30 Prozent weniger Rohmaterialien im Lager möglich 

Andreas Kemmner

Supply-Chain-Optimierung

Der Sanitär- und Badspezialist Hansgrohe optimiert derzeit seine Supply-Chain-Prozesse in Zusam­menarbeit mit der Leonardo Group sowie Abels & Kemmner. Erste Ergebnisse liegen jetzt vor: Durch das neu eingeführte, nach­frageorientierte Pull-System bei Produktion und Beschaffung wird ab sofort keine Bestellung mehr ohne Nachfragebedarf ausgelöst. Das sich hieraus ergebende Be­standreduzierungspotenzial bei den Rohmaterialien ist mit mehr als 30% liquiditätssteigernd.

In zehn Wochen wurden die Be­stände der Pilotartikel um 50% ge­senkt. Voraussetzung hierfür war eine detaillierte Analyse der Be­stände und die Simulation der Be­schaffungskette zur Optimierung der logistischen Parameter. Die Ergebnisse der hierfür durchge­führten ABC/XYZ-Analysen zeig­ten ein klassisches Bild: Während es gelingt, im AB/XI‘-Bereich die Bestände im Verhältnis zum Um­satz gering zu halten, war der Be­stand bei den sporadisch benötig­ten Artikeln (Z2-Artikel) sowie bei den geringwertigen C-Artikeln zu hoch, was sich durch einen gerin­gen Wert des Lagerumschlags aus­drückt.

Basierend auf diesen Erkennt­nissen wurden im nächsten Schritt die Parameter für Bestands-Simu­lationsläufe festgelegt: Bei den hochwertigen A- und B-Artikel sollte nach Möglichkeit ein hoher Lagerumschlag erzielt werden. Dazu wurde ein Eindeckzeitraum von fünf Arbeitstagen gewählt. Bei den geringwertigen C-Artikeln wurde ein Eindeckzeitraum von 20 Arbeitstagen gewählt, was sich nur gering auf die Bestände aus­wirkt aber sowohl im Einkauf als auch in der Logistik den administ­rativen und physischen Aufwand in Grenzen halten sollte. Die spo­radisch verbrauchten Z2-Artikel wurden bei der Simulation eben­falls berücksichtigt, allerdings soll­ten diese Artikel wegen des höhe­ren Bestandsrisikos zukünftig auf­tragsbezogen beschafft werden. Alle Artikel wurden mit drei Lie­ferbereitschaftsgraden simuliert, um zum einen die Lieferbereit­schaftsgrade beurteilen zu können und zum anderen die Auswirkun­gen des Lieferbereitschaftsgrades auf die Bestände zu ermitteln.

Die Ergebnisse der Simulations­läufe ergaben Bestandsreduzie­rungspotenziale von bis zu 47%. Dabei betrugen die Lieferbereit­schaftsgrade der zukünftig lager­haltigen Artikel zwischen 91 und ca. 96%.

Simulationsergebnisse


Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner hat in über 25 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 150 nationale und internationale Projekte durchgeführt.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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