Visions-Workshop bei Cherry 

Andreas Kemmner

von Dr. Götz-Andreas Kemmner

Der Wettbewerb in der Consumer-Elektronik ist hart. Hersteller von Computer-„Peripheriegeräten“ wie Cherry sind deshalb neben exzellenten Produkten auch auf hervorragende Supply Chains angewiesen. Das zu den in Europa führenden Herstellern von Computer-Eingabegeräten, Schnappschaltern, Automobilschalt- und Steuerungssystemen zählende Unternehmen entschied sich deshalb, die existierende Supply Chain in einem von Abels & Kemmner begleiteten zweitägigen Workshop einer kritischen Prüfung zu unterziehen, um weiteres Optimierungspotenzial offen zu legen.

Drei Handlungsfelder sollten dabei angegangen werden: Die verbesserte Einbindung der Kunden, die Optimierung von Lieferbereitschaft und Beständen sowie die bessere Integration der eigenen Lieferanten. Zu Beginn des Workshops stimmte Jürgen Feihl, Leiter Materialwirtschaft und Einkauf, seine Mannschaft mit einem Referat über die zukünftige Produktstrategie von Cherry und die daraus resultierenden Anforderungen an die Supply Chain, ein. Was Supply Chain Management bedeutet und welche Ziele hiermit verfolgt werden, wurde von Abels & Kemmner in einem weiteren Vortrag aufgezeigt.

Im Anschluss an diese Plenarveranstaltung wurde in drei parallelen Workshops die Ist-Situation in den drei Handlungsfeldern analysiert, gemeinsame Zielvorstellungen wurden entwickelt und erste Konzepte erarbeitet, wie in den einzelnen Bereichen die angestrebten Ziele erreicht werden können. Moderiert wurden die Workshops von Jürgen Feihl, Thomas Kilchert, Leiter Controlling Materialwirtschaft bei Cherry, und durch die Berater von Abels & Kemmner. Die Berater bewegten sich dabei von Team zu Team, brachten Denkanstöße in die Diskussion ein und sorgten auf diese Weise für die notwendige Synchronisation zwischen den Teams.

Da die einzelnen Handlungsfelder nicht unabhängig voneinander zu betrachten sind, war es wichtig, die Erkenntnisse und Überlegungen der einzelnen Workshopteams miteinander abzustimmen. Aus diesem Grunde trafen sich alle drei Teams am späten Nachmittag des ersten Tages zu einer gegenseitigen Vorstellung der Zwischenergebnisse.

Regina Späth, die Assistentin von Jürgen Feihl, hatte für den Abend ein gemeinsames Abendessen mit Kabarett-Besuch organisiert. Obwohl der Abend lang wurde, traf sich das gesamte Team am nächsten Morgen Punkt 8:30 h, um die Workshopsarbeit fortzusetzen. Zuvor hatten sich Jürgen Feihl, Thomas Kilchert und das Berater-Team bereits hinsichtlich des Arbeitsprogramms für den zweiten Tag abgesprochen.

Am Samstag, nach dem Mittagessen, trafen sich die drei Teams wieder im Plenum, um die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen vorzustellen. Die Ergebnisse der drei Handlungsfelder wurden in einem strategischen Masterplan festgelegt, der auch alle notwendigen Arbeitsschritte und Teilprojekte mit Ihren Zusammenhängen, Reihenfolgen und Eckterminen festhielt. Mit dieser Roadmap arbeiten nun Cherry und Abels & Kemmner an der resultatsorientierten Optimierung der Wertschöpfungskette.

Für den Initiator dieses Workshops Jürgen Feihl, Leiter Materialwirtschaft und Einkauf, ist die Entscheidung für die Durchführung eines solchen Workshops goldrichtig, denn zum einen wurden alle an der Supply Chain beteiligten Mitarbeiter von Anfang an in die Veränderungsmaßnahmen involviert und konnten so gemeinsame Zielvorstellungen entwickeln. Zum anderen konnte man schnell die Scheu vor den externen Beratern abbauen, die gemeinsame Chemie für die potenziellen Folgeprojekte abstimmen und Aufbruchstimmung wecken. Somit stellt ein Supply Chain Workshop eine höchsteffiziente Arbeitsform dar, dessen Ergebnisse man kaum in normalen Besprechungen hätte erzielen können.

Abbildung 1: Das Workshopteam konzentriert bei der Vorstellung eines Zwischenergebnisses
Abbildung 1: Das Workshopteam konzentriert bei der Vorstellung eines Zwischenergebnisses

Zielsetzung beachten

Oberste Prämisse bei der Planung von Workshops ist die Festlegung der Ziele eines solchen Workshops. Hierbei wird oftmals der Fehler begangen, dass zwar ein globales Ziel formuliert wird, wie z.B. „Wie steigern wir die Kundenzufriedenheit“. Aber dabei wird zumeist vergessen, dass der Workshops selbst ein eigenes Ziel haben sollte. Ohne Workshopziel wie z.B. im Falle Cherry „Festlegung eines Masterplans“ besteht nämlich die Gefahr, dass sich alle zwar den Kopf zerbrochen haben, wie man die Kundenzufriedenheit steigern könnte, die Transferleistung aus diesem Workshop jedoch findet nicht statt. Achten Sie deshalb stets darauf, dass ein Workshop auch ein klares Ziel hat, das im Rahmen der Zusammenkunft erarbeitet und zum Abschluss hin dokumentiert und als klare Aufgaben mit festen Zeitvorgaben beschlossen werden muss.

Rahmenbedingungen schaffen

Eine wesentliche Erfolgsbedingung für einen solchen Workshop ist auch, dass er außerhalb des Unternehmens, z.B. in einem Hotel, durchgeführt wird, damit der Workshop aus dem Alltag herausgehoben wird und damit sich die Teilnehmer- im Falle Cherry zwei Tage lang – auf die Thematik konzentrieren können, ohne durch das Tagesgeschäft abgelenkt zu werden. Um den notwendigen Abstand zum Alltag zu gewinnen und das Teamgefühl zu stärken, ist es ratsam, dass die Teilnehmer auch gemeinsam am Tagungsort übernachten und nicht nach Hause fahren. So wird das gemeinsame Erleben und die Wahrnehmung der Kollegen nicht nur als Funktionsträger, sondern auch als Menschen gestärkt.

Alle zu Wort kommen lassen

Neben der Zielorientierung ist in einem Workshop besonders wichtig, dass alle Beteiligten angemessen zur Sprache kommen, damit die Zielvereinbarungen auch von allen Mitarbeitern mit getragen werden können. Dem Moderator eines Workshops kommt deshalb eine besondere Rolle zu: Im Betriebsalltag kommen Probleme oft nur langsam zum Vorschein. In Workshops geschieht dies meist viel schneller. In solchen Situationen ist der Moderator gefordert. Es muss Teilnehmer wieder in die Gruppe zurückführen können, mit dominanten und profilierungsbedürftigen Teilnehmern umgehen können. Dafür ist eine gute Portion Einfühlungsvermögen notwendig sowie die Fähigkeit Konfliktsituationen durch Motivation der Teilnehmer überwinden zu können.

Auch muss der Moderator das übergeordnete Thema des Workshops zuverlässig beherrschen und im Falle Cherry in den Bereichen Produktionsorganisation und -logistik ein ausgewiesener Fachmann sein. Seine Fähigkeit, Wissen und Fachkenntnisse weitergeben zu können, sind von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des Workshops und für den Start in ein erfolgreiches Projektmanagement betrieblicher Restrukturierungsmaßnahmen.

Nicht vom Alltag einholen lassen

Nach Abschluss eines solchen initialen Workshops ist es dann wichtig, die gesetzten Ziele auch sukzessive umzusetzen. Dies erfordert zu allererst, dass für die Umsetzung der Maßnahmen entsprechend Zeit für die eigenen Mitarbeiter und Budget für die notwendige externe Unterstützung zur Verfügung gestellt werden. Auch wenn man es dem Berater nicht gerne glaubt: ohne externe Unterstützung sind größere Veränderungsprozesse in Unternehmen heute nicht mehr durchführbar. Die schlanken Personalstrukturen einerseits und die notwendigen Spezialkenntnisse andererseits bedingen eine externe Unterstützung, um den Veränderungsprozess erfolgreich umzusetzen. Ratsam ist weiterhin, den Maßnahmenkatalog in Meilensteine aufzuteilen, um kleine Zwischenziele zu setzen, die in einem angemessenen Zeitraum realisiert werden können.

Nur so bleibt sichergestellt, dass die beschossenen Lösungsansätze nicht im Sande verlaufen oder um Monate oder Jahre verzögert werden, weil einen der betriebliche Alltag einholt und ausbremst. Zu guter Letzt sollte das Erreichen der Meilensteine auch kommuniziert werden, sodass alle Workshopbeteiligten den Erfolg des Projektes wahrnehmen und die Ergebnisse als Folge der eigenen Leistung motivationsfördernd wahrnehmen.

Über Cherry

Vom Firmenhauptsitz der Cherry GmbH im oberpfälzischen Auerbach werden die Geschicke von Cherry Europa mit ca. 2.100 Mitarbeitern gesteuert. Mit Produktionsstätten in Auerbach sowie dem oberfränkischen Bayreuth und tschechischen Klasterec produziert Cherry seine Produkte und liefert diese über Regionalgesellschaften an seine internationalen Kunden.

Das Sortiment an Computer-Tastaturen von Cherry umfasst mehrere Produktreihen, welche im Herbst 2003 zusätzlich durch die design- und funktionstechnisch zukunftsweisende, neue Cymotion-Reihe ergänzt werden. Der Funktionsumfang von Computer-Tastaturen wird von Cherry integriert in der Tastatur oder mittels Komplementärprodukte durch vielfältige Zusatzfunktionen wie Chip- / Magnetkartenleser, biometrische Identifizierungssysteme etc. erweitert.

Im Automobilsegment ist Cherry führender Anbieter von Mechatronikprodukten, insbesondere im Bereich Schließsysteme und Komfortfunktionen.


Andreas Kemmner

Autor | Author

Prof. Dr. Kemmner hat in über 25 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 150 nationale und internationale Projekte durchgeführt.

2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt.

Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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