Materialkosten steigen weiter – die Materialeffizienz hält nicht mit 

Andreas Kemmner

Die Materialkosten steigen schneller, als Unternehmen ihre Materialeffizienz verbessern können: Das zeigen einfache Vergleichsrechnungen über den Zeitraum der letzten 10 Jahre.
Ein Blick auf den GFMS Basismetall Index zeigt, dass die Rohstoffkosten von Januar 2000 bis zum Rezessionsmonat Januar 2009 um 50 % gestiegen sind, d. h. durchschnittlich 4,14 % im Jahr. Bezogen auf den Indexwert von Dezember 2010 beträgt die Steigerung sogar jährliche 14,73 %.

GMF-Base Metal Index
Abbildung 1: Der GFMS Base Metal Index gibt die Entwicklung des Durchschnittspreises der sechs Basismetalle Aluminium, Kupfer, Blei, Nickel, Zinn und Zink bei gleicher Gewichtung an der LME (London Metal Exchange) wieder. Der Durchschnittspreis liegt heute bereits wieder auf dem Hochpreisniveau von 2007 und 2008. Noch bedeutender ist, dass er selbst im Februar 2009, dem Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise, noch 50 % über dem Index-Bezugspreis vom 4. Januar 2000 lag.

Viele Unternehmen können diese Preissteigerungsraten weder in vollem Umfang an den Markt weitergeben noch durch Kosteneinsparungen kompensieren. Uns liegen zwar keine statistisch gesicherten Daten darüber vor, in welchem Maße Unternehmen den Preisanstieg im gleichen Zeitraum durch Verbesserungen der Materialeffizienz kompensieren konnten. Vielleicht können aber die Daten der Deutschen Materialeffizienzagentur (demea) erste Hinweise liefern, welche Materialeffizienzpotenziale heute im Schnitt gehoben werden: Auf der Basis von 663 Analysen zur Verbesserung der Materialeffizienz, die von der demea gefördert wurden, haben die Experten ein Verbesserungspotenzial von durchschnittlich 2,4 % (Median 1,1 %!), bezogen auf den Umsatz ermittelt. Dies entspricht, je nachdem wie man rechnet, einem maximalen Potenzial zur Verringerung des Materialkostenanteils von 5,9 %1 – als einmaligem Effekt.

Dies ist auf lange Sicht gesehen aber nicht ausreichend, um die Preissteigerungen zu kompensieren. Schließlich werden die Rohstoffkosten im langfristigen Trend weiter deutlich ansteigen. Die Nachfrage nach Rohstoffen wächst nicht nur weltweit dramatisch. Auch der Zugang zu Rohstoffen, jenseits von Rohöl, wird zunehmend zum Machtfaktor im globalen Wettbewerb. China beginnt bereits damit, diesen auszuspielen. Produzierenden Unternehmen wird nichts anderes übrig bleiben, als massiv und kontinuierlich an der Verbesserung ihrer Materialeffizienz zu arbeiten. Noch sind die Unternehmen dabei, die niedrig hängenden Früchte zu ernten. Das Spektrum an Ansatzpunkten ist jedoch deutlich breiter, als zumeist angenommen wird und so gibt es noch viele Potenziale, die gehoben werden können. Wesentliche Ansatzpunkte können Sie der nachstehenden Grafik entnehmen. Gerne helfen wir Ihnen diejenigen Stellschreiben zu identifizieren, an denen Sie künftig drehen müssen.

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Fußnote:

1 Berechnungsschema: 2,4 % bezogen auf den Umsatz (=100 %) entsprechen ca. 5.9 % der Materialkosten (=40 %).


Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner hat in über 25 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 150 nationale und internationale Projekte durchgeführt.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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