Montblanc überwindet Grenzen des Kanban 

Andreas Kemmner

von Dr. Götz-Andreas Kemmner

Hamburg (ba). Mit einer neuen Komponente können die Mitarbeiter des Schreibartikel-Herstellers Montblanc die Kanban-Regelkreise auch an sporadisch laufende Artikel anpassen.

Das Artikelspektrum bei Montblanc stellt unterschiedliche Anforderungen an die Dimensionierung der Kanban-Regelkreise. Einige Fertigungsbereiche arbeiten prozessbedingt mit hohen Losgrößen, andere sind durch minimale bis gar keine Rüstzeiten gekennzeichnet. Auf der anderen Seite schwankt der Verbrauch der Kunden zwischen kontinuierlich kleinen Mengen und einzeln angeforderten Großmengen.

Darüber hinaus umfasst das Verbrauchsverhalten der Schreibgeräte aufgrund des großen und variantenreichen Artikelspektrums regelmäßige (X-Artikel), unregelmäßige (Y-Artikel) und auch einige sporadische (Z-Artikel) Komponenten. Zwar gelten sporadisch laufende Artikel nach der allgemeinen Kanban-Theorie als nicht geeignet für eine Kanban-Steuerung. Jedoch kann jeder Artikel unabhängig von seinem Verbrauchsverhalten kanbangesteuert werden. Ausschlaggebend ist nämlich bei den sporadischen Artikeln nur die Höhe des für eine reibungslose Steuerung notwendigen Sicherheitsbestandes. Dieser aber hat in den klassischen Kanban-Formeln, auch in der von SAP verwendeten, keine mathematisch-analytische Basis. Aber auch für X- und Y-Artikel lässt sich nicht immer ein Sicherheitsbestand festlegen Dieser wird meist zu hoch angesetzt, da mit die Bestände in den Regelkreisen nicht leer laufen.

Mit dem Add-On-Modul „SAP-ZDK“ für das SAP-System können diese Anforderungen nun berücksichtigt werden. Dafür müssen die Regelkreis-Stammdaten um unternehmensindividuelle Stammdatenfelder erweitert werden. Aus der SOP-Planung entnimmt sich das Programm die geplanten Absatzmengen der Endgeräte und ermittelt daraus über die Stücklistenauflösung die Monatswerte für alle kanbangesteuerten Komponenten. Diese Werte bilden die steuertauchspezielle Grundlage für die Dimensionierung, da aus ihnen für jede Komponente der Grund- und Sicherheitsbestand in Abhängigkeit zum Verbrauchsverhalten (XYZ-Komponenten) ermittelt wird. Über die Parameter jeder einzelnen Komponente und einen Simulationszeitraum von fünf Jahren wird nun getestet, welche Anzahl Kanbans in das System eingesteuert werden müssen. Dabei wird der Sicherheitsbestand laufend überwacht, damit das System nicht leer läuft bzw. keine überflüssigen Kanban-Behälter im System zirkulieren. Der Disponent erhält zur Beurteilung Ergebnisse wie Anzahl notwendiger Kanbans sowie Differenz zur aktuellen Situation, maximale Anzahl Kanban-Behälter im Lagerbereich, Minimal-, Durchschnitts- und Maximallagerbestand, Kalkulation der durchschnittlichen monatlichen Rüstvorgänge. Durch Veränderung der Parameter kann nun die Dimensionierung variiert werden. So lassen sich Verbesserungen bei Beständen, Rüstvorgängen etc. gegen Änderungen der Parameter abwägen.

Bei Montblanc wird für die zukunftsgerichtete Kanban-Dimensionierung eine rollierende Absatzplanung für die benötigten Verbrauchswerte herangezogen. Damit ist Kanban zu einem agierenden und nicht zu einem reagierenden Steuerungssystem geworden. Die häufig fehlende regelmäßige Neudimensionierung des Kanban-Systems führt zu Ressourcenverschwendung und Störungen in der Kanban-Steuerung.

Federaggregate werden in Trays eingelagert und mit den entsprechenden Kanbankarten bestückt.
Federaggregate werden in Trays eingelagert und mit den entsprechenden Kanbankarten bestückt.

Neudimensionierung wird jetzt schneller und unkomplizierter 

Eine Neudimensionierung muss in regelmäßigen Abständen bzw. nach Bedarf, etwa aufgrund veränderter Absatzprognosen, schnell und unkompliziert erfolgen können. Bei Montblanc trägt hierfür die Disposition die Verantwortung. Das neue Modul hilft, die Neudimensionierung jedes einzelnen Artikels unkompliziert und schnell durchzuführen und die Ergebnisse mit den bestehenden Regelkreisen oder über verschiedene Versionen zu vergleichen und zu entscheiden, was zu tun ist.

Problem und Lösung

Vorher
Dimensionierung
bisher nur mit der üblichen Kanban-Formel. Parameter: Wiederbeschaffungszeit pro Kanban, durchschnittlicher Verbrauch, Menge je Kanban-Behälter, Sicherheitsfaktor.

Nachher
Automatische Kanban-Dimensionierung hilft, das Kanban-Systern in SAP differenzierter auszulegen und Verschwendung konsequent zu vermeiden. Einfachheit, Transparenz etc. werden verstärkt.


Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner hat in über 25 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 150 nationale und internationale Projekte durchgeführt.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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