringende Stockout-Situationen &#8211; schafft er sich Mechanismen, die zu einem gef\u00fchlt besseren Ergebnis f\u00fchren: Er baut Sicherheiten auf. Zum Beispiel werden Sicherheitsbest\u00e4nde eingestellt oder Planzahlen angehoben, was auch bei Bedarfsspitzen die Lieferbereitschaft garantieren soll. Es werden mit dem gleichen Ziel Mindestlosgr\u00f6\u00dfen erh\u00f6ht und l\u00e4ngere Lieferzeiten eingepflegt. Nicht f\u00fcr jeden sofort ersichtlich, stehen auch Bedarfsvorlaufzeiten hoch im Kurs, die letztlich mit einer verfr\u00fchten Bevorratung den gleichen Effekt haben.<\/p>\n<p><strong>8 Punkte-Programm f\u00fcr bessere Stammdaten<\/strong><\/p>\n<p>1. Artikel klassifizieren<\/p>\n<p>2. Klassenregeln erstellen<\/p>\n<p>3. Lieferantenketten optimieren<\/p>\n<p>4. Wirkungszusammenh\u00e4nge simulieren<\/p>\n<p>5. Optimierte Werte in Stammdaten einpflegen<\/p>\n<p>6. Nachhaltigkeit durch automatisierte Disposition umsetzen<\/p>\n<p>7. Konstante Schulungen der Mitarbeiter nicht vergessen<\/p>\n<p>8. Controlling etablieren<\/p>\n<p>Gerne geben wir den Disponenten die Schuld f\u00fcr unstimmige Best\u00e4nde und schlechte Lieferperformance. Das ist aber zu einfach! Eher sind es mangelnde Konzepte und fehlende Unterst\u00fctzung in der Disposition und Stammdatenpflege, die zur Misere f\u00fchren. Das muss jedoch nicht sein! Wenn Sie unser 8 Punkte-Programm beachten, bekommen Sie Ihre Parameter in den Griff und sparen wertvolle Ressourcen.<\/p>\n<p><strong>1. Klassifizieren Sie Ihre Artikel<\/strong><\/p>\n<p>Die Klassifizierung dient zur Reduzierung der Komplexit\u00e4t in der Planung und Disposition. Bilden Sie Klassen und treffen Sie Entscheidungen, wie die einzelne Klasse sinnvoll einzustellen ist. Als Klassifizierungskriterien bieten sich an: das Lebenszykluskennzeichen, die ABC\/XYZ-Merkmale oder das Beschaffungskennzeichen. In der Regel kommen weitere unternehmensspezifische Merkmale hinzu, die zur Ber\u00fccksichtigung der jeweiligen Restriktionen in Logistik und Produktion dienen (z.B. Lagervolumen, Mehrfachverwendung, vertragliche Vereinbarungen mit Lieferanten und Kunden).<\/p>\n<p><strong>2. Stellen Sie Regeln f\u00fcr die einzelnen Klassen auf<\/strong><\/p>\n<p>Die Regeln legen Sie fest, indem Sie folgende Fragen beantworten: Wird ein Artikel bevorratet oder nur bei Bedarf beschafft? Kommen Pull-Mechanismen zum Einsatz oder sind Push-Verfahren die geeigneteren? Welche Lieferbereitschaft bzw. Verf\u00fcgbarkeit wird konkret angestrebt? Sollen Planzahlen des Vertriebs oder statistische Prognosen die Planungsgrundlage sein? Wie ist ggf. mit Saisonalit\u00e4ten oder schwankenden Bedarfszahlen umzugehen?<\/p>\n<p><strong>3. Sprechen Sie mit Ihren internen und externen Lieferanten zur Optimierung der Lieferkette<\/strong><\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie zun\u00e4chst, bei welchen Lieferanten es sich lohnt, die logistischen Parameter, wie z.B. Lieferzeit, Losgr\u00f6\u00dfe, Mindestmenge etc., zu ver\u00e4ndern. Legen Sie gemeinsam mit ihm die zuk\u00fcnftigen Prozesse fest, wie Sie miteinander zusammenarbeiten wollen. Ermitteln Sie, welche Parameter dies beeinflusst und wie sie einzustellen sind. Hinterlegen Sie auch f\u00fcr diese Gr\u00f6\u00dfen exakte, nachvollziehbare Regeln.<\/p>\n<p><strong>4. Pr\u00fcfen Sie die Auswirkungen des Regelwerks<\/strong><\/p>\n<p>Entscheidend ist, welche Effekte das Regelwerk erzielt. Um diese nicht mit einem langwierigen und kostspieligen &#8220;Trial and Error&#8221; einstellen zu m\u00fcssen, bietet sich die Simulation der Beschaffungsprozesse mit ge\u00e4nderten Parametern an. Daher ist zun\u00e4chst simulativ zu pr\u00fcfen, wie sich die jeweils relevanten logistischen Kennzahlen \u00e4ndern. Wird die angestrebte Lieferbereitschaft erreicht? Was kostet es, die Lieferbereitschaft zu erh\u00f6hen? Sind Bestandssenkungspotenziale und damit Liquidit\u00e4tsreserven abzusch\u00f6pfen? Welchen (Mehr-)Aufwand bedeuten die \u00c4nderungen f\u00fcr Produktion, Logistik und Lieferanten?<\/p>\n<p><strong>5. Setzen Sie die Regeln in Einstellwerte der Stammdaten um<\/strong><\/p>\n<p>Jetzt werden Sie konkret: Legen Sie die Auspr\u00e4gung der Stammdaten genau fest. Zum Einen bedeutet dies, genaue Einstellwerte vorzugeben, wie z.B. die Dispositionsmethode, Losgr\u00f6\u00dfenregel oder Planungsstrategie. Zum Anderen setzen Sie die erarbeiteten Regeln in Algorithmen um, z.B. zur Berechnung der Mindestlosgr\u00f6\u00dfe, der Meldebest\u00e4nde oder der Eindeckzeitr\u00e4ume.<\/p>\n<p><strong>6. Realisieren Sie das Regelwerk zur Unterst\u00fctzung der Disponenten als nachhaltige L\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p>Wie bereits eingangs beschrieben, ist das zu handhabende Datenvolumen oft ein Problem, weshalb die Stammdaten kaum oder nur rudiment\u00e4r gepflegt sind. Mit dem definierten Regelwerk besteht nun die M\u00f6glichkeit, die Datenpflege softwaretechnisch abzubilden und zu automatisieren. Dabei ist der Aufwand zur Programmierung vergleichsweise gering &#8211; der Nutzen aber enorm. Die Aufgabe, Stammdaten aktuell zu halten und regelm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberpr\u00fcfen, \u00fcbernimmt nun die Maschine. Die Planer und Disponenten bekommen jetzt mehr die Aufgabe, die Ergebnisqualit\u00e4t zu pr\u00fcfen und das Regelwerk zu pflegen. D.h., der Aufwand der Datenpflege nimmt drastisch ab bei besserer Datenqualit\u00e4t und besseren Planungs- und Dispositionsergebnissen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk_Komponenten.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-15032 alignright\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk_Komponenten-300x189.png\" alt=\"Regelwerk Komponenten\" width=\"300\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk_Komponenten-300x189.png 300w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk_Komponenten-600x379.png 600w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk_Komponenten-1024x646.png 1024w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk_Komponenten-768x485.png 768w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk_Komponenten-1536x969.png 1536w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk_Komponenten-2048x1292.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>7. F\u00fchren Sie sorgf\u00e4ltig vorbereitete Schulungen durch und coachen Sie Ihre Mitarbeiter nach dem Go Live<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn dieser Punkt fast am Ende steht, ist er der entscheidende Faktor in der Umsetzung. Nur ein geschulter und \u00fcberzeugter Disponent wird von alten Vorgehensweisen loslassen k\u00f6nnen und das neue Regelwerk nutzen. Deshalb sind entsprechende Schulungsma\u00dfnahmen vorzubereiten und durchzuf\u00fchren, um das Regelwerk zu erkl\u00e4ren und transparent zu machen. Ggf. sind zus\u00e4tzlich Dispositionsgrundlagen zu schulen, die bisher noch nicht angewandt wurden, aber jetzt zum Einsatz kommen. Es ist manchmal erstaunlich, welche Wissensl\u00fccken sich selbst bei altgedienten Mitarbeitern noch auftun. Nach der Schulungsphase und der operativen Umstellung auf das neue Regelwerk muss gew\u00e4hrleistet sein, dass die Planer und Disponenten bei Fragen oder Problemen Ansprechpartner haben, die kurzfristig Rede und Antwort stehen und ggf. zur Fehlerbehebung beitragen k\u00f6nnen. Idealerweise coachen die Kollegen, die an dem Aufbau des Regelwerks mitgewirkt haben.<\/p>\n<p><strong>8. Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern, verzichten Sie aber nicht auf das Controlling<\/strong><\/p>\n<p>Um zu einer nachhaltigen L\u00f6sung zu kommen, ist es unabdingbar, die Ergebnisse des Projektes regelm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberwachen und zu kontrollieren. Zum Einen dient dies zur \u00dcberpr\u00fcfung der Wirksamkeit des neuen Regelwerks. Nehmen Sie bei Bedarf Feinjustierungen am Regelwerk vor. Zum Anderen dient dies nat\u00fcrlich auch zum Erkennen von Abweichungen vom Regelwerk. Denn es gibt tausend Gr\u00fcnde, warum ein Artikel jetzt gerade nicht nach dem Standard geplant werden kann. Diese Artikel sind aufzusp\u00fcren und mit dem Disponenten abzustimmen. Entweder hat der Disponent recht und es besteht m\u00f6glicherweise eine L\u00fccke im Regelwerk, die es schnell zu schlie\u00dfen gilt. Oder aber man kann Unklarheiten beseitigen, indem man gezielt nochmals die Wirkungsweise des Regelwerks erl\u00e4utert. Steter Tropfen h\u00f6hlt auch hier den Stein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15030\" aria-describedby=\"caption-attachment-15030\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ak-online.de\/\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk.png\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-15030 size-large\" src=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk-1024x629.png\" alt=\"Beim Aufbau eines Regelwerks setzen Sie klassifizierende logistische Kenngr\u00f6\u00dfen in konkrete Vorgaben f\u00fcr Einstellwerte und Dispositionsmethoden um. Erst die Umsetzung des Regelwerks im ERP-System bringt eine Entlastung der Beteiligten und f\u00fchrt zu objektiven Planungsergebnissen.\" width=\"1024\" height=\"629\" srcset=\"https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk-1024x629.png 1024w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk-600x369.png 600w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk-300x184.png 300w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk-768x472.png 768w, https:\/\/www.ak-online.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Regelwerk.png 1037w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15030\" class=\"wp-caption-text\">Beim Aufbau eines Regelwerks setzen Sie klassifizierende logistische Kenngr\u00f6\u00dfen in konkrete Vorgaben f\u00fcr Einstellwerte und Dispositionsmethoden um. Erst die Umsetzung des Regelwerks im ERP-System bringt eine Entlastung der Beteiligten und f\u00fchrt zu objektiven Planungsergebnissen.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Schlussfolgerung<\/strong><\/p>\n<p>Die Erarbeitung und Einf\u00fchrung eines wie oben beschriebenen Regelwerkes hat folgende Vorteile:<\/p>\n<p>Sie nehmen dem Disponenten ein St\u00fcck der Verantwortung, die oft als B\u00fcrde empfunden wird. Er kann sich bei Nachfragen seiner Kollegen auf das Regelwerk berufen, wenn es z.B. zu einer Stock-out-Situation kommen sollte. Denn mit dieser ist zu rechnen: 95% Lieferbereitschaft hei\u00dft auch, 5% nicht p\u00fcnktlich liefern zu wollen.<\/p>\n<p>Das Regelwerk f\u00fchrt zu einer Standardisierung der Planungs- und Dispositionsprozesse. Dies hat den Vorteil, dass Urlaubsvertretungen oder eine andere Aufteilung unter den Beteiligten kein Problem darstellen. Weiterhin lassen sich Schulungen spezifischer auf die Aufgabe ausrichten. Letztlich k\u00f6nnen neue Planer und Disponenten schneller eingearbeitet werden.<\/p>\n<p>Der Aufwand f\u00fcr die Parameterpflege reduziert sich auf ein Minimum, so dass sich die Beteiligten auf Problemsituationen konzentrieren k\u00f6nnen oder andere Arbeiten, zum Beispiel die Preisverhandlung im Einkauf, mit mehr Sorgfalt aus\u00fcben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sie tausende Planungsparameter in den Griff bekommen Von Dr. Bernd Reineke Was muten wir eigentlich unseren Disponenten zu? Wenn wir nur die vier Stammdatensichten zur Disposition in SAP betrachten, sind je Artikel ca. 60 Stammdatenfelder zu pflegen. 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