ERP-AddOn-Tool Diskover schliesst Dispositionslücke

von Michael Hennen, Fachjournalist, Aachen

Artikel, denen kein theoretischer Verteilungstyp zugeordnet werden kann, werden häufig falsch disponiert, was einen unnötig hohen Lagerbestand zur Folge hat. Die Softwarelösung Diskover nutzt verteilungsfreie Verfahren.

Lagerartikel, bei denen kein Ltheoretischer Verteilungstyp im Lagerabgang ermittelt werden kann, werden unter Umständen falsch disponiert. Dies trifft auf durchschnittlich 25% aller Lagerartikel zu. Das Einsparpotential ist folglich enorm. Diskover ist eine FrontEnd-Lösung für die Disposition von Lagerartikeln, die auch konsequent verteilungsfreie Dispositionsverfahren anbietet und als Add-On-Tool an herkömmliche ERP-, WW- und PPS-Systeme angebunden werden kann. Berücksichtigt man, dass bei jeder Mark Lagerbestandsreduktion zusätzlich bis zu 30 Pfennig Lagerhaltungskosten eingespart werden können, amortisiert sich das Tool bereits ab wenigen Millionen Lagerbestandswert und führt gleichzeitig zur Steigerung der Lieferbereitschaft.

Zur Bestimmung von zukünftigen Bedarfen und Sicherheitsbeständen existieren eine Reihe von Methoden und Modellen, wobei die Mehrheit der praktisch-mathematisch orientierten Grundlagenforschung entstammt. Hierbei werden häufig Standardlagerhaltungssituationen zugrunde gelegt, die zwar mathematisch exakte Berechnungen ermöglichen, meist jedoch kein für die Probleme der Praxis adäquates Modell darstellen: Ein grosser Teil der Modelle setzt einen normalverteilten Lagerabgang voraus, ohne auf die tatsächliche Lagerabgangsverteilung einzugehen. In der Praxis liegt der Anteil der Normalverteilungen im Lagerabgang jedoch nur bei rund 5%. Ein relativ grosser Anteil der Verteilungen, etwa 25%, kann hingegen überhaut keinem theoretischen Verteilungstypen zugeordnet werden.

Um exakt disponieren zu können, ist es daher erforderlich, vor der eigentlichen Dispositionsrechnung den vorliegenden Verteilungstyp mit Hilfe von statistischen Testverfahren zu bestimmen. Dies war bislang für die tägliche betriebliche Praxis viel zu aufwendig, da hierfür keine geeigneten Softwaretools zur Verfügung standen.

Vor diesem Hintergrund wurde das stochastische Dispositionstool Diskover entwickelt. DieBestimmung artikelspezifischer Grundbedarfe und Sicherheitsbestände erfolgt unter Berücksichtigung eines vorzugebenden Soll-Lieferbereitschaftsgrades sowie der in den Unternehmen real auftretenden Verteilungen sowohl der Lagerabgänge als auch der Wiederbeschaftungsschwankungen. Eignete sich Diskover bislang nur für die von der täglichen Disposition abgekoppelten Parameteroptimierungsläufe, werden nun auch die dynamischen Verfahren unterstützt. Damit eignet sich Diskover jetzt auch als Front End für die tägliche Disposition und fügt sich nahtlos in die existierende ERP-, WWS- und PPS-Landschaft ein. Als integriertes System im Rahmen einer Materialwirtschafts- bzw. ERP-Lösung erhält Diskover die Daten durch direkten Zugriff auf die Datenbank des entsprechenden Host-Rechners. Ist kein direkter Zugriff auf die Host-Datenbank möglich, können die Daten auch über eine entsprechende Schnittstelle übergeben und in einer eigenen Datenbank gehalten werden. Für die Arbeit mit Diskover werden Daten benötigt, die Auskunft über die Lagerbewegungen geben. Wesentliche Informationen für die Bearbeitung sind Lagerabgänge: Für alle Artikel muss jeweils die Höhe des Abgangs sowie der dazugehörige Zeitpunkt verfügbar sein. Stammdaten: Für alle Artikel müssen die artikelspezifisch konstanten Informationen enthalten sein, wie z.B. Artikelbezeichnung, Wiederbeschaffungszeiten, Einkaufspreise, etc.

Die Software unterstützt den täglichen Arbeitsablauf mit einem hohen Freiheitsgrad bei der Artikelselektion. Der Disponent kann sich beispielsweise alle Artikel zusammenstellen lassen, die dem Disponentenkennzeichen „Müller“ zugeordnet sind, vom Lieferanten „Schmitz“ bezogen werden und gleichzeitig AX- oder BX-Artikel sind. Das Kriterium Ereignisse ermöglicht darüber hinaus noch die Selektion der Artikel, die z.B. das Attribut „Fehlmenge vorhanden“ oder „Sicherheitsbestand unterschritten“ erfüllen. 

Hoher Freiheitsgrad bei Artikelselektion

Das Prognose- und Planungsmodul bietet abhängig vom ermittelten Bedarfsverhalten (ABC-/ XYZ-Kennzeichen) die zum geplanten Lieferbereitschaftsgrad passenden Verfahren zur Bestimmung des Grundbedarfes und des Sicherheitsbestandes an. Hierzu gehören klassische Verfahren wie z.B. der arithmetische Mittelwert oder die exponentielle Glättung sowie auch die bereits angesprochenen verteilungsfreien Verfahren zur Bestimmung von Grundbedarf und Sicherheitsbestand.

Die historische Bewegungszeitreihe sowie die Planbedarfe eines Artikels werden sowohl tabellarisch als auch grafisch dargestellt. Zur Beurteilung der Planungsqualität werden auch die für die Zukunft bereits bestehenden Aufträge aus dem Host-System übernommen und als kumulierte Bedarfsmenge angezeigt. Zusätzlich ist es möglich, die prognostizierten Planbedarfe durch manuelle Eingabe von Aktionen (Grossprojekte, Verkaufsaktionen) zu ergänzen. In der Disposition werden unter Berücksichtigung der eingestellten Dispositionsverfahren und der in der Prognose ermittelten zukünftigen Bedarfe für jeden einzelnen Artikel Bestellvorschläge generiert.

Die Funktionalität zur Bestimmung des richtigen Bestellzeitpunktes sowie die Ermittlung der richtigen Bestellmenge erfolgt dabei durch eine dynamische, reichweitenorientierte Bestellrechnung. Mindestbestellmengen und Bestellmengeninkremente (z.B. Verpackungseinheit) werden automatisch berücksichtigt, ausserdem können Alternativlieferanten zur Auswahl gestellt werden.

Der Zeitpunkt zur Auslösung eines neuen Bestellvorschlags sowie die Bestellmenge für die dann folgende Betrachtungsperiode werden täglich bzw. bei jedem Rechenlauf dynamisch neu berechnet. Durch diese Funktionalität kann der Disponent den Schwankungen im Bedarfsverhalten eines Artikels erheblich genauer folgen und die Bestellmenge entsprechend anpassen. Die Bestellvorschläge werden abschliessend an das Hostsystem übergeben und nach Prüfung und Freigabe durch den Disponenten in Bestellaufträge umgewandelt. Darüber hinaus können durch Variation der vorzugebenden Parameter verschiedene Bestandsund Reichweitenentwicklungen simuliert werden. Die Bedarfe sowie die Entwicklung des Lagerbestandes werden tagesgenau dargestellt.

Bestellvorschläge können, solange sie noch nicht in Bestellungen umgewandelt wurden, jederzeit auch vom Disponenten bearbeitet, gelöscht oder um manuell eingetragene Vorschläge ergänzt werden. Die Portfolioanalyse ist eine Controllingfunktion, die es dem Disponenten ermöglicht, sein Artikelspektrum regelmässig z.B. hinsichtlich Bestandshöhe und Bestandsverteilung zu untersuchen. Dabei sind auch Untersuchungen von Teilspekten durch Kombination der Portfolioanalyse mit der eingangs erläuterten Artikelselektion möglich.

Diskover bietet neben dem beschriebenen Leistungsumfang umfangreiche Anzeige- und Editierungsmöglichkeiten für die Artikelstammdaten und artikelspezifischen Parameter. Welche Informationen in welcher Reihenfolge in einer Artikeltabelle angezeigt werden, ist individuell einstellbar. Weitere Masken bieten die Möglichkeit, Stammdatenfelder und Parameter für einen einzelnen Artikel oder auch für alle Artikel der aktiven Artikelselektion zu editieren. 

Sparpotienzial mindestens 15 % 

Bevor Diskover zu einem operativen Dispositionstool entwickelt wurde, setzte der Softwareentwickler, die Abels & Kemmner GmbH, Diskover als unternehmensinternes Analysetool bei 34 Beratungskunden mit unterschiedlichen Softwarekonfigurationen ohne direkte Softwareanbindung ein und ermittelte bei 82% der untersuchten Unternehmen mindestens 15% Einsparpotenzial, 32% konnten sogar mehr als 25% einsparen. Der grösste Cluster mit 43% der Unternehmen konnte zwischen 20% und 25% einsparen. Gleichzeitig werden z.T. beachtliche Steigerungen der Lieferbereitschaft erzielt. Es zeigt sich also, dass die korrekte Bestimmung der Dispositionsparameter aus wirtschaftlichen Gründen sowie zur Sicherung der Kundenzufriedenheit unabdingbar ist. 

ERP / WARENWIRTSCHAFT 

Der Anbieter

Schwerpunkt der Abels & Kemmner GmbH ist die Straffung von Wertschöpfungsketten Supply-Chain-Optimierung bei Serien- und Variantenfertigern sowie Grosshandelsunternehmen. 1997 gründeten Abels & Kemmner das erste Virtuelle Unternehmen aus sechs mittelständischen Unternehmen der Automobilzulieferbranche. Heute arbeiten die Berater von Abels & Kemmner in vier ver netzten Teams für Supply-Chain-Optimierung, Turnaround-Management, IT Beratung und DV-gestützes Bestandsmanagement.
ak-online.de

Das System

Das Dispositionssystem Diskover ist in der Version 4.0 jetzt auch als operatives Managementsystem für die Optimierung der Supply Chain verfügbar. Diskover ist in C++ programmiert und läuft als Client auf allen Windowsplatfformen. Der zentrale Datenbankserver (z.b. Oracle, MS-SQL und vergleichbare Derivate) kommuniziert über eine standardisierte Schnittstelle mit führenden ERP-Systemen. Je nach Datenvolumen sind Client und Server auszulegen. Für den Einsatz von Diskover wird folgende Arbeitsumgebung vorausgesetzt:

Client:

  • ab Intel Pentium 11 Prozessor
  • ab 64 MB RAM
  • Freier Festplattenspeicher ca. 10 MB, konfigurationsunabhängig
  • Betriebssystem Microsoft Windows 95/98/NT
  • Zugriffe auf SQL-Datenbank über ODBC-/ native Treiber

Server:

  • Bereitstellung einer SQL-Datenbank, z.B. Oracle, MSSQL
  • Falls keine SQL-Datenbank vorhanden ist, Bereitstellung einer ASCII-Schnittstelle
  • Freier Festplattenspeicher ab 200 MB, konfigurationsabhängig
Phone: +49 2407 95 65 0
Fax: +49 2407 95 65 40
52134 Herzogenrath
Kaiserstr. 100